Spitzensommelier empfiehlt drei Weine 3360 Euro für einen Schluck Geschichte

Ein verkanntes Genie aus den USA, der kleine Bruder eines bekannten Stars - und ein unbekannter Port.

Zum Entdecken: Underdog aus Oregon

Jan Konetzki
Foto: Getty Images

Jan Konetzki (37), gefeierter deutscher Sommelier und Director of Wine im Londoner "Four Seasons" und "Ten Trinity Square Private Club", schenkt ein.

OVUM, 2016: "Since I fell for you" Gewürztraminer, Rogue Valley, Oregon, USA, 30 Dollar

Gewürztraminer ist für viele ein No-Go, als Rebsorte so überaromatisch wie eine stark parfümierte Dragqueen: loud and proud. Ich hingegen halte den Gewürztraminer für einen Knaller, vor allem jenen aus Oregon. Von der Ovum Winery bekomme ich jedes Jahr nur ein paar Flaschen.

Das Rogue Valley ist ein kleiner, unbekannter Teil Oregons, kühler als Kalifornien, nicht weit von der Foodie-Metropole Portland. Dort, 487 Meter über dem Meer, keltern John und Ksenija House großartige Weißweine, die kaum einer kennt, weil sie fast nur in Amerika getrunken werden: erdig, mineralisch, sehr aromatisch, aber nicht zu süß. Perfekt zu Flusskrebsen, Gerichten mit Anis, Fenchel, Safran.

"Since I fell for you" 2016 ist die Flasche, die es jetzt gibt. Jeder Jahrgang ist nach einem Song von Nina Simone benannt. In Portland betreibt das Winzerpaar seit 2017 auch die Winebar "Les Caves" im Heizungskeller des früheren Victoria-Theaters. Wie gemacht für Gewürztraminer - und Simone.

Bezugsquelle: ryebrookwines.com 

Zum Mitreden: Aus einer anderen Epoche

TAYLOR'S SINGLE HARVEST, 1863: Portugal, ab 3360 Euro

3360 Euro - das ist schon ein grenzwertiger Preis für eine Flasche Wein. Aber es gibt nur noch zwei Fässer von diesem Likörwein, der 1863 gemacht wurde, als die Welt noch ein anderer Platz war. Bis heute ist er ein atemberaubendes Getränk, mit Noten von Nuss, Crème brûlée, karamellisierter Orangenschale bis Holz. Man trinkt ihn wie Cognac, bei 16 Grad, im kleinen Tulpenglas.

Das Taylor's ist eines der legendären Porthäuser. Seine Vintage-Jahrgänge hören eigentlich bei 1900 auf. Schon faszinierend, etwas im Glas zu schwenken, das mehr als 150 Jahre alt ist, zwei Weltkriege überstanden hat und vor Erfindung der Glühbirne ins Fass kam. Ein Schluck Weingeschichte.

Bezugsquelle: uvinum.de 

Zum Versacken: Arbeiterwein des Piemont

Foto: Gianluca Cane

ROAGNA, 2011: Barbera d'Alba, Piemont, Italien, 31 Euro

Castiglione Falletto ist eines der drei Topdörfer für Barbaresco, im Norden Italiens. Dort wird Nebbiolo angebaut, die feine Traube, die man für die berühmten Rotweine Barolo und Barbaresco braucht. Der Barbera ist der Arbeiter- und Trinkwein.

Luca Roagna (37) produziert mit Vater und Großvater sehr gute Barolos und Barbarescos. Ihr Motto: "Pur vom Terroir ohne Einfluss von Eichenaromen." Sie düngen nicht, benutzen keine Pestizide, kaum neues Holz. Viel mehr Weinromantik geht kaum.

Ihren Barbera machen die Roagnas nebenbei. Der 2011er trinkt sich jetzt besonders gut, weil er vier Jahre in der Flasche und zwei im Holz war. Er ist angenehm herb, nicht zu kräftig, schmeckt nach Kirsche, Brombeere, Veilchen, Zedernholz, ein präziser Naturwein. Er passt gut zu handgemachter Pasta mit Tomatensugo und Parmesan, aber auch zu Entrecote.

Bezugsquelle: cultivino.ch 

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