Montag, 23. September 2019

Fahrdienstvermittler Der Uber-Fall

Von Google bis Goldman: Ubers glückliche Investoren
DPA

2. Teil: "Sich wie ein verdammter Zuhälter fühlen"

Kalanick ist die Vollendung der kurzen Evolution von CEOs aus dem Tal des Tech-Kapitalismus. Der Uber-Chef mag prollig rüberkommen, aber er ist tollkühn wie Google-Gründer Larry Page und ehrgeizig wie Facebook-Macher Mark Zuckerberg - und er ist so unnachgiebig und rücksichtslos effektiv bei seinem Feldzug wie all die anderen vor ihm zusammen. Der ganze Mann ein einziges Macht-euch-auf-was-gefasst.

Dass Travis Kalanick, Kind einer Mittelschichtsfamilie aus der Nähe von Los Angeles, kein typischer Nerd werden würde, war schon in der Schule klar. Zwar fing er wie viele schon in der sechsten Klasse mit dem Programmieren an und hatte schon als Jugendlicher sein erstes Business, aber das war sehr analog: Er verkaufte Markenmesser an die Nachbarn. Mit 18 gründete er eine Firma, er hatte dafür ein eigenes Tutoring-Programm für Hochschulzulassungstests entwickelt. Geld machen, womit auch immer.

An der Universität von L.A. lernt er ein paar Gleichgesinnte kennen und bricht das Studium ab, um sich ab Ende der 90er Jahre um das Marketing von deren Start-up zu kümmern. Scour ist einer der ersten File-Sharing-Dienste der Welt, es werden hauptsächlich Filmkopien ausgetauscht. Bald klagt die Unterhaltungsindustrie auf 250 Milliarden US-Dollar Schadensersatz. Scour meldet Insolvenz an und wird am Ende im Gerichtssaal versteigert. Kalanick, so erzählte er es einmal vor anderen Gründern, telefoniert noch bis zum letzten Tag potenzielle Geschäftspartner ab - weil die Seite weiter Millionen von Nutzern anzieht. Er will bloß keine Gelegenheit verpassen.

Die nächste heißt Red Swoosh, eine Softwarenetzwerkplattform und laut Kalanick sein "Rachegeschäft", das er nur drei Monate nach dem Scour-Ende mitgründet. Die Firmen, die geklagt hatten, sollen nun zu Kunden konvertiert werden. Auch das Business läuft nicht rund. Zwischenzeitlich siedelt das Team, um Miete zu sparen, zum Programmieren an den thailändischen Strand um. Irgendwann führen sie nicht mal mehr Steuern ab bei den Gehaltsabrechnungen - eine Straftat, die mit Gefängnis geahndet wird.

Limousinen bestellen - und sich "wie ein verdammter Zuhälter fühlen"

Wer genau dafür verantwortlich war, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Kalanick bezichtigte in einer öffentlichen Rede mal den Mitgründer Michael Todd. Jedenfalls sammelt er Geld bei Investoren ein, um die Steuerschuld zu begleichen. Kurz bevor gar nichts mehr geht, gelingt es Kalanick 2007, Red Swoosh für 23 Millionen Dollar an einen Wettbewerber zu verkaufen. Der Anfang von Uber.

Kalanick leistet sich von dem Geld ein schönes Haus in San Francisco, er reist viel durch die Welt. In Paris, wo er mit seinem Freund Garret Camp 2008 eine Tech-Konferenz besucht, bekommen sie kein Taxi. Wäre es nicht schön, wenn man sich per Smartphone-App eine Limousine bestellen könnte, für sich und die besten Freunde, damit sich "Garret wie ein verdammter Zuhälter fühlen kann"?, erzählte Kalanick früher gern die Gründungsgeschichte. Mit diesem dritten Versuch, dem Experiment, ein Geschäft mit dem Angeben zu betreiben, gelingt ihm der Durchbruch.

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