Donnerstag, 22. August 2019

Vatikanbank Die Kirche und das Geld

Vatikanbank: Wie die Vatikanbank arbeitet
DPA

In Deutschland steht der Limburger Bischof Tebartz-van Elst in der Kritik. Im Vatikan soll derweil der deutsche Finanzexperte Ernst von Freyberg das skandalumwitterte Geldinstitut der Päpste sanieren. Ein Himmelfahrtskommando.

Hamburg/Vatikan - Wie ein Schrein thront das wuchtige Holzbett vor der weiß getünchten Wand. Grelles Neonlicht und der auf Hochglanz polierte dunkle Parkettboden lassen das karg ausgestattete Zimmer noch kühler wirken. Ein Raum wie eine Klosterzelle: Wer hier ruhig schlafen will, sollte auf weltliche Freuden keinen großen Wert legen.

Seit acht Monaten sind die "Suiten" der Santa Marta das Zuhause von Ernst von Freyberg (54). Drei Tage die Woche logiert der neue Chef der Vatikanbank im Gästehaus des Kirchenstaats. Er kämpft sich durchs Frühstücksbuffet, das sich an dem eines Ibis-Hotels zu orientieren scheint. Bisweilen isst er hier auch zu Mittag, obwohl die Küche der Marta im Vatikan berüchtigt ist für ihre Mittelmäßigkeit.

Ernst Conrad Rudolf Freiherr von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen, Schlossbesitzer, Ritter des Malteserordens, millionenschwerer Investmentbanker und Aufsichtsratschef der Hamburger Werft Blohm + Voss, nimmt das hin. Er will die Berufung in das Epizentrum der katholischen Kirche akzeptieren, mit allem, was dazugehört. Schließlich wohnt auch Papst Franziskus in einem der schlichten Apartments der Heiligen Marta - ein Umstand, der die Wellen der Empörung um die Luxusresidenz des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst in Deutschland umso höher schlagen lässt.

Im Gegensatz dazu begnügt sich von Freyberg mit einer schlichten, einfachen Unterkunft - denn seine Aufgabe ist schon groß und schwierig genug. Der schwäbische Edelmann soll aus dem Geldhaus der Kurie, der Vatikanbank, ein ordentliches Finanzinstitut formen, das allen internationalen Anforderungen in Sachen Transparenz und Ethik genügt.

Kirche und Geld - seit Jahrhunderten ein heikles Thema

Kein einfacher Job, das war von vornherein klar. Das "Institut für die religiösen Werke" (Istituto per le Opere di Religione, IOR) ist ebenso geheimnisumwittert wie skandalträchtig. Jahrelange Verbindungen zur Mafia, zahllose Geldwäscheaffären und eine Reihe ungeklärter Todesfälle haben den Ruf der päpstlichen Bankiers gründlich ruiniert.

Wie tief der Sumpf an Korruption und Affären aber bis heute reicht, damit hatte wohl auch von Freyberg nicht gerechnet. Erst Ende Juni dieses Jahres wurde ein Chefbuchhalter des Vatikans wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Betrug festgenommen. Der Generaldirektor des IOR und sein Vize mussten daraufhin zurücktreten, beide hatten die dubiosen Deals des Monsignore offenbar über einen längeren Zeitraum hinweg geduldet.

Seither führt von Freyberg die Geschäfte des angeschlagenen Instituts quasi im Alleingang. Ob er in dieser extrem heiklen Phase die nötige Rückendeckung der Kurie hat, weiß er schlichtweg nicht. Der deutsche Bankchef ist ein Mann von Papst Benedikt; ein Vertrauensverhältnis zu dessen Nachfolger hat er nicht.

Stattdessen schlägt dem Investmentbanker Feindseligkeit entgegen. Seit Wochen versuchen ihn die Gegner seines Reformkurses mit gezielten Gerüchten und Indiskretionen aus dem Amt zu drängen. Da sei ein orchestrierter Insiderjob gegen ihn am Werk, klagte der Baron bereits in kleinem Kreis.

© manager magazin 8/2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung