Amazon-Gründer gegen US-Präsident So zoffen sich Bezos und Biden auf Twitter

Popcorn-Zeit auf Twitter: Der zweitreichste Mann der Welt und der wohl mächtigste liefern sich seit Tagen einen öffentlichen Schlagabtausch. Thema des Disputs: Bezos oder Biden – wer ist schuld an der hohen Inflation in den USA.
Schlagabtausch: US-Präsident Joe Biden und Amazon-Gründer Jeff Bezos sind im Clinch über die hohen Inflationsraten in den USA

Schlagabtausch: US-Präsident Joe Biden und Amazon-Gründer Jeff Bezos sind im Clinch über die hohen Inflationsraten in den USA

Foto: AP; JIM WATSON / AFP

Amazon-Gründer Jeff Bezos (58) setzt seinen Privatstreit mit dem Weißen Haus auch nach dem Präsidentenwechsel fort. Mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump (75) lag Bezos bereits dauerhaft über Kreuz – jetzt hat sich auch ein Disput zwischen dem Multimilliardär und dem aktuellen Amtsinhaber Joe Biden (79) entsponnen.

Gegenstand des Streits sind zwei heiße Themen, über die die Männer ziemlich unterschiedliche Meinungen vertreten: die ausufernden Inflationsraten in den USA sowie die Besteuerung großer Konzerne und besonders reicher Menschen.

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war eine Botschaft, die am Freitag der vergangenen Woche unter dem Account von Biden auf dem Kurznachrichtendienst Twitter erschien. "Sie wollen die Inflation senken?", schrieb Biden dort. "Stellen wir zunächst sicher, dass die reichsten Unternehmen ihren fairen Anteil zahlen."

Bezos wirft Biden Irreführung vor

Durch diese Nachricht, die Biden an seine mehr als 34 Millionen Follower auf Twitter schickte, fühlte sich Bezos offenbar persönlich angesprochen. Schon Bidens Vorgänger Trump hatte sich regelmäßig über die angeblich zu geringen Steuerzahlungen mokiert, die Bezos' Handelskonzern Amazon leiste. Und auch Biden schlug nicht erstmals in diese Kerbe, Kritik an Amazon kam von ihm schon früher. In einem Interview mit dem US-Sender CNBC etwa forderte Biden vor zwei Jahren, Amazon solle "anfangen, seine Steuern zu zahlen" .

Ohnehin befindet sich Bezos als einer der reichsten Menschen der Welt per se im Visier der Partei der Demokraten in den USA, die routinemäßig die Ungleichverteilung von Vermögen in der Gesellschaft kritisieren. Bezos verfügt laut "Forbes" aktuell über ein Privatvermögen von rund 137 Milliarden Dollar, womit er nach Tesla-Chef Elon Musk (50, zurzeit rund 221 Milliarden Dollar) auf Platz zwei der reichsten Menschen der Welt steht.

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Den Zusammenhang zwischen den hohen Inflationsraten in den USA und der Besteuerung großer Unternehmen, der von Biden in den Raum gestellt wurde, wollte Bezos jedoch nicht erkennen. Die Verbraucherpreise stiegen in den Vereinigten Staaten zuletzt um mehr als 8 Prozent auf Jahressicht und damit so rasant wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr.

Der Tweet des US-Präsidenten sei ein Fall für das neu geschaffene "Disinformation Board" der US-Heimatschutzbehörde, twitterte der Amazon-Gründer. Sowohl die hohe Inflation als auch mögliche Erhöhungen von Unternehmenssteuern seien wichtige Themen. Sie zu vermischen, führe jedoch in die Irre.

Statement aus Washington

Damit war der Schlagabtausch eröffnet. Am Sonntag legte Bezos noch einmal nach, als er die US-Regierung für eine zusätzliche Stimulierung einer ohnehin überhitzten, inflationären Wirtschaft kritisierte. Damit spielte der Unternehmer offenbar auf das 1,9-Billionen-Dollar-Konjunkturpaket an, das die Biden-Regierung im März vergangenen Jahres im Kampf gegen die Corona-Krise verabschiedet hatte.

Die Inflation schade vor allem jenen, die über den geringsten Wohlstand verfügten, so der Amazon-Gründer weiter. Irreführung helfe dem Land nicht.

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Das wiederum veranlasste das Weiße Haus zu einer Reaktion. Es erfordere keine großen Anstrengungen, um zu erkennen, warum die zweitreichste Person der Welt gegen Bidens Pläne sei, die Steuern für Superreiche und Konzerne zu erhöhen, heißt es in einem Statement. Zudem sei es nicht überraschend, dass Bezos' Tweet erscheine, nachdem sich Biden mit Arbeitnehmervertretern – auch von Amazon – getroffen habe.

Damit brachte die US-Regierung einen weiteren Aspekt in den Disput ein – eine Anspielung, die kaum zur Versachlichung der Diskussion beitrug. Bezos' Replik ließ nicht lange auf sich warten. Das Weiße Haus wolle das Thema nachvollziehbarerweise verkomplizieren und unklar machen. "Sie wissen, dass die Inflation die bedürftigsten Menschen trifft", schrieb er auf Twitter. Verantwortlich dafür seien jedoch weder Gewerkschaften noch reiche Leute.

Kritik an hohen Staatsausgaben

Erneut schob der Multimilliardär den schwarzen Peter beim Inflationsthema der US-Regierung zu. Diese habe versucht, weitere 3,5 Billionen Dollar an zusätzlichen Staatsausgaben auf den Weg zu bringen, so Bezos mit Blick auf das gescheiterte "Build-Back-Better"-Programm von US-Präsident Biden. Damit sollten die Steuern für Superreiche und Unternehmen erhöht werden, um mit den Erlösen unter anderem die Kindererziehung, die Bildung und den Kampf gegen den Klimawandel zu finanzieren. Wäre der Plan durchgegangen, so wäre die Inflation in den USA heute noch höher als ohnehin schon, so Bezos.

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Der Disput zeigt, wie sehr der enorme Anstieg der Verbraucherpreise auch in den USA die Gemüter erhitzt. Weder US-Präsident Joe Biden noch Jeff Bezos als Kopf eines der größten Unternehmen des Landes ist offenbar bereit, sich als Verantwortlichen für die hohen Inflationsraten beschuldigen zu lassen. Zugleich nutzen beide das Thema für politische Stimmungsmache.

Ökonomen glauben die Ursachen der Preisanstiege indes zu kennen: Konjunkturspritzen spielen demnach ebenso eine Rolle, wie die wiedererwachende Nachfrage von Konsumentenseite nach der Corona-Krise. Hinzu kommt der Krieg in der Ukraine, der insbesondere die Preise für Öl-, Gas- und andere Energieträger sowie für Weizen und weitere Lebensmittel zusätzlich in die Höhe getrieben hat. Auch Lieferengpässe etwa für Halbleiterchips treiben die Inflationsraten an.

Die meisten dieser Aspekte kamen im Twitter-Streit zwischen Jeff Bezos und Joe Biden allerdings nicht zur Sprache. Noch nicht.