Mittwoch, 23. Oktober 2019

Gründer des weltgrößten Hedgefonds Das krisenfeste Depot - was Anleger von Ray Dalio lernen können

Geldanlage neu erfunden: Ray Dalios Lehren für Investoren
REUTERS

6. Teil: Die Strategie des Allwetterfonds

Der All Weather Fund hingegen basiert auf einer Strategie, die 1996 für die Verwaltung von Dalios Familienvermögen erdacht wurde. Er dient dem Ziel, die Marktrenditen ("Beta") effizient abzuschöpfen und in jeder Marktlage das Vermögen zu mehren. "Alpha-Quellen auszuwählen erfordert Talent (...) und ich kann mir dessen nicht sicher sein nach meinem Tod", sagt Dalio. "Deshalb wollte ich ein Portfolio, dass zu 100 Prozent auf den Betas basiert und aktienähnliche Renditen bringt."

Der Fonds soll sowohl bei steigender als auch fallender Inflation sowie bei anziehendem als auch abnehmendem Wachstum an Wert zulegen. Aktien und Anleihen werden nach ihrem Risiko gewichtet, der Allwetteransatz ist auch unter dem Schlagwort "Risikoparität" bekannt. Er ist deutlich einfacher zu kopieren als der Pure-Alpha-Ansatz. Dalio hatte etwas erfunden, das erstaunlich gut funktionierte - und replizierbar war.

2013 dann ein schwerer Rückschlag, der All Weather Fund verlor zeitweise mehr als 10 Prozent. Die Angst, die US-Notenbank werde die Geldflut stoppen, ließ fast alle Assets gleichzeitig abschmelzen, selbst inflationsgesicherte Anleihen, die eigentlich von der Aussicht auf steigende Zinsen hätten profitieren sollen. Es war geschehen, was in Dalios Welt nicht hätte passieren dürfen. Bridgewater entschuldigte sich bei den Kunden und änderte das Modell. Inflationsgesicherte Anleihen spielen jetzt nurmehr eine untergeordnete Rolle.

Der Verlust von 2013 bestätigt Kritiker, die Risk Parity als ein Modell schmähen, das ihrer Ansicht nach nur bei steigenden Anleihekursen (und fallenden Zinsen) funktioniere. In der Tat ist eine Gefahr für Bridgewater, dass sich große Anlageklassen immer stärker im Gleichschritt bewegen, weil die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik die Preise hochtreiben - und sie eines Tages womöglich jäh abstürzen lassen.

Dalio wird sein Modell weiterentwickeln. Es ist sein Schicksal, trotz aller Bewunderung stets auch verspottet zu werden - wegen seiner Verschrobenheit. Bridgewater nutze "viele Ansätze der künstlichen Intelligenz", verriet Dalio seinem Ringpartner Ackman. Der darauf: "Du nutzt künstliche Intelligenz, ich nutze hoffentlich natürliche." Gejohle.

Ende Februar berichtete Bloomberg, Bridgewater habe eine Abteilung für künstliche Intelligenz gegründet. Teamchef ist David Ferrucci, der zuvor bei IBM die Entwicklung des Großrechners Watson leitete. So will Dalio aus der Datenflut Profit schlagen. Prompt füllten sich die Finanzblogs mit Witzen über die "Raybots", die Dalio in seiner Waldhütte konstruieren wolle.

Die Erfahrung zeigt, dass es am Ende oft Dalio ist, der lacht.

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