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Uber: Die heißeste Wette des Silicon Valley

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Uber: neuer CEO, neue Investoren Wie die Bad Boys des Silicon Valley den Neustart versuchen

Kann der neue CEO Dara Khosrowshahi die wildeste Wette des Silicon Valleys retten?

Ende Dezember 2017 zurren neue Investoren unter Führung von Softbank und deren Chef Masayoshi Son ihren Einstieg beim Mobilitäts-Dienstleister Uber fest - zu einem satten Rabatt. Zuvor schon hatte die heißeste Wette des Silicon Valley den CEO ausgetauscht. Wie Dara Khosrowshahi Uber retten will, hat das manager magazin in seiner Dezember-Ausgabe 2017 beschrieben, die Ende November erschien. Wir veröffentlichen die Geschichte hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

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In diese Firmen pumpt Masayoshi Son Geld: Vom mobilen Bezahlen bis zum Vertical Farming

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Travis Kalanick (41) hat Tränen in den Augen. Er spricht noch einmal über "das Projekt, mit dem wir die Regeln verändert und das wir Uber genannt haben", über "ein altes Kapitel", das "heute endet". Und er stellt "einen neuen, inspirierenden Chef" vor: "Er heißt Dara."

Neben Kalanick steht sein Nachfolger: Dara Khosrowshahi (48), schwarzes Sakko, darunter ein schwarzes T-Shirt mit weißem Uber-Logo auf der Brust. Kalanick trägt einen schlichten schwarzen Pulli. Er braucht kein textiles Bekenntnis. Er ist Uber. Besser gesagt: Er war es.

Travis Kalanick ist mit der Idee gestartet, aus einer simplen App eine globale Taxizentrale zu machen. Er hat 2009 Uber gegründet und seine Idee zur Vision eines Amazons für die Mobilität weiterentwickelt. Irgendwann, so sein Traum, sollten Millionen Robotaxis und -drohnen für Uber Menschen, Nahrungsmittel und andere Güter transportieren. Investoren glaubten daran. Mit 69 Milliarden Dollar bewerteten sie Kalanicks Start-up Ende 2016.

In diesem Jahr wird Uber Fahrten im Wert von etwa 35 Milliarden Dollar vermitteln, rund 7 Milliarden Dollar an Provisionen kassieren und trotzdem 2,5 Milliarden Dollar Verlust schreiben.

Uber ist extrem in jeder Hinsicht, positiv wie negativ. Zuletzt drohte das Negative alles zu zerstören. Deshalb soll nun Dara Khosrowshahi, ein ehemaliger Investmentbanker und seit 2005 Chef der Reiseplattform Expedia , das meistgehypte Unternehmen des Silicon Valleys retten. Um den Investoren einen gewinnträchtigen Exit zu sichern, muss Khosrowshahi aus dem "harten Streetfighter Uber" (ein Kalanick-Intimus) einen Good Corporate Citizen machen.

Es geht nicht allein darum, ein paar Kennzahlen zu optimieren. Es reicht nicht, das Geschäftsmodell anzupassen. Aus Böse soll Gut werden. Eigentlich braucht Uber keinen CEO, sondern einen Wunderheiler.

Ist Dara Khosrowshahi dafür der Richtige? Das System Kalanick ist jedenfalls am Ende. "Hinter uns liegen Monate, wie sie noch kein amerikanisches Unternehmen erlebt hat", sagt einer seiner Vertrauten.

Alles beginnt an einem Sonntagnachmittag im Februar. Um 14.38 Uhr (Ortszeit) taucht im Internet ein Bericht über ein "sehr, sehr merkwürdiges Jahr" bei Uber auf. Susan Fowler hat ihn verfasst. Lapidar erklärt die ehemalige Uber-Entwicklerin, sie habe über das Wochenende mal aufgeschrieben, wieso sie Uber verlassen habe. Und dann schildert Fowler sexuelle Belästigungen durch Vorgesetzte, ermöglicht durch ein testosterongesteuertes System, in dem die Personalabteilung das Verhalten der Uber-Machos toleriert.

Nicht mal vier Tage später beschuldigt der Techkonzern Alphabet  (früher Google ) Uber in einer Milliardenklage, Technologie für selbstfahrende Autos gestohlen zu haben. Und im Internet taucht ein Video auf, in dem Kalanick, auf dem Rücksitz eingezwängt zwischen zwei Frauen, einen unzufriedenen Uber-Fahrer beschimpft.

Chaostage in San Francisco

In der Zentrale herrscht Chaos während dieser Februartage, Kalanick und andere Topleute wähnen sich einer konzertierten Google-Attacke ausgesetzt. Über Stunden suchen sie mit Anwälten nach einer Abwehrstrategie. Noch haben sie nicht begriffen, dass sie selbst das Problem sind.

