Dienstag, 17. September 2019

Spektakuläre Yachten Die reichen Bootsmänner

Schnelle Segler: Die Yachten der Unternehmer
Rolex / Carlo Borlenghi

Größer, leichter, schneller - Deutschlands Unternehmer bauen sich ein spektakuläres Schiff nach dem anderen. Und hätten am liebsten, dass es keiner merkt.

Die Veranstaltung heißt schlicht Bucket. Eimer. Dabei ist die Regatta rings um die Antilleninsel Saint Barthélemy, kurz St. Barth, so ziemlich das Exklusivste, was ein Millionärsleben zu bieten hat.

Wenn im karibischen 2000-Seelen-Ort Gustavia alljährlich im März der inoffizielle Auftakt der Segelsaison eingeläutet wird (der Passat weht dann konstant wie ein Föhn auf Stufe 2), wollen alle dabei sein. Und zeigen, wer die beste Crew hat und natürlich das schönste und größte Boot. Jürgen Großmanns "Germania Nova" legt dann schon mal im Hafen von Gustavia an, ebenso wie Albert Bülls "Saudade" oder Hasso Plattners "Visione". Und natürlich Otto Happel mit seinem 67-Meter-Hightechrenner "Hetairos".

Die Deutschen mischen zunehmend mit im internationalen Yachtenzirkus. Die Großindustriellen des Landes haben sich einige der spektakulärsten Schiffe der Welt bauen lassen - oder sind gerade dabei. Eines größer und technisch ausgefeilter als das andere. Ein privates Wettrüsten der Extraklasse.

Motoryachten überlässt der heimische Boatset den Scheichs und Oligarchen. Auch wenn der schwäbische Schraubenhändler Reinhold Würth mit seiner 85 Meter langen "Vibrant Curiosity" so manchen Russen und Araber blass aussehen lässt. Deutsche Seefahrer segeln in der Regel lieber - dann aber richtig.

Groß, aber leicht, lautet der Anspruch

Anders als etwa die Medienmogule Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch investieren sie nicht einfach in plumpe Größe, sondern in Technik und Schnelligkeit. Groß, aber leicht, lautet der Anspruch. Was zählt, sind Regattasiege, nicht Bootslängen.

Geredet wird darüber nicht, die Herren sind äußerst verschwiegen, wenn es um ihre Schiffe geht. Namen, Details - alles nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Privatsache Yacht - das gilt allen voran für Hans Georg Näder, Inhaber des Prothesenherstellers Otto Bock aus dem niedersächsischen Duderstadt. Er lässt sich gerade von der finnischen Baltic Werft eine 54 Meter lange Hightech-Tourenyacht bauen. Sie soll 2017 fertig werden und wie ihre Vorgängerinnen "Pink Gin" heißen.

Natürlich wird sie wieder ein Stück größer: Die erste war 30 Meter lang, der Neubau sieben Jahre später schon 46. Der Mann kommt auch mal mit Brotdose und per Bahn zum Konstrukteur, um Details zu besprechen. Oder fliegt für drei Tage im Privatjet zur Werft, damit seine Frau die Polsterstoffe aussuchen kann.

Heft 3/2015
Lufthansa
Wie die Fluglinie sich selbst demontiert - und ihren neuen Chef gleich mit

Den Schiffsbauer kaufte Näder 2013 gleich mit. Die brutale Marktbereinigung macht auch vor Luxusanbietern wie Baltic Yacht nicht halt, also stieg Näder mit 80 Prozent ein. Sicher ist sicher, in zwei Jahren soll ja schließlich "Pink Gin VI." vom Stapel laufen.

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