Wells Fargo - eine Aktie für Anleger? Ein Skandal, der zum Einstieg einlädt

Fingierte Konten haben Wells Fargo erschüttert. Doch die US-Bank hat schon ganz andere Krisen gemeistert.
Von Uwe Rathausky
Wells Fargos Eigenkapitalrendite von mehr als 10 Prozent ist höher als die der meisten US-Banken. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis fiel binnen eines Jahres von 1,75 auf 1,25. Die Rückkehr auf das alte Bewertungsniveau brächte ein Kursplus von 40 Prozent.

Wells Fargos Eigenkapitalrendite von mehr als 10 Prozent ist höher als die der meisten US-Banken. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis fiel binnen eines Jahres von 1,75 auf 1,25. Die Rückkehr auf das alte Bewertungsniveau brächte ein Kursplus von 40 Prozent.

Foto: ? Robert Galbraith / Reuters/ REUTERS
Uwe Rathausky

Uwe Rathausky managt mit Henrik Muhle den Acatis Gané Value Event Fonds.

Wer in Großbanken investiert, sollte jederzeit auf einen Skandal gefasst sein. Zuletzt hat es den amerikanischen Branchenprimus Wells Fargo  erwischt. Das Fiasko um zwei Millionen fingierte Konten kostete 5000 Mitarbeiter den Job und John Stumpf den Chefposten. Bis dahin galt der ehemalige Banker of the Year und CEO des Jahres als Vorzeigemanager par excellence.

Er führte ein Institut, das 1852 als Bank und Transportunternehmen mit den berühmten roten Postkutschen für die Beförderung von Waren und Geld zwischen den kalifornischen Goldminen und der US-Ostküste gegründet worden war. Die erste Feuertaufe bestand Wells Fargo 1855, als das Gros der Wettbewerber in einem Bankencrash kollabierte und das Institut als eines der wenigen überlebte. Auch das Platzen der Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt rund 150 Jahre später überstand das Geldhaus fast unbeschadet - nicht zuletzt weil es dem klassischen Bankgeschäft treu geblieben war und kaum im Investment-Banking mitmischte. Bis zur Pleite von Lehman Brothers hatte Wells Fargo auf viele Milliarden an Provisionen aus Baukrediten verzichtet.

Das Geschäft holten die Kalifornier dann mit doppelter Stärke und gewohnter Disziplin im Risikomanagement nach, indem sie den zusammengebrochenen Konkurrenten Wachovia  übernahmen. Mit Wachovia ist Wells Fargo zum dominierenden US-Immobilienfinanzierer aufgestiegen: Allein 2012 und 2013 wurden Hypothekenkredite im Volumen von 900 Milliarden US-Dollar vergeben. In den vergangenen beiden Jahren waren es immerhin noch 400 Milliarden, ein Marktanteil von rund 20 Prozent und die Basis für einen Jahresgewinn, der regelmäßig die Schwelle von 20 Milliarden US-Dollar überschreitet.

Obwohl die Bank das Cross-Selling mit zuletzt 6,3 Produkten pro Kunde überzogen hat, genießt sie das Vertrauen von 70 Millionen Menschen. Ein Wells-Fargo-Fan ist auch Investmentlegende Warren Buffett, seine Holding Berkshire Hathaway  hält 10 Prozent der Anteile. Auf die Frage, welche Aktie er wählen würde, könnte er in seinem ganzen Leben nur eine einzige kaufen, antwortete er: Wells Fargo. Kursrückgänge nutzte er in der Vergangenheit stets für Zukäufe.

Gut möglich, dass Buffett in diesen Tagen wieder einmal nach der gleichen Devise verfährt und seinen Anteil weiter ausbaut. Mit ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis von lange Zeit 11 und einer Dividendenrendite von 3 Prozent ist die grundsolide Aktie jedenfalls sehr attraktiv.

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