Donnerstag, 18. Juli 2019

Griechenland vor der Pleite Wie Tsipras die griechische Wirtschaft austrocknet

Griechenlands Premier Alexis Tsipras: In dieser Woche muss Griechenland einen IWF-Kredit zurückzahlen - und die Staatspleite rückt immer näher

Die neue Regierung schnürt der privaten Wirtschaft gezielt die Luft ab. Viel zu retten gibt es da bald nicht mehr.

Grauer Waschbeton, ein edel gestaltetes Foyer, mittendrin ein Olivenbaum: Auf den ersten Blick ähnelt die Zentrale von Apivita einer Werbeagentur. Allein die mit großen Glaswänden abgeschirmten Produktionsanlagen und Labors, in denen Mitarbeiter in Schutzanzügen Pflanzenextrakte destillieren, verraten, dass hier ein Kosmetikhersteller residiert.

Das hypermoderne Apivita-Gebäude mit seinen Sonnenkollektoren und begrünten Dachflächen würde man eher im kalifornischen Silicon Valley erwarten als im vermeintlich rückständigen Griechenland. Und so eilte vor Jahren sogar Bill Gates nach Athen, um dem Apivita-Gründer Nikos Koutsianas einen Innovationspreis zu verleihen.

Der gelernte Apotheker, der das Unternehmen vor fast 40 Jahren gründete, ist eher Philosoph als Manager. Konkurrenzkampf und Konsumterror sind ihm fremd. Und trotzdem verkauft Apivita seine Biokosmetika inzwischen in die halbe Welt. Der Konzern wächst, selbst im Krisenjahr 2014 legte der Umsatz um 10 Prozent auf 36 Millionen Euro zu.

Gerade erst hat Koutsianas mehrere Filialen in Japan eröffnet. Made in Greece ist für den Unternehmer, dessen Cremes und Shampoos auf Basis griechischer Naturprodukte entstehen, eine Erfolgsformel. Noch.

Syrizas Hinhaltetaktik - für griechische Unternehmen ist das ruinös

Denn was seine neue Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras (40) vor den Augen der Weltöffentlichkeit da treibt, mit ihrer Hinhaltetaktik und ihrem Betteltourismus (Brüssel, Washington, Moskau, Peking), irritiert nicht nur die Europäer. Für die Wirtschaft daheim ist dieser Aktionismus geradezu ruinös. Viele Firmen sind kaum noch in der Lage, frisches Geld, egal ob fürs Tagesgeschäft oder für Investitionen, aufzutreiben.

Die neue Regierung sei eine einzige Katastrophe für das Land, sagt der Chef eines der größten Konzerne: "Die sind auf dem besten Weg, uns alle in die Pleite zu treiben."

In der Tat ist das Unheil, das mit dem Regierungswechsel in Athen über die griechische Wirtschaft hereingebrochen ist, gewaltig. Die klammen heimischen Banken leihen den Unternehmen, wenn überhaupt, nur noch zu Wucherzinsen Geld. Investoren, die angesichts des drohenden Euro-Austritts noch bereit wären, Kapital bereitzustellen, gibt es so gut wie keine mehr. Und die Reserven sind nach sechs Jahren Dauerkrise weitgehend aufgebraucht.

© manager magazin 5/2015
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