Mittwoch, 20. November 2019

Robo-Berater statt Privatbank Geld anlegen wie die Quandts - zum Kampfpreis

Gabriele Quandt: Die Quandt-Erbin hat ihr Family Office elektrifiziert. Robo-Berater bieten Anlagestrategien zum Kampfpreis und setzen Privatbanken zu. Davon können auch Privatanleger profitieren
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Gabriele Quandt: Die Quandt-Erbin hat ihr Family Office elektrifiziert. Robo-Berater bieten Anlagestrategien zum Kampfpreis und setzen Privatbanken zu. Davon können auch Privatanleger profitieren

3. Teil: Modellathlet mit Morningstar-Modul

Der Kunde gibt anfangs bloß die maximale Schwankung an, die er zu tragen bereit ist - den Rest übernimmt die Maschine. Sind ihr Aktien-ETFs in der gegenwärtigen Lage zu riskant, wuchtet sie das Kapital etwa in Indexfonds um, die auf Staatsanleihen setzen. Als Korsett dient ein Value-at-Risk-Modell, welches das Verlustrisiko in 95 Prozent der Fälle vorhersagen soll.

Auch wenn es nur ein Computerprogramm ist, seien die Kunden ruhiger, wenn sie wüssten, dass jemand notfalls die Bremse ziehe, sagt Podzuweit. "Unser Modell bewahrt sie vor Kurzschlussreaktionen."

Es führt aber auch zu Ergebnissen, die mehr an den Trading-Desk bei Goldman erinnern als an einen bedächtigen Vermögensverwalter. Im Januar fiel die Aktienquote auf null, selbst für einen risikofreudigen Anleger mit mehr als 15 Jahren Investmenthorizont. Wer mitten im Börsencrash ein Depot eröffnen wollte, erhielt gerade mal zwei Vorschläge: US-Staats- und Unternehmensanleihen.

"Zu diesem Zeitpunkt war das die beste Kombination, die neben Sicherheit auch Rendite versprach", verteidigt sich Co-Gründer Florian Prucker (33). In Aktien soll der Scalable-Roboter erst nach einer Beruhigung der Märkte wieder einsteigen.

Doch ein solch radikales Hin- und Hersteuern gilt als riskant. Denn selbst Experten fällt es schwer, den richtigen Zeitpunkt für einen Neueinstieg zu finden, Rendite kann verloren gehen. Deshalb lenkt Konkurrent Whitebox seine Portfolios deutlich behutsamer.

Einsatz von Value-at-Risk-Modellen

Die gegenwärtigen Verwerfungen würden sich langfristig "nicht groß auswirken", sagt Birte Rothkopf (40). Die ehemalige Unternehmensberaterin hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Salome Preiswerk (39) aus Basel Whitebox gegründet. Ebenfalls als Investor und im Führungsteam dabei: Andreas Sarasin (60), Spross des Schweizer Privatbankierclans. Die Bank Sarasin hatte er bereits 2007 verlassen, nach dem Verkauf durch die Familie und rechtzeitig bevor Bruder Eric mit Cum-Ex-Geschäften den Ruf des Geldhauses ramponierte.

Kaum hatten die beiden Ex-Consultants ihre ersten Kundengelder eingesammelt und den Dachboden einer ehemaligen Textilfabrik bezogen, mussten sie auf die Kursverluste der gerade aufgebauten Aktienpositionen reagieren. Sie taten - gar nichts. Sowohl Sarasin als auch die Investmentstrategen von Morningstar, mit denen Whitebox kooperiert, rieten dazu, kühlen Kopf zu bewahren. Mit Dan Kemp, dem Chefstrategen für Europa, und seinem leitenden Portfoliomanager Robin Johnson telefonieren die Gründerinnen regelmäßig. Von Morningstar in London kämen "Vorschläge, auch für Investmentprodukte", sagt Preiswerk, "aber die endgültige Entscheidung liegt bei uns".

Wie Scalable vertraut auch Whitebox auf datengetriebene Finanzmodelle, beide arbeiten mit einem Value-at-Risk-Modell, um den maximalen Verlust zu berechnen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Allerdings verwenden die zwei Analytikerinnen aus Weil am Rhein eine ausgeklügeltere Variante ("conditional value at risk"), die zusätzlich den Höchstverlust abschätzt, für den seltenen Fall eines schweren Börsenbebens.

Die Blindheit für Crashs wie 2000 oder 2008 gilt unter Ökonomen als größter Schwachpunkt herkömmlicher Modelle, sie zieht bei Anlegern immer wieder enorme Verluste nach sich.

© manager magazin 3/2016
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