"Das war ein Erdbeben", sagt ein Uber-Topmann. Zwei Dutzend Führungskräfte verlassen die Firma, teils freiwillig, teils weil sie müssen. Deutschland-Chef Christoph Weigler (34; und noch da) erinnert sich, in jenen Tagen sei ihm klar geworden, dass sich Uber grundlegend ändern müsse.

Andere hatten das schon früher begriffen. Vor über zwei Jahren, als Kalanick Finanzspritzen organisierte, erst Hunderte Millionen und bald Milliarden Dollar eintrieb, warnte Ubers wichtigster Investor Benchmark öffentlich, solche Runden könnten "perverse Auswirkungen auf die Betriebsdisziplin" eines unausgereiften Privatunternehmens haben.

Das Gegengift sah Benchmark-Partner Bill Gurley (51) schon damals in einem Börsengang. Mit elf Millionen Dollar hatte sich Benchmark im Februar 2011 an Ubers erster echter Finanzierungsrunde beteiligt. Anfang 2017 war der Anteil über sieben Milliarden Dollar wert - und Gurley sorgte sich, Kalanick könnte das lukrativste Investment seines Lebens vernichten.

Der CEO und Mitinhaber (10 Prozent) wollte sich jedoch nicht beugen. Noch im vergangenen Jahr tönte er während eines Dinners, er werde einem Börsengang erst zustimmen, "wenn die Mitarbeiter mit Mistgabeln vor meinem Büro stehen". Er fürchtete: Die mit einem Listing einhergehende Governance könnte Uber in Ketten legen und das Wachstum eindämmen.

Andere einflussreiche Valley-Investoren konnte Gurley erst auf seine Seite ziehen, als im Februar die Skandalserie begann: First Round Capital, Lowercase Capital, Menlo Ventures und Fidelity Investments stützten jetzt seinen Kurs. Mit ihren Unterschriften bewaffnet, flogen im Juni zwei Benchmark-Partner zu Kalanick nach Chicago.

Der wollte dort in einem Hotelzimmer Interviews mit potenziellen neuen Führungskräften führen. Stattdessen sah er sich mit einem Ultimatum konfrontiert: Benchmark und die anderen Investoren verlangten seinen sofortigen Rücktritt. Sonst, so die Drohung, würden sie sich öffentlich gegen Kalanick stellen.

Die Rebellion traf Kalanick zu einem Zeitpunkt, als er maximal geschwächt war. Er hatte im Monat zuvor seine Mutter verloren, sein Vater lag schwer verletzt im Krankenhaus. Kalanick lenkte ein.

Sein Nachfolger tat gleich an seinem ersten Arbeitstag etwas, das Travis Kalanick ganz sicher nicht gemacht hätte. Er entschuldigte sich. Eine Kundin hatte sich beschwert, weil ein Callcentermitarbeiter sie als "Bitch" beschimpft hatte. Khosrowshahi rief sie an. Das werde nicht mehr vorkommen, gelobte er. Es war vor allem ein Signal nach innen.

Khosrowshahi ist der Anti-Kalanick, daran lässt er keinen Zweifel. In seiner Antrittsrede verkündete er den Mitarbeitern sein zentrales Ziel: Uber soll an die Börse, möglichst binnen 18 Monaten.

Auch seine erste Dienstreise symbolisiert das neue Uber. Er flog nach London. Die Transportbehörde will Uber wegen Unregelmäßigkeiten die Lizenz nicht verlängern. Es wäre eine Katastrophe: London gehört für Uber zu den umsatzstärksten Städten, das Geschäft dort ist profitabel.

"Es ist sehr kostspielig, einen schlechten Ruf zu haben", bemerkte Khosrowshahi. Er bat um Verzeihung bei der Behörde, hörte sich ihre Argumente an und gestand ein, dass ihre Forderungen berechtigt seien. "Kalanick hätte vor allem auf sein Recht gepocht", sagt einer seiner Wegbegleiter.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat Khosrowshahi eine Neufassung der Uber-Werte veranlasst. Die alten seien als Entschuldigung benutzt worden, um sich "wie ein Arschloch" zu verhalten, erklärte er bei der Vorstellung. Seitdem soll als oberste Regel gelten, "das Richtige" zu tun.

Die neue Demut ist nötig. Ein halbes Dutzend staatliche Ermittlungsverfahren laufen gegen Uber, plus Dutzende Klagen.

