Donnerstag, 20. Juni 2019

Robo-Berater statt Privatbank Geld anlegen wie die Quandts - zum Kampfpreis

Gabriele Quandt: Die Quandt-Erbin hat ihr Family Office elektrifiziert. Robo-Berater bieten Anlagestrategien zum Kampfpreis und setzen Privatbanken zu. Davon können auch Privatanleger profitieren
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Gabriele Quandt: Die Quandt-Erbin hat ihr Family Office elektrifiziert. Robo-Berater bieten Anlagestrategien zum Kampfpreis und setzen Privatbanken zu. Davon können auch Privatanleger profitieren

4. Teil: Attacke auf geschwächte Gegner

Die Cyborg-Berater von Liqid geben sich selbst mit weiterentwickelten Modellen nicht zufrieden. "Unser Gewerbe hat mit Kunst zu tun", sagt Chefstratege Panse. "Nicht weil wir alle tolle Künstler sind, sondern weil sich viele Einflüsse nicht programmieren lassen." In den 80er Jahren waren Geldmenge und Zinsniveau gute Indikatoren für die Kursentwicklung, heute überdecke die Rettungspolitik der Notenbanken vieles andere. Man müsse überlegen, welche Regeln da überhaupt noch gelten, so Panse.

Viele Wissenschaftler sind ebenfalls skeptisch, ob die an Universitäten und in Banken entwickelten Risikominimierungsmodelle noch taugen. Sie gaukelten "eine Scheingenauigkeit" vor, kritisiert Thorsten Hens von der Universität Zürich, der Liqid berät. Die Resultate basierten auf Marktdaten, die sich aber ständig und schnell änderten. Sämtliche Studien legten nahe, ergänzt Philipp Doering von der Ruhr-Universität Bochum, "dass sich Renditen nicht prognostizieren lassen". Wegen der Schätzfehler seien die komplexen Ansätze nicht besser als ein simples 50:50-Depot mit Aktien und Anleihen.

Wie viele Privatbankenberater sind also auch die High-End-Robos noch verbesserungsfähig. Ihr Vorteil ist jedoch: Sie sind günstiger als die Traditionsadressen. Selbst die hochkomplexe Investmentmaschine aus dem Hause Quandt, der Liqid Select, kostet, je nach Anlagevolumen, nur bis zu 1,76 Prozent. Das ist für einen Robo-Advisor 2.0 zwar teuer, Scalable oder Whitebox verlangen rund 1 Prozent Verwaltungsgebühr, aber immer noch billiger als ein normaler Mischfonds, der zusätzlich Handels- und Depotkosten nach sich zieht. Private-Banking-Kunden zahlen insgesamt häufig Gebühren von 2 bis 3 Prozent auf das eingesetzte Kapital.

Die Onlineangreifer treffen auf einen geschwächten Gegner. Die seit der Finanzkrise verstärkte Regulierung hat den Private-Bankern schwer zugesetzt; einen Teil des Marktes haben sie schon aufgegeben. Neukunden mit weniger als eine Million Euro nehmen Berenberg, die Bethmann Bank, BHF, das Wealth Management der Commerzbank und HSBC Deutschland kaum noch an.

In eben diese Lücke stoßen die Roboter. Zumal ihnen die Technik hilft, die umfangreichen Informationspflichten leichter zu erfüllen. Was bei der Konkurrenz per Anruf mit anschließendem Gesprächsprotokoll abgewickelt wird, läuft bei ihnen per Mail.

Kein Wunder, dass die Bankhäuser versuchen, gegenzuhalten. Die UBS hat eine eigene digitale Beratungsplattform geschaffen und so die Einstiegsschwelle stark gesenkt. Das Depot UBS Advice kann online bereits ab einem Anlagevolumen von 350.000 Euro eröffnet werden. Beim Rivalen Credit Suisse (CS) hat Verwaltungsratspräsident Urs Rohner die Digitalberatung zum zentralen Vorhaben erklärt.

Das jedoch scheint schwieriger als erwartet. Projektleiter Marco Abele muss eingestehen, dass der Großteil der Investitionen "momentan noch ins Fitmachen der bestehenden Plattformen" fließe. Wie bei der Deutschen Bank sind auch bei der CS viele Systeme völlig veraltet und nicht mehr wettbewerbsfähig.

Jetzt muss sich zeigen, ob die Cyborgs stark genug sind, ihren Vorsprung zu nutzen. Von seinem Homburger Büro aus schaut Reinhard Panse in die Ferne. "Wir müssen die Vision haben", sagt er, "dass die Maschine irgendwann so gut ist, dass sie auch der Familie Harald Quandt gefällt." Die nämlich mag vorerst nicht auf die persönlichen Gespräche mit ihren Anlagekünstlern verzichten.

Hinweis: Dieser Artikel erschien in der März-Ausgabe des Manager Magazins (3/2016).

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