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ZF Friedrichshafen: Drama am Bodensee

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ZF Friedrichshafen - das Drama am Bodensee Wie ein Weltkonzern aus der deutschen Provinz sich fast selbst zerlegte

Stefan Sommer führt als Vorstandschef einen Provinzkonzern an die Weltspitze - und muss trotzdem gehen. Irre, oder? Es treten auf (und ab): ein erfolgsberauschter Manager, ein missachteter Bürgermeister, ein überforderter Aufsichtsrat. Und mit Wolf-Henning Scheider auch ein Gewinner des Chaos'.

Der folgende mm-Report basiert auf einer Geschichte, die in der Februar-Ausgabe 2018 des manager magazins erschien. Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

"Das ist unser Mann." Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand (53) will im Sommer 2016 unbedingt, dass Stefan Sommer (55) einen neuen Fünfjahresvertrag als Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG bekommt. Der Aufsichtsrat des Autozulieferers hat sich morgens um halb acht zu einer Sondersitzung getroffen, es geht um die Zukunft des Chefs.

Sommer hat vier glänzende Jahre hinter sich. Doch drei Arbeitnehmervertreter sind sauer auf ihn. Es gibt Streit um die Werke in Saarbrücken und Friedrichshafen. Sommer verzögert Investitionen, es brodelt in der Belegschaft. Es drohen Gegenstimmen bei der Vertragsverlängerung. Ein Makel, den der Bürgermeister seinem CEO ersparen will. Brand, der den Eigentümer von ZF, die städtische Zeppelin-Stiftung, vertritt, hält ein flammendes Plädoyer für Sommer.

Das sichert die Einstimmigkeit. Es kehrte wieder Harmonie ein am 28. Juni 2016. So schien es jedenfalls.

Anderthalb Jahre später ist Sommer weg, trotz seines Fünfjahresvertrags. Er ging im Streit mit den Aufsichtsräten. Anführer der Revolte: Brand. Ausgerechnet.

Chefkontrolleur Giorgio Behr (69), der sich in der Auseinandersetzung auf die Seite von CEO Sommer geschlagen hatte, schied gleich mit aus. Das Vorgehen der Gesellschafter gefährde seines Erachtens "die gesunde Weiterentwicklung des Unternehmens", begründete er den Rücktritt. Zuvor hatte der Aufsichtsrat die von ihm und Sommer angeschobene Übernahme des belgischen Rivalen Wabco verweigert.

Oberbürgermeister Andreas Brand, so schien es, stand alleine da mit dem 37-Milliarden-Umsatz-Konzern. Über die Zeppelin-Stiftung, der 93,8 Prozent an dem Unternehmen mit seinen 137.000 Beschäftigten gehören, hält der Provinzpolitiker alle Macht in seiner Hand. Das ist einmalig in der deutschen Wirtschaft und kam - in der harmonischen Zeit - seiner Vorstellung von einem "funktionierenden Staatskapitalismus" schon ziemlich nahe. Tatsächlich "prallten da Welten aufeinander", sagt ein Aufsichtsrat.

Und Brand spielte das Spiel ausgefuchster, als die Behr und Sommer ihm das wohl zugetraut hätten: Längst hatte er die Nachfolgesuche für Sommer angestoßen - und mit Wolf-Henning Scheider wenige Wochen später auch gelöst.

Fakt ist: Was da in der Heimat des Schriftstellers Martin Walser ablief, war ein Bodensee-Drama der besonderen Art. Es handelt, wie viele Tragödien, vom Nichtverstehen des anderen. Und taugt nebenbei als Lehrstück dafür, wie vom Erfolg berauschte Manager ihre Karrieren gefährden können - und die Zukunft ihrer Unternehmen gleich mit.

Die Protagonisten sind:

  • ein visionärer Vorstandschef, der einen lange belächelten Provinzkonzern scheinbar mühelos zur Weltspitze geführt hat, aber am Ende nur noch auf sich selbst hört;
  • ein Oberbürgermeister, der sich ein bisschen Anerkennung wünscht und spürt, dass ihn Vorstands- und Aufsichtsratschef nicht ernst nehmen;
  • ein Aufsichtsratsvorsitzender aus der Schweiz, der das Stiftungsunternehmen ZF an die Börse bringen will und damit das latente Misstrauen der lokalen Politiker nur noch weiter bestärkt.

In dem Männerbund knirschte es bereits, als Sommer, Behr und Brand für die Übernahme des US-Zulieferers TRW gefeiert wurden, durch die ZF in die Liga der ganz Großen aufgestiegen war, auf Augenhöhe mit Bosch, Contin  oder Magna  (siehe Grafik).

Erste Liga: Die größten Automobilzulieferer der Welt

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Doch Behr wollte mehr. An einem Freitag Anfang Januar 2015 überreichte er dem Oberbürgermeister das Konzept eines gänzlich neu modellierten ZF-Konzerns, geschrieben in Form eines Zeitungsartikels und versehen mit einem Abschnitt "So schaffte OB Brand das Wunder am Bodensee".

Was Brand da zu lesen bekam, war eine Eloge auf sich selbst. ZF war an der Börse notiert, praktisch schuldenfrei, zu einem globalen Vorbild geworden. Die Stadt Friedrichshafen hatte die Stimmrechte der Zeppelin-Stiftung an eine Tochtergesellschaft ausgegliedert und sich so teilentmachtet. Die ihr aus dem Börsengang zugeflossene Milliarde hatte die Stiftung in ein Aktienportfolio internationaler Topkonzerne investiert; sie war so unabhängiger geworden vom Erfolg einer einzelnen Firma.

Und der Bürgermeister? Wurde weltweit bewundert für seine Weitsicht und 2017 "glanzvoll" wiedergewählt.

Behrs Ausblick blieb Fantasie und plumpe Schmeichelei. Brand mochte nicht mitträumen. ZF ist nach wie vor zu 100 Prozent ein Stiftungskonzern. Bei der Wahl zum Oberbürgermeister erhielt Brand im März 2017 auch ohne ein Wunder vom Bodensee 79,9 Prozent der Stimmen.

Was sich geändert hat: Der Politiker traut dem Aufsichtsratschef seither nicht mehr so recht. Bestätigt wurde der Argwohn, als Sommer und Behr dem Bürgermeister im Frühjahr 2017 eine weitere große Übernahme antrugen: Wabco.

Ein belgischer Zulieferer, 2,7 Milliarden Euro Umsatz, hochprofitabel und spezialisiert auf Bremssysteme für Nutzfahrzeuge. Sommer wollte ZF fit machen für die neue Autowelt. Mit TRW hatte er sich die fehlende Technologie für autonom gesteuerte Pkw zugekauft; von Wabco erhoffte er sich das nötige Know-how für den computergesteuerten Truck. Sommer kannte die Belgier, ZF kooperiert mit ihnen bei Projekten. Schon 2015 war ein Erwerb diskutiert, aber als nicht finanzierbar verworfen worden.

Der Bauerntrick verfängt nicht

"Projekt Vancouver" ist auch diesmal teuer. 132,50 Dollar pro Aktie kalkuliert Sommer, gut 6 Milliarden Euro wären das.

Brand weiß, dass er Sommer und Behr in solchen Dingen nicht gewachsen ist. Er sucht Rat. Seit die beiden ihn 2014 sehr kurzfristig über die TRW-Übernahme informiert haben, hat er sich ein Team aus Consultants zusammengestellt. Anwälte, Investmentbanker, ein ehemaliger CEO; bisweilen diskutiert Brand auch mit anderen Chefs großer Stiftungen.

Die Ratgeber warnen: Wabco werde zu teuer. Der Übernahmepreis sei unrealistisch, die Prämie auf den aktuellen Kurs liege eher bei 30 statt den von Sommer kalkulierten 11 Prozent. Sprich: Wabco werde mindestens acht Milliarden Euro kosten, einen möglichen Übernahmekampf noch nicht eingerechnet. Und was, wenn Konkurrenten wie Conti, Magna oder der US-Motorenhersteller Cummins mitbieten?

ZF sitzt noch auf rund 7,5 Milliarden Euro Restschulden aus dem TRW-Kauf; dazu kommen rund vier Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen, die Sommer in seiner Präsentation nicht berücksichtigt hat. In dieser Lage die nächste Milliardenfinanzierung? "Eine kleine Konjunkturdelle und ZF bekäme Schnappatmung", warnt ein Vertrauter. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Sommer Brand mit Bauerntricks einfangen will.

Wachstumsjahre: ZF-Ergebnisse

Wachstumsjahre: ZF-Ergebnisse

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Das Stadtoberhaupt will sich auch nach dem Ende seiner Amtszeit in Friedrichshafen sehen lassen können. Die Zeppelin-Stiftung gehört der Kommune, sie finanziert darüber Schulen, Kindergärten, Schwimmbäder. Brand ist durch die Satzung dem Ewigkeitsprinzip verpflichtet; er will dieses Erbe nicht verspielen - oder nach einem Börsengang und diversen Fusionen die Kontrolle verlieren, so wie die Essener Krupp-Stiftung.

Für einen Politiker ist der Oberbürgermeister ohnehin schon weit gegangen. Als Chef der Stiftung wird er von der Landesregierung kontrolliert; die hat ihm nach der TRW-Übernahme signalisiert, dass er im Fall eines Scheiterns nicht mit Rückendeckung rechnen kann.

Das - gescheiterte - Gebot für den schwedischen Bremsenhersteller Haldex im Spätsommer 2016 trug er noch mit. Aber Wabco wäre rund 15-mal so teuer. Das Risiko ist ungleich höher.

Stefan Sommer scheint die Bedenken Brands und auch der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nicht hören zu wollen. Er sieht nur die Chancen, macht Tempo.

Der Vorstandschef will ZF nicht allein technisch für die Zukunft rüsten; er will auch die Firmenkultur wandeln. Die Übernahmen sollen ihm helfen, den Provinzmief abzustreifen. Bis heute bekommt ein Teil der Mitarbeiter die "Drehkreuzzulage": eine Art Prämie für die pure Anwesenheit.

Sommer wird mit wachsendem Erfolg eher dünnhäutiger, hört nicht mehr auf Ratschläge. Topmanager berichten, im Vorstand werde vor allem angeordnet, nicht diskutiert. Der CEO verunglimpfe selbst Divisionsleiter in größeren Runden. Aus einer Sitzung des Gesamtbetriebsrats rennt er einmal schreiend hinaus, erbost über dessen kritische Fragen. Aufsichtsräte warnen, Sommer verliere die Bindung zu seinen Leuten.

Ein Politiker wie Brand ist für Sommer ein Bremsklotz. Weder er noch Behr hätten den Bürgermeister je ernst genommen, behaupten ZF-Manager. Wiederholt habe sich der Vorstandschef, der fürchtet, der OB wolle ihn loswerden, abschätzig über Brand geäußert. "Das war fast Verachtung", sagt ein Aufsichtsrat. Brand und andere aus der Zeppelin-Stiftung erkennen "ihre ZF" nicht mehr wieder.

Die Geringschätzung nagt an Brand. Als er erstmals mit Wabco-Chef Jacques Esculier (58) in einem Raum steht, stellt Sommer ihm den Mann nicht vor.

Regelmäßige Treffen mit dem Bürgermeister wären ein Leichtes für den CEO. Zum Rathaus sind es von seinem Büro aus fünf Minuten, er könnte den OB ohne großen Aufwand auf dem Stand halten, macht es aber nicht.

Sommer ruft an, wenn er es für nötig hält. Aus seiner Sicht informiert er Brand immer als Ersten, oft noch vor Aufsichtsratschef Behr. Was der eine für Vorzugsbehandlung hält, genügt dem anderen nicht.

Für die Wabco-Übernahme fasst Sommer den Deal in einer ersten Präsentation vor dem Stiftungsrat auf wenigen Seiten zusammen, legt erst später nach. Brand reagiert verhalten, sagt nicht Nein, verlangt aber eine genaue Prüfung. Sein Okay gibt es nur, wenn die Chancen die Risiken überwiegen.

Sommer und Aufsichtsratschef Behr merken an, die Übernahme sei nur mit zusätzlichem Eigenkapital möglich. Ansonsten seien die Abschreibungsrisiken zu groß. Ihr Plan: ZF bringt die Trucksparte an die Börse, die Stiftung behält aber die Kontrolle über die Holding. Erst als die Arbeitnehmer ihr Veto signalisieren, schließt sich auch Brand an.

Gedemütigte Stiftungsräte

Sommer lässt neu rechnen. Plötzlich geht es auch ohne Extrakapital.

Brands Misstrauen wächst. Dennoch stimmt er einem vorläufigen Übernahmeangebot zu. Seine Ergänzung, dass er wie bei TRW nur zustimme, wenn auch der Rat der Zeppelin-Stiftung das Risiko mittrage, nimmt Sommer kaum wahr.

Der Vorstandschef ist überzeugt: Wenn die Due Diligence stimmt, bekommt er das Go. Die Zahlen seien sogar deutlich besser gewesen als bei TRW, sagt ein Beteiligter. Auch Wabco-Chef Esculier zeigt sich verkaufsbereit. Sommer wähnt sich am Ziel und spürt nicht, dass er davon noch weit entfernt ist.

Hier trifft Politiker auf Manager. Der eine vermeidet klare Entscheidungen, blockiert nicht, sagt weder Ja noch Nein, hält sich möglichst lange verschiedene Optionen offen. Der andere versteht stets nur Ja.

Als Brand seinen Beschluss dann trifft, spricht er das Nein vor Aufsichtsräten klar aus. "Ich bitte Sie als Gesellschafter, die Übernahme nicht weiter zu verfolgen." Eine eindeutige Ansage.

Sommer macht trotzdem weiter, erkämpft sich die Zusage für eine intensivere Prüfung, soll sogar mit Rücktritt gedroht haben, als Brand seine Bitte später wiederholt. Er werde den Stiftungsrat überzeugen, versucht Sommer interne Warner zu beruhigen.

Also versichert er den Spitzen der Friedrichshafener Politik 24 Stunden vor der Abstimmung, man könne auch eine höhere Dividende ausschütten. Die Stiftungsräte fühlen sich gedemütigt. Sie sind doch nicht käuflich. Die Dividendenerhöhung können sie selbst durchsetzen.

Die Arbeitnehmer kann der CEO ebenfalls nicht auf seine Seite ziehen. Das Sparprogramm über 60 Millionen Euro und das Verzögern bereits zugesagter Investitionen hat sie verärgert, zumal ZF das beste Jahr seiner Geschichte hatte und 2016 die Vorstandsgehälter verdoppelte.

IG-Metall-Chefstratege Frank Iwer, stellvertretender Aufsichtsratschef, signalisiert aber Sommer: Wenn er das Wabco-Gebot in eine überzeugende Gesamtstory einbette, würden die Arbeitnehmer mitgehen. Der CEO macht sich wenig Mühe, er hält seine Logik für schlagend.

"Ein so von sich überzeugter Vorstandsvorsitzender braucht einen starken Aufsichtsratschef, der ihn auch mal bremst", sagt einer der Mächtigen in Friedrichshafen. Doch Giorgio Behr bremst nicht.

Im Gegenteil. Er schürt das Misstrauen noch. Als Brand Ende März 2017 bei einer Sitzung des Gemeinderats fehlt und Behr zum Thema ZF vorträgt, redet er auf einmal von einem Börsengang. Die Politiker müssten sich keine Sorgen machen, die Dividende sei ihnen sicher.

ZF an die Börse? Hell aufgeregt verlassen die Gemeinderäte die Sitzung.

Zu dem Zeitpunkt wissen sie noch gar nichts von dem geplanten Wabco-Deal, der die Dividende erst mal spürbar schmälern könnte. Behr treibt das IPO-Thema selbst dann noch weiter, als Brand ihn bittet, den Punkt Wabco von der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung zu nehmen.

