Sonntag, 25. August 2019

US-Fahrdienst Obama-Vertrauter soll Taxi-Angreifer Uber schön reden

Kommunikationsberater David Plouffe: Der 47-jährige Vertraute von US-Präsident Barack Obama wird sich künftig um den US-Fahrdienst Uber kümmern

Das mit Geld überschüttete Start-up Uber holt sich einen prominenten Spin-Doctor. Der Fahrdienst stellte den früheren Obama-Berater David Plouffe als neuen Kampagnenmanager vor. Das US-Unternehmen reagiert damit auf den weltweit schwierigen Kampf durch die Institutionen.

Hamburg - Der Chef des umstrittenen US-Fahrdienstes Uber spricht meistens so, wie es ihm gerade durch den Kopf rauscht. Das ist mitunter amüsant, aber gelegentlich eben auch kontrovers. Wenn man es freundlich, nüchtern und knapp ausdrücken will: Travis Kalanick pflegt keine diplomatischen Worte. Das ist natürlich ein Problem, wenn man als aufstrebendes Startup nicht weniger als die Welt erobern will.

Ein Beispiel: Als Kalanick im Dezember 2013 in Paris auf einer Internetkonferenz Rede und Antwort stand, bot ihm der Moderator an, dass er auch mit zwei Ministern reden könne. In Paris lief es gerade für Uber nicht so doll. Es gab Gesetzesvorlagen, die den US-Fahrdienst ausbremsen sollten. Kalanick lehnte dankend das Angebot ab, verzog etwas angewidert das Gesicht und sagte: "Das ist reine Zeitverschwendung."

Bei dieser Art von Überheblichkeit ist es vielleicht ganz gut, dass sich Kalanick nun mit David Plouffe einen Mann ins Unternehmen holt, der die Klaviatur der politischen Kommunikation bestens bedienen kann. Ab September wird der frühere Berater und Kampagnenmanager von US-Präsident Barack Obama Ubers Kampf durch die Institutionen steuern.

"Ich bin eher Techie und Unternehmer. Zu verstehen, wie Politik und Kampagnen funktionieren, das ist ein neues Territorium", sagte Kalanick in einem Interview mit der New York Times. "Wir brauchten jemanden für die politische und strategische Seite, der aber auch gleichsam ein Datenbesessener ist."

Expansion stößt auf Widerstände

Genauso verhalf Plouffe Obama 2008 ins höchste Amt der Vereinigten Staaten. Er sammelte für Obamas erste Kampagne Unmengen an Daten und nutzte jede moderne Kommunikationstechnik, um die Botschaften des damaligen Kandidaten vor allem an junge Wähler zu senden. Plouffe war zudem von 2011 bis 2013 im Weißen Haus an Obamas Seite und blieb auch nach seinem Abschied einer seiner engsten Vertrauten.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Internet-Unternehmen wie Uber ehemalige Politiker oder prominente Politikberater ins Unternehmen holen. Viele Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley haben mittlerweile verstanden, dass sie Politiker und Gesetze nicht länger ignorieren können und haben deshalb ihre Lobby-Bemühungen in den Hauptstädten intensiviert.

Im Lobby-Ranking jener Unternehmen, die etwa in Washington den stärksten Einfluss ersuchen, war der Internetkonzern Google Börsen-Chart zeigen nach US-Industriekonzern General Electric Börsen-Chart zeigen zuletzt die Nummer zwei.

Uber, gerade einmal fünf Jahre alt, kämpft mittlerweile an so vielen Fronten, dass es Kalanicks Aussagen zufolge mehr als 50 Anwaltskanzleien weltweit beauftragt hat, die Expansion des US-Fahrdienstes zu ermöglichen. In Berlin hatte beispielsweise das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten eine Unterlassungsverfügung erwirkt, der Uber aber per Eilantrag erfolgreich wiedersprechen konnte. Die Senatsverwaltung sorgt sich um die Sicherheit der Fahrgäste. Noch darf das Unternehmen in der Hauptstadt also weiterfahren.

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