Sonntag, 31. Mai 2020

Nach Freispruch des Ex-Porsche-Chefs Wiedeking und Porsche: Der Dinkelacker-Deal

Wendelin Wiedeking, Ex-Porsche-Chef und Schuh-Unternehmer, am Tag seines Freispruchs am 18. März vor Gericht in Stuttgart.

Wie Ex-Chef Wendelin Wiedeking, nach seinem Freispruch Mitte März ein befreiter Mann, mit seiner alten Firma wieder ins Geschäft gekommen ist.

Eigentlich hatte Wendelin Wiedeking (63) mit Porsche Börsen-Chart zeigen längst abgeschlossen, und der Autobauer mit ihm. Doch nun hat der ehemalige Porsche-Chef wieder einen Fuß in der Tür des Unternehmens. Zwar nur einen kleinen Spalt, und nur in einem Hintertürchen, aber immerhin. Der überraschende Schritt gelang ihm mit Schuhen aus seiner eigenen Fabrik, der Heinrich Dinkelacker GmbH.

Seit über zehn Jahren ist Wiedeking an der traditionsreichen Schuhmanufaktur mit 30 Prozent beteiligt. Damals fand der Enkel des schwäbischen Firmengründers Heinrich Dinkelacker keinen Nachfolger in der Familie. Wiedeking, der schon als Aachener Student in diesen teuren Tretern herumlief, stieg bereitwillig ein. Und mit ihm sein treuer Adlatus und einstige Pressesprecher Anton Hunger (67) sowie Norbert Lehmann (70), der mit 60 Prozent nach wie vor die Mehrheit an Dinkelacker hält.

Lehmann, ehemaliger IBM-Manager und einst DLW-Vorstand, ist der Patron von Bietigheim-Bissingen, das unter Wiedeking zur Schlafstadt der Porsche-Manager wurde. Er verlagerte auch den Dinkelacker-Hauptsitz von Sindelfingen nach Bietigheim-Bissingen.

Hergestellt werden die Schuhe freilich schon seit über fünf Jahrzehnten in Budapest. In einem eher schmucklosen Haus im Stadtel Budafok produzieren rund 40 Männer und Frauen in zum Teil mühsamer Handarbeit 45 Paar Schuhe am Tag. Ein Rundgang durch die Manufaktur ist eine Zeitreise in eine vorindustrielle Welt.

Lehmann frotzelt:"Mit unseren Maschinen könnten wir ein Museum aufmachen." Soviel Handarbeit hat ihren Preis - bis zu 800 Euro kostet ein Paar Dinkelacker-Schuhe. Verkauft werden sie vor allem in Deutschland und dort in edlen Läden wie Budapester, KaDeWe, Breuninger oder Manufactum.

Maximilian("Max") Lehmann (30) ist das zu wenig. Norberts Sohn, für Marketing und Vertrieb zuständig, will im In- und Ausland expandieren. Japan läuft schon ganz gut. Benelux, Skandinavien und auch China sollen bald folgen. Max ist ehrgeizig, eckt mit seinen frischen Ideen bei Werbung manchmal beim konservativen Vater an, der zwar nörgelt, ihn aber doch machen läßt. Max arbeitete vorher bei Porsche USA in Atlanta und danach in der Marketing-Abteilung in Zuffenhausen. Die Kontakte nutzte er jetzt, um mit Porsche Design - einer Tochter der Porsche AG - ins Geschäft zu kommen. Seit Weihnachten beliefert Dinkelacker die Porsche-Design-Shops - immerhin rund 160 weltweit - mit exklusiven und rund 1000 Euro teuren Modellen.

Den Deal mit der Porsche Design GmbH - die die Porsche AG übrigens 2003 unter Vorstandschef Wiedeking von Ferdinand Alexander Porsche kaufte - fädelte Max Lehmann ohne Vaters oder gar Wiedekings Hilfe ein. "Wir haben die beiden bewusst rausgehalten", sagt er angesichts der noch vorhandenen Ressentiments im Hause Porsche gegenüber Wiedeking.

Der Vater stand freilich Gewehr bei Fuß: "Wenn es Probleme gegeben hätte, hätte ich Wolfgang angerufen", sagt Norbert Lehmann. Er musste Porsche-Aufsichtsratchef Wolfgang Porsche (72), der übrigens wie viele Porsche-Manager auch Dinkelacker trägt, nicht anrufen.

Doch Maximilian ("Max") Lehmann (33) ist das zu wenig. Norberts Sohn, für Marketing und Vertrieb zuständig, will im In- und Ausland expandieren. Max arbeitete zuletzt im Porsche-Marketing. Die Kontakte nutzte er jetzt, um mit Porsche Design - einer Tochter der Porsche AG - ins Geschäft zu kommen. Seit Ende letzten Jahres beliefert Dinkelacker die Porsche-Design-Shops, immerhin rund 150 weltweit, mit exklusiven, rund 1000 Euro teuren Modellen.

Den Deal mit der Porsche Design Group - die der Autobauer 2003 noch unter Vorstandschef Wiedeking von Ferdinand Alexander Porsche gekauft hatte - fädelte Max Lehmann ohne Vaters oder gar Wiedekings Hilfe ein. "Wir haben die beiden bewusst rausgehalten", sagt er.

Der Papa stand freilich Gewehr bei Fuß: "Wenn es Probleme gegeben hätte, hätte ich Wolfgang angerufen", sagt Norbert Lehmann und meint Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche (72). Der übrigens, wie viele Porsche-Manager auch, Dinkelacker trägt.

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