Montag, 23. September 2019

Renditesorgen der Kernmarke Volkswagen - Fluch der Größe

Volkswagen: Winterkorns Sparschock, Piëchs Reich
DPA

Mit einem Sparprogramm will der Auto-Gigant Volkswagen seine Kernmarke vor dem Absturz in die Verlustzone bewahren. Lesen Sie hier die Titelgeschichte der September-Ausgabe des manager magazin, in der mm-Autor Michael Freitag die schwierige Situation der Wolfsburger enthüllt hatte.

Anm. d. Red.: Der nachfolgende Text ist eine nicht vollständig aktualisierte Fassung einer Titelgeschichte des manager magazins aus dem vergangenen Jahr über die gefährlichsten strategischen Brandherde im VW-Konzern.

Italien ist von jeher das Sehnsuchtsziel der Deutschen; da macht auch ein Österreicher keine Ausnahme. Wenn Ferdinand Piëch (77) etwas vermisst in seiner Volkswagen-Welt, dann sucht er es gern bei seinem südlichen Nachbarn: die Motorradmarke Ducati, den Sportwagenbauer Lamborghini, das Designstudio Giugiaro, den heutigen Audi-Vorstand Luca de Meo (47). Piëch ist auf den Geschmack gekommen. Gewöhnlichere Menschen kennen es von Erdnüssen oder Kartoffelchips: Man kann einfach nicht aufhören.

Auf den internationalen Automessen trifft sich der VW-Aufsichtsratsvorsitzende, der als mächtigstes Mitglied der Familien Porsche und Piëch 50,73 Prozent der Volkswagen-Stimmrechte kontrolliert, regelmäßig mit Mitgliedern der Agnelli-Familie, den Fiat-Haupteignern. Mit Clanchef John Elkann (38) fachsimpelt er dann über Traumautos wie den "La Ferrari" und erinnert ihn daran, dass er die Marken Ferrari und Alfa Romeo gern hätte, wenn sie denn zum Verkauf stünden.

Zuletzt kreisten die Gespräche zwischen den beiden europäischen Autodynastien, fokussierter fortgesetzt auch abseits der Messestände, noch um eine dritte Marke im Besitz der Italiener: Chrysler. Vor etwa einem Jahr brachte der Fiat-Clan die US-Marke als mögliches Übernahmeobjekt ins Spiel. Zunächst war das Staunen auf Volkswagen-Seite groß, inzwischen hält man die Idee nicht mehr für abwegig - und wartet auf die passende Gelegenheit

Warum nicht Chrysler kaufen?

Finanzer haben den Deal durchgerechnet, VW-Vorstandschef Martin Winterkorn (67) eine Integration durchdacht. Das Projekt klingt verwegen, mancher der Mächtigen in Wolfsburg und in Turin hat Bedenken, insbesondere die Konzernspitze bei Fiat hat "Gespräche über eine Fusion" nach einem mm-Bericht öffentlich dementiert. Vor allem zu einem aber würde der Fiat-Kauf passen: Ferdinand Piëch. Denn der liebt die ganz großen Pläne.

Audi? Folgt seit den 90ern einem klaren Feindbild: besser werden als BMW Börsen-Chart zeigen , der Inbegriff des sportlichen Fahrens.

Die Marke VW? Soll einen Gang höher schalten und Mercedes überholen.

Der Volkswagen-Konzern als Ganzes? Soll bis 2018 zur Nummer eins aufsteigen und Toyota Börsen-Chart zeigen hinter sich lassen.

Lkw? Es kann nur ein Ziel geben: größter und bester Hersteller der Welt zu werden.

Ferrari und Alfa? Wenn einzeln nicht zu haben, warum nicht einfach den ganzen Konzern kaufen, samt Fiat und Chrysler. Dass Daimler einst krachend an Chrysler scheiterte und der US-Hersteller ein paar Jahre später nur dank Staatshilfe an der Abwicklung vorbeischrammte? So what. Wenn der Deal nur endlich VWs Amerika-Geschäft zum Laufen bringt!

Ist es denn nie genug? Geht es Volkswagen denn so gut?

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