Samstag, 21. September 2019

USA American Dreamer

US-Wirtschaftsboom: Ein Cocktail ungesunder Zutaten
Corbis

Die US-Wirtschaft boomt, doch viele Amerikaner bekommen davon nichts ab. Dem Aufschwung fehlt ein solider Unterbau, er ist ein Mix aus höchst ungesunden Zutaten. Erleben die USA nur eine kurze Scheinblüte?

In einem Hollywood-Film wäre Robert "Bobby" M. Hitt III wohl die Idealbesetzung für die Rolle eines Generals der Konföderierten-Armee. Groß, stämmig, Vollbart, das blonde, etwas längere Haar lässig zur Seite gekämmt. Der Mann hat etwas Kriegerisches an sich.

Hitt ist Wirtschaftsminister des US-Bundesstaates South Carolina, und in der Art, wie er dieses Amt interpretiert, liegt auch etwas von einem Feldherrn. Der einst von Baumwollplantagen und Textilfabriken geprägte amerikanische Süden, sagt Hitt, habe lange genug zugeschaut, wie Unternehmen und Arbeitsplätze Richtung Asien verschwunden seien. Seine Aufgabe sei es nun, der Wirtschaft seines Landes wieder Kraft zu verleihen.

Dabei ist er nicht zimperlich. Konzernen wie BMW Börsen-Chart zeigen, Michelin Börsen-Chart zeigen oder Boeing Börsen-Chart zeigen, die sich für South Carolina als Standort entscheiden, bietet Hitt nicht nur umfangreiche Steuernachlässe an. Den Boden, auf dem sie ihre Fabriken errichten, erhalten sie nahezu gratis, die eigene Abfahrt vom Highway und den Zubringer gibt's obendrauf. Und billige Arbeitskräfte, beteuert Hitt, die seien ohnehin reichlich vorhanden in South Carolina.

Und was ist mit den Gewerkschaften? Der Minister zieht die Mundwinkel zur Andeutung eines Lächelns hoch und lässt sie dann abrupt wieder sinken. "Die spielen bei uns im Süden keine große Rolle." Die Arbeitnehmer South Carolinas seien so gut wie gar nicht gewerkschaftlich organisiert, vor schnell steigenden Löhnen müsse man sich nicht fürchten.

Arbeitskosten und Energie zum Discountpreis

Willkommen in Amerika im Jahr fünf nach der großen Rezession. Die Nation erlebt einen Aufschwung, wie ihn selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kaum jemand für möglich gehalten hätte nach dem ökonomischen Urknall, den die Lehman-Pleite ausgelöst hatte. Um fast 5 Prozent hat die Wirtschaft im letzten Quartal zugelegt. Die Arbeitslosenquote ist unter 6 Prozent gesunken, so tief wie vor der Jahrhundertkrise.

Niedrige Arbeitskosten und Energie zum Discountpreis locken ganze Wirtschaftszweige in die USA: Chemiekonzerne, Autohersteller und Maschinenbauer aus aller Welt weiten ihre Produktionskapazitäten massiv aus. Mit dabei die Global Player aus dem Dax Börsen-Chart zeigen . Das umweltpolitisch umstrittene Fracking macht die Energie so billig, dass viele bei Investitionsentscheidungen kaum anders können, als nach Amerika auszuwandern.

Doch das vermeintliche Wirtschaftswunder ist teuer erkauft - bezahlt von Millionen von Amerikanern, deren Lebensverhältnisse sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert, sondern verschlechtert haben. Es ist ein ungesunder Aufschwung, der sich auf wenige kapitalintensive Industrien konzentriert.

© manager magazin 11/2014
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