Der Chefkontrolleur lädt die Kapitalseite und Teile des Vorstands zu einer Telefonkonferenz. Brand und den Vertreter des Minderheitseigners Ulderup-Stiftung, Joachim Meinecke, hat er nicht informiert. Es sind noch wenige Tage bis zur entscheidenden Gremiumsitzung. Behr will offenbar eine Mehrheit gegen den Eigentümer bilden.

Die Revolte geht schief. Brand hört von der Einladung und nimmt teil. Als Behr am 4. Mai abstimmen lässt und einen nach dem anderen um sein Votum bittet, wird schnell klar: Die Mehrheit ist gegen Wabco. Behr bricht die Abstimmung ab. Sommer habe regelrecht gezittert, als er das Ergebnis hörte, berichtet ein Augenzeuge.

Damit geht der gemeinsame Weg des so unterschiedlichen Trios zu Ende. Sommer beklagt sich in der örtlichen "Schwäbischen Zeitung" über die bremsenden Kräfte in Friedrichshafen, also die Eigentümer des Konzerns. Und fordert "die Freiheit zu tun, was notwendig ist".

"Das war ein öffentliches Kündigungsschreiben", sagt einer der Beteiligten. Friedensgespräche scheitern in den Folgemonaten mehrfach. Die von Sommer verlangte Reform der Unternehmensverfassung kommt nicht voran. Immer lauter schimpft er über Brand und die Lokalpolitiker. Eine Unterschriftenaktion pro Sommer wird gestoppt, als ruchbar wird, dass die Leiter der Business Units ihren Leuten die Unterschrift mehr oder weniger befehlen sollen.

Kommt jetzt ein Bosch-Mann?

Ende November verabschiedet sich Giorgio Behr vorzeitig. Eine Woche später folgt Sommer. Er kann mit zwei Jahresgehältern Abfindung rechnen.

Ein ignoranter Provinzbürgermeister hat den visionären CEO eines Weltkonzerns zu Fall gebracht - typisch deutsch. So sehen das viele in der deutschen Industrie. Die Wahrheit ist komplizierter. Der Vorstandschef ist ein brillanter Stratege, stimmt. Aber der Erfolg ist ihm zu Kopf gestiegen, mit ein wenig mehr sozialer Kompetenz hätte er das Drama umschiffen können - und seine Übernahme, vielleicht ein wenig später, genehmigt bekommen.

Sommer hinterlässt seinem Nachfolger Scheider ein kraftstrotzendes Unternehmen. Die operative Rendite ist 2017 auf 6 Prozent gestiegen, die zentralen Werke sind - wenn keine Aufträge zurückgezogen werden - bis 2022 ausgelastet. Ab 2019 prognostizieren die Konzernstrategen ein Wachstum von 7 bis 8 Prozent pro Jahr.

Nun muss Lokalpolitiker Brand zusehen, wie er die Tradition des Stiftungsunternehmens mit der notwendigen Dynamik eines Weltkonzerns verbindet. Verlässlich soll ZF sein, aber auch schnell genug für die immer rasanteren Technologiesprünge - das wird mit der derzeitigen Unternehmensverfassung schwer.

Beim Austausch des CEO ist es nicht geblieben. Im Aufsichtsrat gibt es allein auf der Kapitalseite drei Wechsel; unter anderem verlässt Margarete Haase das Gremium, langjährige Finanzchefin der Deutz AG. Und auch im Vorstand dürfte noch mehr passieren. Die Zahl der Sieger ist gering nach dieser Schlacht.

Am besten schnitt ausgerechnet einer ab, der nur am Rand beteiligt war: Wabco-Chef Jacques Esculier. Er ließ ein paar Sätze über die gescheiterten Gespräche in den Bericht über das zweite Quartal schreiben. Und prompt stieg der Wabco-Kurs am ersten Tag um 5 Prozent, legte in der Spitze sogar um 20 Prozent zu.

Esculier nutzte die Chance. Im Oktober 2017, kurz nach dem Höchststand, verkaufte er für 26 Millionen Dollar Aktien.

So hat der Bodensee dann doch die Börse erreicht.

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