Mittwoch, 18. September 2019

Gründer des weltgrößten Hedgefonds Das krisenfeste Depot - was Anleger von Ray Dalio lernen können

Geldanlage neu erfunden: Ray Dalios Lehren für Investoren
REUTERS

Ray Dalio hat mit seinem unorthodoxen Risk-Parity-Ansatz die Geldanlage neu erfunden und den größten Hedgefonds der Welt geschaffen. Der kauzige Guru aus Connecticut verfolgt ein großes Ziel: Er will den "Heiligen Gral" finden.

Manhattan, Axa Center, im Februar. Im Auditorium, tief unter der 7th Avenue, hat sich die New Yorker Finanzwelt zur Harbor Investment Conference versammelt: Mehr als 700 Gäste sind anwesend, darunter Investorenlegenden wie Joseph Perella.

Nachdem bereits zum siebten Mal hintereinander "Beautiful Day" von U2 aus den Lautsprechern dröhnt, betreten nun zwei Herren die Bühne, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Eine Art Schwergewichtskampf zweier Einkommensmilliardäre, angesetzt auf knapp 60 Minuten, also die vollen zwölf Runden. Im linken Sessel, aufrecht sitzend: Firmenjäger Bill Ackman (48), Gründer von Pershing Square. Rechts daneben, grauhaarig und weit im roten Polster zurückgelehnt: Ray Dalio (65), Schöpfer von Bridgewater Associates, dem größten Hedgefonds der Welt mit 160 Milliarden Dollar Kundengeld.

"Nur zur Einordnung", erklärt der Moderator und UBS-Banker Mark Axelowitz, "das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von 130 Staaten - und achteinhalbmal so viel, wie Bill Ackman verwaltet." Im Showbiz habe der Chairman einst Frank Sinatra geheißen, in der Hedgefondsbranche "ist das Ray Dalio". Tosender Applaus.

Bill Ackman hat jetzt eine Stunde, um Dalio zu grillen. Und er kommt gleich zur Sache. Niedrigzinsen, Null-Inflation, Franken-Schock - "Ray, wie verwaltest du 160 Milliarden Dollar Kundengeld in einem solchen Marktumfeld?"

Bridgewaters Investmentansatz funktioniere, weil er long und short auf alles sein könne, ohne Vorfestlegung, sagt Dalio. "Ich verwende viel Financial Engineering darauf, ein ganzes Bündel an nicht miteinander verbundenen Wetten einzugehen."

Knapp zusammengefasst, ist genau dies Dalios Erfolgsgeheimnis: gute Investments zu finden, deren Erfolgsfaktoren vollkommen unterschiedlich sind - sodass sie nicht alle gleichzeitig an Wert verlieren, wenn die Konjunktur einbricht.

Diese Methode hat Bridgewater eine zuvor nicht für möglich gehaltene Robustheit verliehen. Dalios Pure-Alpha-Fonds lag selbst im Finanzkrisenjahr 2008 noch knapp 10 Prozent im Plus, als Rivale Ackman mehr als 12 Prozent Verlust vermelden musste. Superman Warren Buffett stürzte damals gar um 31,8 Prozent ab.

Die eigenwillige Portfoliostreuung unterscheidet Dalio deutlich von anderen Hedgefonds. "Ich möchte so wenig wie möglich von einer einzigen Sache abhängig sein", sagt er. Der Heilige Gral, nach dem er fortwährend sucht: mindestens 15 gute, unkorrelierte Investments, die zusammen ein krisensicheres Portfolio ergeben.

In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde Dalio immer wieder fündig. Auch weil er dort sucht, wo die Renditen nach tradierter Lehre viel zu niedrig sind.

© manager magazin 4/2015
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