Das Rentnerleben des ehemaligen Swiss-Re-Chefs So geht Ex-CEO heute: ein wenig Startuppen, ein bisschen Bergsteigen

Der frühere CEO der Swiss Re ist als Start-up-Unternehmer unterwegs - wenn er nicht gerade seinem Höhendrang nachgibt.
Stefan Lippe

Stefan Lippe

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Auch mit Anfang 60 ist Stefan Lippe noch eine ausnehmend drahtige Erscheinung. 80 Kilo verteilen sich beim einstigen Chef der Swiss Re  auf 1,86 Meter Körpergröße. Die Form braucht er fürs Bergsteigen, denn ohne ausgiebige Vorbereitung machen solche Touren keinen Spaß. Schon als aktiver Vorstand schaffte er mindestens einen Viertausender pro Jahr. Klar, dass er das Pensum steigerte, nachdem er dem Konzern Ende 2011 seine Kündigung schickte. Fünf Viertausender waren es 2013 und 2014. Nur vergangenes Jahr hinderte ihn ein gebrochener Fuß an seinem Höhendrang, Lippe war an einer Straßenbahnschiene hängen geblieben.

Ein Leben für die Swiss Re

Fast drei Jahrzehnte war Stefan Lippe für die Swiss Re tätig. 2009 machte ihn der starke Mann im Verwaltungsrat, Walter Kielholz (Foto, l.), zum CEO.

Walter Kielholz (l.) mit Stefan Lippe (r.) im Gespräch

Walter Kielholz (l.) mit Stefan Lippe (r.) im Gespräch

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Das letzte Mal, dass er länger als zwölf Monate ohne Höhenrausch auskommen musste, war 2009, als er den Investmentbanker Jacques Aigrain an der Spitze des weltweit zweitgrößten Rückversicherers ablöste. Der einstige J.-P.-Morgan-Mann hatte sich mit Kreditderivaten verzockt und den Konzern an den Rand des Abgrunds manövriert. Lippe musste aufräumen, handelte mit US-Investmentlegende Warren Buffett ein Rettungspaket aus, entsorgte den Finanzmüll, strich 1200 Jobs und baute der Traditionsadresse ein neues Fundament. Der Erfolg kam schneller als erwartet. Knapp drei Jahre später zahlte Lippe die Notkredite an Buffett zurück, die Ratingagenturen führten die Swiss Re wieder in der Kategorie AA. Mission accomplished.

Gleich darauf verabschiedete sich der Sanierer, verzichtete auf einen Sitz im Verwaltungsrat. Stattdessen nahm er im Kontrollgremium des Swiss-Re-Großkunden Axa  in Paris Platz und ließ sich in den Aufsichtsrat der Commerzbank  wählen.

Hauptberuflich ist er heute Unternehmer, hat sich in drei Start-ups eingekauft und sorgt dafür, dass ordentlich gemanagt wird. "Ich stelle meine Erfahrung und meine Kontakte zur Verfügung", sagt der studierte Mathematiker und promovierte Betriebswirt, "operative Verantwortung hatte ich lange genug".

Am weitesten ist Lippe mit einem Schweizer Fintech-Start-up, das in seinem alten Kerngeschäft agiert. Celsius Pro versichert Bauunternehmen gegen die wirtschaftlichen Folgen langer Frostperioden oder Skiliftbetreiber gegen Schneemangel.

Im Moment arbeiten seine Leute daran, afrikanischen Kleinbauern das Risiko von Trockenheit und Ernteausfall abzunehmen. Mithilfe eines Softwaretools, das von Wettersatelliten mit Daten gefüttert wird, lassen sich auch entlegene Gebiete überwachen. Sobald es innerhalb einer vorab festgelegten Zahl von Tagen nicht regnet, wird die Entschädigung ausgezahlt. Der Computer steuert den Prozess von der Policierung bis zur Schadensabwicklung komplett autonom.

Damit arbeitet Stefan Lippe im Kleinen an der Abschaffung jenes Biotops, in dem er groß geworden ist: der überbordenden Versicherungsbürokratie.

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