Donnerstag, 17. Oktober 2019

Gründer des weltgrößten Hedgefonds Das krisenfeste Depot - was Anleger von Ray Dalio lernen können

Geldanlage neu erfunden: Ray Dalios Lehren für Investoren
REUTERS

5. Teil: Vom Glücksritter zum Investor - Dalio selbst ist erst aus Schaden klug geworden

Er will verstehen, warum ein einzelnes Asset im Wert steigt oder fällt. "Ich schaue nicht auf die Korrelationsdaten, die sind nur das Ergebnis." Und spätestens beim nächsten Crash ohnehin wertlos.

Dalio ist selbst erst aus Schaden klug geworden. Als junger Mann war er noch ein Glücksritter. Sein erstes Geld machte der Teenager mit Aktientipps, die er von Golfspielern aufschnappte, für die er als Caddie arbeitete. Als Student der Finanzwissenschaft am C.W. Post College und später an der Harvard Business School spekulierte er an der Rohstoffbörse, dort konnte er mit wenig Kapital und großem Hebel zocken.

Aus dieser Zeit stammt das Foto des jungen Dalio mit langen Haaren und Vollbart, einen Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt, dessen linke Hand dem Fotografen und der Welt den Stinkefinger zeigt. Mit diesem Bild hat er 2010 eine Präsentation an der Harvard Business School aufgemotzt. Seinen ersten Job bei einem Rohstoff-Brokerhaus verlor Dalio, weil er einen Vorgesetzten im Streit geschlagen hatte (und weil er bei einer Kundenkonferenz eine Stripperin bezahlt hatte).

"Ich erinnere mich noch sehr lebhaft daran, dass ich Anfang der 70er Jahre long war bei Schweinebäuchen, als der Preis Tag für Tag fiel", erzählte er einem Biografen. "Jeden Morgen bei Marktöffnung klickte die Kurstafel, es war wie ein elektrischer Schlag." Diesen Schmerz wollte er nie wieder spüren. "Er hat mich die Mathematik des Investierens gelehrt", meint Dalio.

Die Mathematik des Investierens

"Das Gesetz der großen Zahl ist sehr mächtig", sagt Dalio zu Ackman. Wenn er eine Wette pro Jahr eingehe, mit einer Gewinnchance in sieben von zehn Fällen, werde er in drei von zehn Jahren Geld verlieren. "Gehe ich jeden Tag eine solche Wette ein, liegt die Gefahr eines Verlustjahres bei weniger als eins zu einer Million."

Im Herzen ist Dalio ein Trader. Als er nach seinem Rauswurf 1975 Bridgewater gründete, beriet er seine alten Farmerkunden dabei, ihre Ernte mit Termingeschäften abzusichern. Nach und nach wurde Bridgewater zu einem Anbieter marktnaher, volkswirtschaftlich fundierter Analysen. 1985 erteilte die Leiterin des Weltbank-Pensionsfonds, Hilda Ochoa-Brillembourg, Bridgewater erstmals ein Mandat zur Vermögensverwaltung über fünf Millionen Dollar. "Ray war einer der wenigen Volkswirte, der seine Analysen in Investments verwandeln wollte", erinnert sich Ochoa.

1991 wurde der Pure Alpha Fund aufgelegt, Bridgewaters zentrales Produkt. Sein Ziel: vom Auf und Ab der Anlageklassen unabhängige Renditen abschöpfen ("Alpha" genannt), die auf den eigenen Investmentideen beruhen. "Ich nehme eine logische Wette, teste sie für alle bekannten Zeiten und Länder, und das ist dann mein Alpha", sagt Dalio.

Mehr als einhundert "Alpha Streams" fasst der Fonds zusammen. Er kam seit 1991 auf eine durchschnittliche Rendite von mehr als 13 Prozent.

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