Was macht eigentlich ... ... der ehemalige Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter?

Der letzte Vorstandschef der untergegangenen Dresdner Bank ist als Einzelkämpfer umtriebig wie eh und je.
Herbert Walter.

Herbert Walter.

Foto: Markus Hintzen für manager magazin

Sein jüngster Kurztrip mit der Familie ins geliebte Venedig hat Herbert Walter (63) bereits vor dem Reiseantritt in Hochstimmung versetzt - beim Buchen von Hotel und Flug im Internet. Zusammen mit seinen beiden erwachsenen Söhnen - die Tochter, eine Zehntklässlerin, verbringt gerade ein Jahr in den USA - flöhte der Ex-Chef der Dresdner Bank das Netz nach Angeboten durch.

"Eine grandiose Customer Journey!", begeistert Walter sich für den Abstecher ins Digitale. Natürlich in Finanzdenglish, Frankfurts Zweitsprache, die er trotz bayerischen Zungenschlags akzentfrei spricht.

Wie soll es auch sonst sein bei einem, der seit 30 Jahren im Finanzgewerbe arbeitet und den Beruf des Bankers, trotz allem, noch immer für einen der spannendsten hält: "Nirgends kriegt man einen so kompletten Blick über die Wirtschaft."

Nach dem Einstieg bei der Deutschen Bank diente sich Walter rasch zum Assistenten von Vorstand Ulrich Cartellieri (79) hoch. Der erlaubte ihm, nebenher Börsenkommentare für "FAZ" und "Handels- blatt" zu schreiben - Nachwehen einer Schwärmerei für den Journalismus, die er schon im Münchener BWL-Studium ausgelebt hatte.

Als Chef der letztlich gescheiterten Privatkundentochter DB 24, vor allem aber als Dresdner-CEO (ab 2003) lebte Walter dann sein Faible fürs Massenkundengeschäft aus, strich radikal Stellen - und quälte seine Mitarbeiter mit einem unerbittlichen Arbeitsethos, das manchen Kollegen überforderte.

Zum Abschied, nach der Fusion mit der Commerzbank, verzichtete er auf 3,6 Millionen Euro Restvergütung. "Ich wollte unbelastet in die Selbstständigkeit starten", betont er noch heute. Die guten Jahre dürften die Demission abgefedert haben.

Ein Mann, ein Rad
Foto: DPA

Früher war Herbert Walter leidenschaftlicher Kicker, inzwischen ist er aufs Mountainbiking umgestiegen. Von seinem Zuhause im Frankfurter Diplomatenviertel aus ist der Taunus rasch erreicht, in sein Westend-Büro radelt er eher selten. Der Schlips indes kann jetzt öfter zu Hause bleiben. Der war früher bei Ex-Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann (Foto) noch Pflichtgarderobe. Mit dessen Faible fürs Investmentbanking konnte sich Walter allerdings nie anfreunden.

Als Berater sammelte er zahlreiche Mandate, vor allem von Finanzdienstleistern, "um Dinge auf den Weg zu bringen". Ein Projekt durch- und anschließend zum nächsten weiterziehen: Wenig befriedigt den Wanderarbeiter bis heute mehr.

Nach seinem einjährigen Abstecher zum Bankenrettungsfonds Soffin, für den er viele Mandate niederlegen musste, macht er nun weiter wie zuvor. Bei Portugals Bank CDG und beim Versicherer Ergo als Aufsichtsrat, beim Finanzinvestor Aquila als Beirat. Am Berliner Finanzportal Whofinance hält Walter gut 40 Prozent und schwärmt von den digitalen Chancen, die Deutschlands Banken nicht ausschöpfen.

Die Rückkehr ins operative Banking reizt ihn dagegen nicht mehr. Wie so viele Ex-Topbanker genießt er die Flexibilität, die das Arbeiten auf eigene Rechnung bietet. Selbst wenn er dafür zwölf Stunden in seinem Büro im Westend sitzt.

Auch im Privaten ist Walter äußerst wendig: Als Bezirksliga-Fußballer kickte er nacheinander in Sturm, Mittelfeld und Abwehr - und seinen früheren Herzensverein 1860 München hat er gegen den FC Bayern eingetauscht.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.