Zur Ausgabe
Artikel 57 / 78
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

7. Nanotechnik

Die sieben wichtigsten Technologien: 7. Nanotechnik
aus manager magazin 9/2001

Ziel: Aus kleinsten Bausteinen neue Materialien mit bislang unbekannten physikalischen und chemischen Eigenschaften entwickeln. Daraus dann neue Miniaturmaschinen bauen.

Prinzip: Stellen Sie sich Partikel vor, von denen das größte so klein ist, dass eine Million davon auf den Punkt dieses "i" passen.

Das können Sie nicht? Sie brauchen ein Mikroskop, um nachzuzählen? Vergessen Sie''s: Viel zu grobschlächtig; selbst die stärkste Kombination gläserner Linsen sieht nichts von diesen Teilchen. Maximal 100 Nanometer (ein zehntausendstel Millimeter) Durchmesser dürfen die Bausteine der Nanotechnologie haben, um noch zu dieser derzeit hoch favorisierten Sparte zu zählen. Kurz vor seinem Abschied aus dem Amt spendierte US-Präsident Bill Clinton noch einmal knapp eine halbe Milliarde Dollar Fördergeld für die Erforschung der Nanotechnologie.

Der Vorstoß zu Werkstoffen und Geräten aus milliardstel ("Nano"-) Meter kleinen Teilchen wird notwendig, weil die derzeitige Basis der wichtigsten Technologien bald an ihre physikalischen Grenzen stoßen wird. Wer noch schnellere Computer, noch effektivere Mikrosysteme bauen möchte, braucht kleinere Bauteile.

Als Rohstoffe kommen Polymere in Frage, also Kunststoffe. Außerdem Keramiken, Gele aus Titan, Gold oder Wolfram. Elementarer Kohlenstoff kann als Grafit ganze Röhren von nur einem Nanometer Durchmesser bilden. Die können dereinst etwa als elektrische Leiter dienen.

Bislang noch wenig fortgeschritten ist die Produktionstechnik für Nanoelemente oder gar -systeme. Auf dem Markt sind vor allem Partikel, die als Beimischung oder als aufgedampfte Oberfläche entweder die Haftung verringern (etwa als Ersatz für Skiwachs) und Schmutzablagerungen verhindern ("Lotuseffekt", im Einsatz etwa bei Toiletten), die Kratzfestigkeit erhöhen (etwa auf Brillengläsern) oder die Durchlässigkeit für UV-Strahlen mindern (in Sonnenschutzcremes).

Allerdings eröffnen selbst diese verhältnismäßig primitiven Nutzungsformen bereits neue Welten: An der Berliner Charité experimentieren Ärzte mit Nanopartikeln, die Tumore heilen sollen: Eisenoxidteilchen, die sich in den bösartigen Zellen einlagern und die Geschwulst durch die Hitze ihrer Vibrationen wegschmelzen, sobald außen ein schnell wechselndes Magnetfeld angelegt wird.

Auch in der Analytik könnte die Nanotechnologie eine wichtige Rolle spielen und so etwa die Genomik und Proteomik (siehe auch Seite 168) beflügeln. Die börsennotierte Hamburger Evotec entwickelt derzeit die FCS-Technologie (Fluorescence Correlation Spectrocopy) auf Nanobasis.

Nachteile: noch lange Entwicklungszeit, unklare Gesamtrichtung. Thomas Schmidt, Manager beim Kölner Wagniskapitalgeber MicroVenture, warnt Anleger: "Investieren und hoffen, einen Highflyer unter zehn Beteiligungen zu haben, könnte sich als falsch erweisen."

Zeitbedarf: Lowtech-Anwendungen sind bereits auf dem Markt, Hightech-Nanosysteme brauchen noch mindestens zehn Jahre.

Unternehmen: Nanogate, Evotec, Morphochem, Nanoval, Nano Tech Coatings (NTC), Alotec, Nanophase.

Lesen Sie bitte weiter auf den Seiten 176 und 178.

Lesen Sie bitte weiter auf den Seiten 176 und 178.

Zur Ausgabe
Artikel 57 / 78
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel