Freitag, 24. Mai 2019

Fußball-Rekordmeister muss zum Global Player werden Wer san mia? - Der FC Bayern im Umbruch

Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"
Bernd Ducke/Allianz Arena
Allianz Arena in München: "Edmund, wir brauchen ein neues Stadion"

4. Teil: "Nicht durch hohe Ticketpreise neue Spieler finanzieren"

Ein Grund für das Ungleichgewicht: Anders als bislang in Spanien werden die TV-Rechte in Deutschland zentral vermarktet. Alles fließt in einen Topf und wird fast gleichmäßig unter den Klubs verteilt - zum Nachteil der Weltmarke FC Bayern: Würde der Klub seine Rechte selbst vermarkten, kalkuliert Rummenigge, könnte er mit 200 Millionen Euro glatt das Vierfache erzielen.

Sein Vorschlag: "Wenn die zentrale Vermarktung nicht die erhofften Einnahmen und Zuwächse erbringt, sollte man es mit einem neuen Vergabeprinzip versuchen." Alle Bundesligavereine, so die Idee, könnten ihre TV-Einnahmen künftig eigenständig aushandeln.

Damit kleinere Klubs auch weiterhin nicht zu kurz kommen, schlägt Rummenigge einen Solidartopf vor, in den die Großen etwa 50 Prozent ihrer Erlöse einzahlen. "Mit diesem Modell könnte sich die Bundesliga besser stellen - inklusive der kleineren Vereine", glaubt Rummenigge. Bayern München hofft dabei auf Unterstützung des Bundeskartellamts.

Rummenigge stört, dass der Pay-TV-Anbieter Sky einen Großteil der Bundesligarechte hält. Er möchte, dass sie stärker verteilt werden, auf mehrere Anbieter: "Das Monopol von Sky führt offensichtlich dazu, dass sich die Preise in Deutschland nicht nachhaltig bewegen."

In Großbritannien hingegen buhlen mit British Telecom und BSkyB gleich zwei große Wettbewerber um die Rechte - und treiben so die Preise hoch. Während Rummenigge noch protestiert, hat die Premier League bei den TV-Geldern sogar nachgelegt: Ab 2016 erhalten die englischen Klubs pro Saison 2,3 Milliarden Euro. Die Bundesliga hofft auf eine Milliarde Euro - ab 2017.

Die teuersten Spielertransfers der vergangenen Jahre (Auswahl)
Was die Konkurrenz ausgibt ...

94 Mio. Euro
Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

91 Mio. Euro
Gareth Bale (Real Madrid)

86 Mio. Euro
Neymar (FC Barcelona, u. l.)

80 Mio. Euro
James Rodríguez (Real Madrid)

75 Mio. Euro
Luis Suárez (FC Barcelona)

75 Mio. Euro
Ángel Di María (Manchester United)

64 Mio. Euro
Edinson Cavani (Paris Saint-Germain)

62 Mio. Euro
Raheem Sterling (Manchester City)

55 Mio. Euro
Hulk (Zenit St. Petersburg)

50 Mio. Euro
Mesut Özil (FC Arsenal)

... und was die Bayern sich leisten

40 Mio. Euro
Javi Martínez

37 Mio. Euro
Mario Götze

35 Mio. Euro
Arturo Vidal

30 Mio. Euro
Douglas Costa

Bei den Ticketpreisen sind die Engländer ebenfalls im Vorteil. Die Eintrittsgelder für ihre Stadien liegen um 30 Prozent höher als in der Bundesliga. Der FC Bayern könnte mehr verlangen, hadert aber damit. "Es ist nicht unsere Philosophie, durch möglichst hohe Ticketpreise neue Spieler zu finanzieren", sagt Marketingvorstand Jung. Die günstigste Stehplatzdauerkarte kostet 140 Euro, die Bayern wollen ihr Image des volksnahen Erfolgsklubs wahren.

Um zusätzliches Kapital zu heben, könnte die FC Bayern München AG neben Adidas, der Allianz und Audi weitere Gesellschafter in den Eignerkreis holen. Das Trio hält bislang 25 Prozent. Es gilt jedoch eine - vom Verein auferlegte - Obergrenze von 30 Prozent. Um die Grenze anzuheben, müsste der Verein mit einer Dreiviertelmehrheit zustimmen. Das indes kommt für Rummenigge derzeit nicht infrage.

Bleiben als Quellen für Mehreinnahmen nur noch Merchandising und Sponsoring.

Beim Merchandising, also dem Verkauf von allerlei nützlichen und unnützen Utensilien mit dem FC-Bayern-Logo (jährliche Einnahmen derzeit: 100 Millionen Euro), sieht Jung im Ausland "noch viel Potenzial". Von dort stammen bisher weniger als 10 Prozent des Absatzes. Vor allem Trikots, neben Schals und Kappen die Bestseller, könnten deutlich besser laufen. Manchester United verkauft etwa zwei Millionen Trikots, Bayern bisher 1,3 Millionen.

Die Abteilung Sponsoring (120 Millionen Euro Umsatz) hat ebenfalls den Befehl bekommen anzugreifen. Vier Hauptpartner hat der Klub derzeit: die Telekom als Trikotsponsor sowie die drei bayerischen Anteilseigner Adidas, Allianz und Audi. Hinzu kommen acht sogenannte Platin-Partner - sieben sind Firmen aus Deutschland, nur eine ausländische ist dabei, der Solarmodulhersteller Yingli aus China. Viel mehr Heimatverbundenheit geht kaum.

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