Razzia am Tegernsee Polizei stürmt Villa des russischen Oligarchen Usmanow

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine verhängte die EU Sanktionen gegen Anhänger von Wladimir Putin. Der Oligarch Alischer Usmanow soll dagegen verstoßen haben. Die Justiz ermittelt mit einem Großaufgebot gegen ihn und weitere Verdächtige.
Razzia am Tegernsee: Maskierte Polizisten stehen bei einer Durchsuchung auf dem Balkon einer Villa, die dem russischen Oligarchen Alischer Usmanow gehören soll

Razzia am Tegernsee: Maskierte Polizisten stehen bei einer Durchsuchung auf dem Balkon einer Villa, die dem russischen Oligarchen Alischer Usmanow gehören soll

Foto: Matthias Balk / dpa

Im Zuge von Ermittlungen gegen einen Russen wegen Verstoßes gegen EU-Sanktionen sind am Mittwoch bundesweit 24 Häuser und Wohnungen durchsucht worden. Dabei handelt es sich unter anderem um eine Villa am Tegernsee, die dem kremltreuen Oligarchen Alischer Usmanow (69) gehören soll. Die Staatsanwaltschaft München II bestätigte die Identität des Tatverdächtigen zwar nicht, Augenzeugen hatten aber Einsatzkräfte beobachtet, die sich am Morgen Zugang zu dem Gebäude in Rottach-Egern verschafft hatten.

Weitere Durchsuchungen mit insgesamt rund 250 Beamten gab es in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hamburg. Wo genau die Durchsuchungen im Südwesten stattfanden, war zunächst nicht bekannt.

Nach Angaben der Ermittler wird der Russe verdächtigt, eingefrorene Gelder ausgegeben zu haben, um damit die Bewachung seiner Immobilien in Oberbayern zu bezahlen. Es bestehe daher der Anfangsverdacht eines Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz, so die Behörde.

Gegen vier weitere Beschuldigte wird wegen Beihilfe ermittelt. Sie sollen als Bewacher tätig gewesen sein und dafür Geld entgegengenommen haben. An der Aktion waren auch Beamte der Bundespolizei, der örtlichen Polizei sowie der Finanzverwaltungen von Bayern und Nordrhein-Westfalen beteiligt. Zuvor hatte der SPIEGEL darüber berichtet.

Usmanow gilt als enger Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin (69) und dessen Ukraine-Politik. Die Europäische Union hatte deshalb wenige Tage nach dem Angriff Russlands auf das Nachbarland am 28. Februar Sanktionen verhängt. In dem Beschluss dazu heißt es, Usmanow habe als Strohmann für Putin gedient und dessen geschäftliche Probleme gelöst. Vor der Villa des Oligarchen in Rottach-Egern hatten nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine immer wieder Menschen demonstriert.

Usmanow-Luxusjacht wird nach Bremen geschleppt

Luxusjacht am Haken: Schlepper ziehen die "Dilbar" in der Nacht zu Mittwoch aus dem gefluteten Trockendock der Werft Blohm + Voss auf die Elbe vor den Landungsbrücken. Um das Trockendock "Elbe 17" in Hamburg für Reparatur anderer Schiffe freizumachen, wird die Jacht ohne eigene Motorleistung von Schleppern an einen anderen Liegeplatz nach Bremen überführt.

Luxusjacht am Haken: Schlepper ziehen die "Dilbar" in der Nacht zu Mittwoch aus dem gefluteten Trockendock der Werft Blohm + Voss auf die Elbe vor den Landungsbrücken. Um das Trockendock "Elbe 17" in Hamburg für Reparatur anderer Schiffe freizumachen, wird die Jacht ohne eigene Motorleistung von Schleppern an einen anderen Liegeplatz nach Bremen überführt.

Foto: Jonas Walzberg / dpa

Wegen der Sanktionen hatten die Behörden zudem im April die Luxusjacht "Dibar" festgesetzt, die mit einem Schätzwert von mehr als 500 Millionen Euro als teuerste Jacht der Welt gilt. Eignerin soll Usmanows Schwester sein.

In der Nacht zum Mittwoch wurde das Boot von Schleppern aus dem Trockendock einer Werft von Hamburg nach Bremen verlegt. Zu den Gründen der Verlegung schrieb der Norddeutsche Rundfunk, die Jacht habe das Dock blockiert. Die Jacht wurde seinerzeit mit einem Verfügungsverbot belegt und darf damit "nicht mehr veräußert, vermietet oder belastet werden", wie ein Sprecher des Bundeskriminalamts (BKA) damals sagte.

rei/DPA
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