Puma "Alles ist erlaubt!"

Puma-Chef Jochen Zeitz verrät im Gespräch mit manager magazin TV, wie er einer tot geglaubten Marke neues Leben einhauchte, weshalb Herzogenaurach ein wichtiger Standort bleibt, und warum Design-Tausendsassa Philippe Starck künftig auch für Puma schafft.
Von Matthias Ziemann

Herzogenaurach/Hamburg - Der Puma ist gut versteckt. Im Städtchen Herzogenaurach, in einem Hinterhof zwischen zwei Wohnblöcken liegt seit kurzem die Zentrale des Sportartiklers, der seit Jahren mit hippen Produkten und stetigen Umsatz- und Gewinnsteigerungen Aktionäre und Kunden erfreut.

Noch ist der verglaste Kubus etwas kahl, der Umzug ist noch nicht ganz geschafft. Von Zeit zu Zeit sprinten junge Menschen über die Gänge - von einem Meeting, zu einem Meeting, immer aber komplett gewandet in die Produkte ihres fränkischen Arbeitgebers.

Der Chef hält es nicht anders; Jochen Zeitz erscheint zum Interview-Termin mit Wolfgang Kaden ganz in Puma - und ohne Krawatte. Das passt gut zum lockeren Image, das so wirksam mit den höchst effizienten Entscheidungen des 40-jährigen Vorstandschefs kontrastiert.

Und zumindest für die Kleiderordnung räumt er ein: "Alles ist erlaubt!" Auch in den Chefetagen.

Muss er auch sagen, denn im Nadelstreifen-Revier ist Puma  noch nicht aktiv; immerhin ist das gedeckte Schuhwerk inzwischen auch parketttauglich.

Seit gut zehn Jahren amtiert Zeitz in Herzogenaurach. Als er 1993 das Not leidende Haus übernahm, gab ihm fast kein Zeitgenosse eine Chance. Puma hatte sich in unzähligen Produktlinien verzettelt, stattete noch die skurrilsten Randsportarten aus und war darüber im Kerngeschäft zu einem Lieferanten für die Ramschtheken geworden.

"Unsere Wurzeln liegen im Sport"

Zeitz baute radikal um, verlagerte die Produktion aus Deutschland vor allen nach Asien, reduzierte die Produktpalette und setzte ganz auf die Marke. Puma wurde chic - erst recht durch Zusammenarbeit mit Designern wie Jil Sander.

Ab kommender Saison ist auch der Design-Tausendsassa Philippe Starck für Puma aktiv. "Wir könnten noch größere Namen haben", sagt Zeitz, der trotz aller Experimente immer wieder ermahnt: "Unsere Wurzeln liegen im Sport." Was die Puma-hörige Kundschaft manchmal zu verdrängen scheint.

Denn der gescheiterte Griechenheld Kostas Kenteris war bis zur ominösen Verweigerung eines Doping-Tests ein Puma- Testimonial. Doch das Desaster um den verhinderten Olympia-Sprinter hat bislang keine Folgen für das Image der Marke.

Deren Hüter aber wird trotzdem Konsequenzen ziehen. "Aus meiner Sicht ist der Vertrag beendet", sagt Zeitz zum Fall Kenteris, "aber wir müssen rechtlich noch genau hinsehen, damit wir uns keine Probleme ins Haus schaffen."

Denn davon ist man seit einiger Zeit verschont geblieben. Puma und Zeitz - das ist eine Erfolgsgeschichte. Wer beim Amtsantritt von Zeitz acht Euro in eine Aktie  investierte, kann sich heute an Kursen um die 200 Euro erfreuen.

Davon profitiert auch der Chef, der unlängst 49.000 Aktien versilberte. Ein schönes Zubrot zum Salär. Die Debatte über das, was ihm und den Vorständen in der Bundesrepublik zusteht, würde Zeitz auf dem englischen Weg lösen - über die Abstimmung auf der Hauptversammlung.

"Herzogenaurach bleibt unsere Basis"

"Es ist ein guter Weg, wenn der Aktionär über die Höhe der Bezüge und die Vertragsdauer mitentscheidet." Und überhaupt findet der Mann, der zwischen Herzogenaurach und den weiteren Firmensitzen in Hongkong und Boston pendelt, dass "man sich daran gewöhnen muss, dass in den Vorstandsetagen ein Salär auf hohem Niveau gezahlt wird. Denn die Gehälter sind global."

Das klingt bei Zeitz, der aus Puma eine weltweit bekannte und begehrte Marke geformt hat, auf jeden Fall weniger zweifelhaft als bei denen, die noch nie ein Ruf aus angloamerikanischen Unternehmen erreicht hat.

Die fränkische Provinz auf jeden Fall soll weiterhin wichtiger Stützpunkt bleiben. "Herzogenaurach bleibt mit Sicherheit unsere Basis", sagt Zeitz.

Vielleicht auch, um den im gleichen Städtchen angesiedelten Konkurrenten komfortabel unter Aufsicht zu behalten. "Adidas ist ein gesunder Wettbewerber", sagt Zeitz, "und außer der Historie gibt es keine Verbindung mehr."

Puma war einst nach einem Familienstreit von Rudolf Dassler, dem Bruder der Adidas-Ikone Adi Dassler, gegründet worden. Den Adidas-Chef Herbert Hainer habe er seit "drei oder vier Jahren" nicht im Ort getroffen, erzählt Zeitz.

Vielleicht aber stehen die Chancen nicht so schlecht, dass es in diesem Jahrzehnt noch mal klappt - denn der Kontrakt von Zeitz wurde vor kurzem vorzeitig bis 2009 verlängert. Das passt auch zur Planung des Umworbenen: "Ich denke nur noch in Fünf-Jahres-Zeiträumen."