Montag, 16. September 2019

Spektakuläre Yachten Die reichen Bootsmänner

Schnelle Segler: Die Yachten der Unternehmer
Rolex / Carlo Borlenghi

3. Teil: Gut 10 Prozent des Neupreises kostet der Unterhalt - jährlich

26 Millionen Euro, wie Albert Bülls verblüffend "günstige" Wally-"Saudade", kostet so ein Boot schnell, eher schon 60 (wie Insidern zufolge die "Hetairos"). Eine konventionellere 40-Meter-Yacht baut die holländische Jongert Werft für etwa 30 Millionen Euro. Die Faustformel: Gut 10 Prozent des Neupreises fließen Jahr für Jahr in den Unterhalt (Crewgehälter, Liegegebühren, Versicherungen, Wartung, Ersatzteile).

Die nächste Yacht moderner, größer und schneller als die vorige - diesem Muster folgt auch Peter-Alexander Wacker, Aufsichtsratschef beim gleichnamigen Chemiekonzern. Er segelt ein hübsches Holzboot auf dem Starnberger See und ersetzte seine 39-Meter-"Ganesha" von 2006 nach sieben Jahren durch einen holländischen Werftbau gleichen Namens. Mit dem 46 Meter langen Schiff sieht man ihn auch im Mittelmeer, etwa bei der Loro Piana Superyacht Regatta in Porto Cervo.

Der im Herbst vergangenen Jahres verstorbene Kieler Fabrikant Klaus Murmann legte sich eine "Uca" nach der anderen zu, 2003 war er damit anlässlich der Daimler-Chrysler North Atlantic Challenge in 13 Tagen über den Atlantik gebrettert. Die letzte entstand auf seiner eigenen Werft: Murmann hatte en passant die angeschlagene Knierim Werft übernommen - und gerettet.

Nicht nur bei Happel wird das Material immer ausgefeilter. Der Hamburger Immobilienkaufmann Albert Büll etwa wurde bekannt durch seine roten Admirals-Cup-RennYachten "Saudade", eine 34 Meter große Sonderanfertigung. Die erste war noch aus Leichtmetall geschweißt, Büll ersetzte sie 2008 durch einen 45-Meter-Neubau der italienischen Wally Werft in Faserverbundbauweise. Gewicht: 150 Tonnen.

Manche sind skeptisch gegenüber dem Hightechhype

Klingt nach Rennsport auf dem Wasser. Denn auch bei den Rennställen stecken die Unterschiede im Detail. Bülls Boot mag leicht sein, jenes von SAP-Mitgründer Hasso Plattner ist ultraleicht. Bei seiner "Visione", 2002 ebenfalls von der finnischen Baltic Werft gebaut, ist sogar der Abgasstrang der Hilfsmaschine eine ultraleichte Sonderanfertigung aus Kevlar. Hydraulikrohre, Ölkühler und Tanks der Yacht sind aus Titan. Trotz 45 Meter Länge wiegt sie nur hundert Tonnen.

Andere beobachten den Hightechhype zurückhaltend. Franz Burda begnügte sich seit 1986 mit seiner "Garuda", einer stattlichen 31-Meter-TourenYacht der finnischen Nautor Werft. Das Boot wurde neulich verkauft. Günter Herz (ehemals Tchibo und Beiersdorf, heute Mayfair Vermögensverwaltung), dessen Konsumfreude im umgekehrten Verhältnis zu seinen Besitztümern steht, schippert seit 2004 mit dem 24-Meter-Maxi "All Smoke" übers Wasser. Und auch Hanse-Yacht-Gründer Michael Schmidt geht es mehr um Stil als um Tempo. Er lässt in Greifswald gerade ein italienisches Designerstück fertigen und kommt dabei vorerst mal mit rund 24 Metern aus.

Manch anderer ist dem Charme der alten Schoner erlegen, so wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, der gemeinsam mit Partnern eine verloren gegangene Yacht nachbauen ließ. 2013 wurde der 39 Meter lange Zweimaster "Noelani" fertig, eine Neuauflage der berühmten "Panda".

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