Montag, 23. September 2019

Billigflieger Wizz Air Pink Panther

Luftfahrt: Die wichtigsten Fakten über Wizz Air
REUTERS

3. Teil: Pioniere in der Sinnkrise

Spätestens seit dem Orderfanal ist klar: Hier meint es einer ernst. Wizz Air tritt an zum Endspiel um Europas Luftraum.

Die Branche steuert auf amerikanische Verhältnisse zu. Dort bestimmen fünf Giganten 85 Prozent des Marktes. In der EU stehen die Top fünf erst für 44 Prozent der Verkehrsleistung. Die Lücke wird sich schließen. Wer nicht wächst, weicht. Jeder sucht nach Übernahmen und neuen Partnerschaften.

Den Druck spüren auch die vermeintlich ewigen Sieger: Ryanair und Easyjet. Beide haben Mühe, an das ungestüme Wachstum früher Tage anzuknüpfen.

In seiner Not weicht Ryanair-Regent O'Leary (57) sein Geschäftsmodell immer mehr auf. Anders sind sein Einstieg bei Laudamotion und seine Küsschen für Niki Lauda (69) nicht zu erklären. Mit dem Zukauf handelt er sich eine teure Mischflotte ein. Boeing und Airbus durcheinander - das wollte er früher partout vermeiden.

EasyJet hat sich vom Brexit-Schock immer noch nicht ganz erholt. Der neue CEO Johan Lundgren (51) investiert auffallend in die IT - wohl um partnerfähig zu werden. Die drei Großen, Lufthansa, Air France-KLM und IAG (British Airways/Iberia), haben allesamt eine Billigplattform angedockt, sondieren Kooperationen ebenso wie Zukäufe.

Mit einer Wizz Air - schlagkräftig und noch längst nicht ausgewachsen - könnten alle etwas anfangen. Werden die Private-Equity-Investoren schwach? Zielen sie schon auf den finalen Deal?

Váradi wiegelt ab. "Natürlich wollen wir an der Konsolidierung teilnehmen", sagt er, "aber als Konsolidierer." Statt sich als leichte Beute anzudienen, geht er lieber selbst auf die Jagd.

Sein Interesse an den Mittelstrecken der Alitalia hat er mehrfach angemeldet. Den Kollaps der englischen Monarch Airlines im vergangenen Oktober nutzte er, um die Präsenz von Wizz in London-Luton auszubauen. In Kürze sollen dort acht Maschinen stationiert sein. Das ist schon mehr als eine Provokation für die Low-Cost-Nachbarn in Luton (EasyJet) und Stansted (Ryanair).

Volle Schubkraft: Passagierplus großer Billigflieger

Auch in Wien wird aufgestockt, ein Stich gegen die Lufthansa-Tochter AUA. Hierzulande fliegt Wizz elf Flughäfen an, seit einem Jahr auch Frankfurt, die Bastion der Lufthansa. Das nächste Ausrufezeichen.

Gleichzeitig schreitet die Expansion im Osten voran. Wo immer sich ein Markt öffnet - ob in Georgien oder Israel -, sind die Ungarn dabei. 44 Länder stehen schon im Flugplan; Ryanair und EasyJet liegen da weit zurück.

Auf mögliche Partnerschaften ist Váradi vorbereitet. Im Oktober 2017 heuerte er Stephen Jones (57) an, als Vize-CEO. Jones kommt von Air New Zealand und war ein profilierter Stratege beim Airlinebündnis Star Alliance. Er soll viel davon verstehen, wie man unaufwendig paktiert.

Wie selbstbewusst Wizz Air inzwischen auftritt, belegen die vielen Airbusse vom Typ A321, die zur Flotte stoßen. In die langen Röhren passen bis zu 240 Passagiere. Der alten Lehre nach viel zu groß für Billigflug. Doch Váradi traut sich zu, sie zu füllen.

"Die großen Maschinen verbessern unsere Kostenposition weiter", versichert er, "wir müssen auf dem Sprung bleiben." Der rosa Paradiesvogel wird zum Pink Panther.

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