Siemens Ein Chef unter Hochspannung

Wirtschaft im Fernsehen reduziert sich zumeist auf Infohäppchen. Das wird sich ändern: manager magazin TV, das Wirtschaftsgespräch auf XXP, bringt die Elite der deutschen Wirtschaft auf den Bildschirm. Als zweiten Gast befragt Moderator Wolfgang Kaden Siemens-Lenker Heinrich von Pierer.

Hamburg - Mit Kraftwerken erzielt Siemens  gut Gewinne. Intelligente Produkte bescheren der Medizintechnik des Münchener Multis Spitzenrenditen. Wäre da nicht das Geschäftsfeld Information and Communications (I&C) (siehe: "Abschied von der ersten Liga") .

Ausgerechnet der Bereich, der sich auf die Zukunftsthemen Telekommunikation, Computer und Software konzentriert, steckt in einer existenziellen Dauerkrise und setzt Siemens-Vormann Heinrich von Pierer unter Hochspannung. Kommissarisch will er künftig die Sparte - in die auch die Handy-Herstellung fällt - höchstselbst betreuen (siehe: "Schrumpfkur") .

Von Pierer, den das manager magazin zu den 50 mächtigsten Managern der deutschen Wirtschaft zählt, ist Protagonist der zweiten Sendung von manager magazin TV. Im Gespräch mit Moderator Wolfgang Kaden (Montag, 6. Oktober, 22.15 Uhr, XXP; Wiederholung: Samstag, 11. Oktober, 19.30 Uhr, XXP) gibt der Siemens-Lenker Auskunft darüber:

  • welche Grundidee ihn beim Umbau des Elektroriesen leitete;
  • wie er als Nicht-Techniker einen breit aufgestellten Technologie-Konzern führt;
  • ob Siemens sich aus dem Geschäft mit dem Endverbraucher, beispielsweise der Handysparte, zurückzieht;
  • warum er zu all seinen Verpflichtungen auch noch die Leitung der Sparte Information & Communications (I&C) übernommen hat;
  • wie viel Freiheiten er seinen Bereichschefs lässt;
  • wie er auf den Druck der Finanzmärkte reagiert;
  • warum er sich politisch engagiert;
  • welche Perspektiven er für die deutsche Industrie in China sieht;
  • warum auch Topmanager eine gute Moral brauchen;
  • was ihn bis heute an seinen Geburtsort Erlangen bindet.
Seine Siemens-Laufbahn begann von Pierer, dessen Droge Erfolg heißt und dessen Triebfeder Anerkennung ist, 1969 als Syndikus in der Rechtsabteilung. 1977 wechselte er zur Siemens-Tochter Kraftwerk Union (KWU), bei der er von kaufmännischer Seite Großprojekte betreute. Nachdem die KWU 1987 im Siemens-Konzern aufgegangen war, wurde der promovierte Jurist und diplomierte Volkswirt 1988 kaufmännischer Leiter für den gesamten Geschäftsbereich Kraftwerke.

1991 wurde von Pierer zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt. Schneller als erwartet musste er in die erste Reihe treten. Nachdem sich der damalige Siemens-Chef, Karlheinz Kaske, Anfang 1992 einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hatte, vertrat von Pierer - mit beachtlichem Erfolg - seinen Chef, bis er im Oktober 1992 dann auch offiziell zum ersten Mann bei Siemens ernannt wurde.

Auch privat ist der gebürtige Erlanger und überzeugte Franke dem Erfolg verpflichtet. "Mit dem Tennisschläger in der Hand wandelt sich der Siemens-Chef vom harmoniebedürftigen Teamplayer zum gnadenlosen Kämpfer", charakterisierte das manager magazin in einem Kurzporträt den Privatmann: "Im weißen Sport muss er gewinnen, egal ob im Doppel mit Gerhard Schröder oder im Regionalturnier für den Turnerbund Erlangen."

Überhaupt Erlangen. Als von Pierer 1992 Vorstandschef in München wurde, suchte seine Frau dort ein Jahr lang ein Domizil. Alles schien den Pierers zu teuer. Schließlich stimmte der Familienrat begeistert zu, in Erlangen wohnen zu bleiben.

Auch aus seiner politischen Heimat hat von Pierer nie ein Geheimnis gemacht. Von 1972 bis 1990 saß er für die CSU im Erlanger Stadtrat und scheiterte Anfang der Siebziger nur knapp an einer Bundestagskandidatur. Neben seinem Job als Siemens-Chef stand er Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl viele Jahre als einer der engsten Berater zur Verfügung.

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