Donnerstag, 19. September 2019

Spektakuläre Yachten Die reichen Bootsmänner

Schnelle Segler: Die Yachten der Unternehmer
Rolex / Carlo Borlenghi

2. Teil: Rennsport auf dem Wasser

Baltic baute auch für den Bochumer Fabrikanten und Wahlschweizer Otto Happel, Erbe der Gesellschaft für Entstaubungsanlagen (Gea) und Eigner der derzeit wohl heißesten Yacht der Welt. Worüber er allerdings niemals spricht. Die üblichen Society-Liegeplätze meidet Happel, auf seiner Yacht hängt das Foto der Privatinsel Frégate auf den Seychellen, die er sich vor einer Weile zugelegt hat.

Happel, unauffällig und introvertiert, gilt als total segelverrückt, als einer, der gern mal bis zur Erschöpfung durchsegelt.

Öffentlichkeitsscheu wie er ist, wurde auch seine 67 Meter lange "Hetairos" unter größtmöglicher Geheimhaltung jahrelang unter dem Tarnnamen "Panamax" bei den Finnen gebaut. Die erste "Hetairos" hatte Happel Anfang der 90er Jahre noch bei Abeking & Rasmussen in Bremen anfertigen lassen; der schwarze Schlitten mit der Goldbordüre ums Heck war damals die größte Mahagoniyacht der Welt. Sie ist mittlerweile verkauft.

Wie ihr Eigner verbirgt auch die neue "Hetairos", was sie alles hat. Sie sieht aus wie eine schöne alte Yacht, ist aber Hightech pur. Gebaut aus Carbon (mit Epoxidharz verklebt), Kevlar, Beschlägen aus Titan, gespickt mit aufwendigem Sondermaschinenbau: Eine Hydraulik hebt den 86 Tonnen schweren Kiel an, damit man in flache Buchten kommt. Die Propeller, die beim Schnellsegeln stören, verschwinden wie ein Flugzeugfahrwerk hinter Klappen im Rumpf - Happel gelang nicht weniger als die Neuerfindung der guten alten Tourenyacht.

Über den Atlantik mit 48 km/h

Das Boot wiegt gerade mal 230 Tonnen, gut ein Drittel ähnlich großer Yachten. Und so überquert es den Atlantik in der Spitze mit 48 Stundenkilometern, selbst Herr Würth kommt da mit seinen 9000 PS nicht mit. Die österreichische Kaufhauserbin Heidi Horten, mit ihrer 40250 PS starken "Carinthia VII" die größte weibliche (Motor-)Yachtbesitzerin, könnte gerade so mithalten - wenn sie ihren unlängst vom Traumschiff "MS Deutschland" angeheuerten Kapitän Andreas Jungblut Vollgas geben lässt.

"Hetairos" lässt die gesamte Flotte großer SegelYachten alt aussehen, auch die 30 und 43 Meter großen holländischen Yachten von VW-Boss Ferdinand Piëch und Internetunternehmer Ralph Dommermuth. Das einzige Boot weltweit, das Happel gefährlich werden könnte, ist die neue "Comanche" von Netscape-Mitgründer Jim Clark. Die ist zwar nur 30 Meter lang, aber womöglich schneller als die "Hetairos". Die Seglerszene wartet bereits darauf, dass sich Happel und Clark demnächst bei einer Regatta begegnen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das passiert.

Privatsache Yacht - ganz so intim lässt sich das Vergnügen dann doch nicht genießen. Die Boote von Näder, Happel & Co. funktionieren wie eigene kleine Firmen. Drei bis sechs Leute sind ständig an Bord, Kapitän, Ingenieur, Hostessen zum Schnittchenschmieren und Saubermachen. Dazu kommen Profis für die Logistik an Land. Der Eigner selbst nutzt sein Schiff oft nur ein paar Wochen im Jahr (man hört auch von Fällen, wo einer drei Jahre lang keine Zeit hatte), in der Zwischenzeit kommen Verwandte und Freunde, und in jedem Fall wird es: überführt.

Der Bootszirkus ist ständig unterwegs. Ab Herbst bis ins Frühjahr hinein sollen die Yachten in der Karibik bereitstehen. Danach geht es ins Mittelmeer, besser noch (weil weniger langweilig) in den Pazifik. Mauritius, Seychellen, Neuseeland, Fidschi-Inseln, vielleicht auch mal ans Eis, nach Grönland. Abenteuer statt Antibes lautet immer häufiger das Motto.

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