Sonntag, 18. August 2019

Gründer des weltgrößten Hedgefonds Das krisenfeste Depot - was Anleger von Ray Dalio lernen können

Geldanlage neu erfunden: Ray Dalios Lehren für Investoren
REUTERS

4. Teil: ""Das Gehirn ist ein Computer, und der Computer ist ein Gehirn"

"Ich kenne keine andere Firma, bei der die Angestellten die Unternehmenskultur so stark verinnerlichen wie bei Bridgewater", sagt der Manager eines Konkurrenten.

Dalios Elitetruppe sind jene 300 Angestellten, die an der Investmentstrategie arbeiten. In kleinen Teams versuchen sie, neue Regeln zu finden und durchzutesten. Jede Idee muss Dalios Kriterium "timeless and universal" bestehen, also in jedem Land und zu jeder Zeit gelten, für die ausreichend Finanzmarktdaten bereitstehen. Ist dieser Test bestanden, werden im Computer die entsprechenden Kauforders programmiert. "99 Prozent der Entscheidungen trifft der Computer, nach meinen Regeln", sagt Dalio. "Das ist wie Autofahren mit Navigationssystem."

Es lässt sich nur erahnen, welch Freude es dem Bridgewater-Team 1987 bereitet haben musste, als Co-Investmentchef Bob Prince die erste Windows-Version des Tabellenkalkulationsprogramms Excel anschleppte. Zuvor hatten sie noch mit dem Taschenrechner kalkuliert und per Hand Kurven gezeichnet, um die Investmentideen durchzuchecken, die Dalio bei jedem Trade in einer Kladde notiert hatte.

"Das Gehirn ist ein Computer, und der Computer ist ein Gehirn", sagt er. Bei Bridgewater ist der Computer, und damit 99 Prozent des Geschäfts, eine Erweiterung von Dalios Gehirn.

Dank seiner unermüdlichen Forschung kommt er auf Gedanken, die selbst gewieften Tradern alter Schule kaum einfallen. Das durfte Jack Schwager feststellen, als er Dalio für sein Buch "Hedge Fund Market Wizards" 2012 interviewte. Wie Bridgewater denn noch unkorrelierte Assets finde, wo doch alle Märkte immer stärker zusammenhingen, wollte Autor Schwager wissen. Aus einem 2-Prozent-Minus bei Aktien ließe sich doch die Kursentwicklung so gut wie jedes anderen Marktes ableiten.

Falsch, widersprach Dalio. Das liege nur an der engen Art, wie Schwager Märkte definiere. "Ich kann zum Beispiel nicht sagen, wie sich der Renditeabstand zwischen griechischen und irischen Anleihen verändert, wenn der S&P 500 fällt."

Wetten auf solche Renditeabstände ("Spreads") sind eines der Instrumente, mit denen Dalio die Palette seiner Investments erweitert hat. Ähnliche Geschäfte betreiben zwar auch andere Hedgefonds und Investmentbanken - aber nicht mit der Recherchetiefe und Analysekraft.

Falls Dalio also auf einen Anstieg der griechischen Anleiherendite im Verhältnis zur irischen setzen sollte, dann nicht, weil die jüngsten Kursdaten einen steigenden Trend zeigen. Solche Markttechnik ist Dalio zu banal.

© manager magazin 4/2015
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