Donnerstag, 17. Oktober 2019

Gründer des weltgrößten Hedgefonds Das krisenfeste Depot - was Anleger von Ray Dalio lernen können

Geldanlage neu erfunden: Ray Dalios Lehren für Investoren
REUTERS

2. Teil: Wie man ein krisensicheres Portfolio schafft

Doch diese Doktrin hebelt Dalio mit einem Trick aus. Für ihn sind alle Anlageformen gleich riskant, denn er nutzt Derivate und Kredithebel, um den Einsatz zu vervielfachen. Das Ergebnis ist eine Revolution: Fondsmanager, die 8 oder mehr Prozent Rendite anstreben, sind nicht mehr allein zum Kauf von Aktien verdammt. Sie können auch US-Staatsanleihen mit 2 Prozent Rendite erwerben - und sie über Derivate hebeln (was das Risiko natürlich steigert). So werden auch Langweiler-Investments mit Minizinsen durchaus interessant.

Weil Staatsanleihen in Konjunkturkrisen zumeist im Kurs steigen und nicht wie Aktien abstürzen, sinkt durch die Kombination beider Assetklassen das Gesamtrisiko im Depot. Für die Manager von US-Pensionsfonds, die wegen ihrer hohen Renditevorgaben traditionell 60 Prozent des Kapitals in Aktien halten und die in den Jahren 2000 und 2008 an den Rand des Abgrunds gerieten, bietet Dalio einen Ausweg - der ausreichend Rendite mit kontrolliertem Risiko kombiniert.

Immer mehr Großanleger investieren daher nach Dalios sogenannter Risk-Parity-Methode. Fast jeder US-Pensionsfonds und Versicherer kennt den Ansatz, 25 Prozent der Großinvestoren setzen ihn schon ein. Auch hierzulande sind RiskParity-Fonds verfügbar, einige sogar für Privatanleger (siehe Bildergalerie).

Größter Innovator seiner Zunft - doch Kritiker Dalios warnen vor neuen Risiken

Dalios Kritiker warnen, dass sein Ansatz neue, ganz eigene Risiken mit sich bringe. Respekt zollen sie ihm trotzdem. Denn hinter dem Erfolg des Bridgewater-Gründers steckt jahrzehntelange Markterfahrung, angereichert mit der weltweit vielleicht gründlichsten Analyse aller Finanzmarktdaten. Kaum ein Fonds hat sich so intensiv mit der Auswirkung von Konjunktur- und Inflationserwartungen auf die jeweiligen Assetklassen befasst und so viele Regeln zusammengetragen wie Dalio und seine 1500 Angestellten.

Deshalb gilt Ray Dalio als der gegenwärtig größte Innovator seiner Zunft. Das "aiCIO"-Magazin, ein Fachblatt für Pensionsfonds- und Versicherungsmanager, hat ihn bereits zum Steve Jobs des Finanzsektors geadelt. In der Tat gibt es da Parallelen: Dalio und Jobs waren beide Außenseiter, die - besessen von ihren Ideen - eine ganze Branche revolutioniert haben. Und dabei in Kauf nahmen, dass sie zeitweise wie Sektenführer wirkten.

Wie Jobs ist auch Dalio, Sohn einer Hausfrau und eines Jazzmusikers aus dem New Yorker Stadtteil Queens, ein Kind der 60er Jahre. Als die Beatles nach Indien reisten, begann er noch als Schüler zu meditieren, 20 Minuten pro Tag, bis heute. Seine unverstellte, unorthodoxe Sichtweise auf die Finanzwelt rührt nicht zuletzt daher. Renditen, Risikofaktoren, Managemententscheidungen und sogar die Psyche - für Finanzingenieur Dalio sind das alles Einzelteile einer Maschine, die er zerlegt, um sie zu verstehen, und die er danach neu zusammensetzt.

Der Glaube an die Macht der Technik ist typisch für viele seiner Generation, die als Schulkinder jeden US-Raketenstart live im Fernsehen verfolgten. Dalio bewundert seine Helden (Albert Einstein etwa) nicht nur; er seziert sie, um sie nachzuahmen.

© manager magazin 4/2015
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