Der Gründer habe es mit seiner Art fertiggebracht, ein Produkt zu schaffen, das die Leute wie verrückt nutzen, obwohl sie das Unternehmen dahinter verachten, analysiert eine Führungskraft nüchtern. Kalanick habe Uber sogar unnötig Gegner geschaffen, sagt Hadi Partovi (45), Khosrowshahis Cousin und früher Uber-Investor. "Dara ist das Gegenteil, er ist ein brillanter Diplomat." Besonnen sei er, Argumenten stets zugänglich, sagt Rolf Schrömgens, CEO von Trivago. Khosrowshahi hatte die Reiseplattform erst der Expedia-Gruppe einverleibt und sie später an die Börse gebracht.

Khosrowshahis Familie ist in der Techszene bestens vernetzt. Seine Cousins arbeiten in führenden Positionen bei Google und Intel , gleich mehrere sind wie Partovi Techinvestoren und an Uber beteiligt.

Anders als Kalanick, der zum wichtigsten Treffen der Techelite im Sun Valley zuletzt nicht eingeladen wurde, ist Dara Khosrowshahi stets dabei. Einer seiner Brüder ist Managing Director bei Allen & Co. Die Investmentbank organisiert die Zusammenkunft.

Dara kam 1978 im Alter von neun in die USA. Seine Familie war vor der Iranischen Revolution geflohen. Das von seinem Großvater aufgebaute Unternehmen wurde verstaatlicht. Der Ehrgeiz blieb. Daras Mutter reservierte eine ganze Wand in ihrem Haus in Tarrytown, New York, für die Urkunden ihrer Kinder. Dara, so die Legende, brachte die meisten nach Hause. Und machte schnell Karriere.

Dara ist ein sehr teurer CEO

Wie sein Bruder arbeitete er zunächst als Investmentbanker bei Allen & Co. und fand sich bald im Zentrum einer Übernahmeschlacht wieder: Die Medienkonzerne QVC und Viacom kämpften um Paramount. Khosrowshahi kalkulierte die Attacke für QVC-Eigner Barry Diller. Der holt ihn dann 1998 zur Expedia-Mutter IAC, macht ihn später zum Finanzvorstand und 2005 zum Expedia-CEO.

Khosrowshahi vervierfachte in seiner Amtszeit den Umsatz auf rund neun Milliarden Dollar, er versechsfachte den Aktienkurs, und zur Belohnung erhielt er vor zwei Jahren ein Aktienpaket im Wert von 90,8 Millionen Dollar. Es machte ihn 2015 zum bestbezahlten Boss Amerikas.

Als ihn Spotify-CEO Daniel Ek (34) im Sommer bei Uber-Investoren als Kalanick-Alternative ins Spiel brachte, reagierte Khosrowshahi zunächst nicht. Bis Ek ihn bei der Sun-Valley-Konferenz beiseitenahm: "Willst du glücklich sein, oder willst du die Welt verändern?", sei Eks Pitch gewesen, erzählt Khosrowshahi später dem Uber-Team. "Am nächsten Tag habe ich den Headhunter zurückgerufen."

Dara ist Uber viel Geld wert. Die Firma übernimmt die ausstehenden Aktienoptionen für 185 Millionen Dollar, die er beim Verbleib bei Expedia bekommen hätte. Dafür bekommen die Investoren einen vorzeigbaren CEO, der auch die harte Gangart beherrscht. Unter seiner Führung wurde Expedia berüchtigt für die Praxis, Bilder von Hotels von der Plattform zu löschen, die auf ihrer eigenen Website günstigere Preise anbieten. Die Botschaft: Schönes Hotel haben Sie da, wäre doch schade, wenn es niemand mehr bucht.

Khosrowshahi sei "ultrakompetitiv", sagt Erik Blachford, Investor und früher selbst Expedia-Chef.

Sein Revier hat der neue CEO bei Uber schnell markiert. Als Erstes hat er Kalanicks Entmachtung besiegelt. Der Gründer hatte bislang Sonderstimmrechte im Aufsichtsrat; noch Ende September versuchte er, seinen Einfluss durch die eigenmächtige Berufung zweier zusätzlicher Boardmitglieder zu wahren. Khosrowshahi gewann den Machtkampf, die Investoren segneten seine gemeinsam mit Goldman Sachs eingebrachte Reform ab. Im auf 17 Mitglieder erweiterten Aufsichtsrat ist Kalanick nur noch einer von vielen.

Intern hat der Neue längst klargemacht, in welche Richtung er das Start-up lenken will. Die zwei wichtigsten Vorgaben: Bis zum Börsengang soll Uber im Kerngeschäft Geld verdienen und zugleich weiter stark wachsen.

Nur wenn das Unternehmen beide Bedingungen erfüllt, kann es seine spektakuläre Bewertung ungefähr halten. Das Ziel wird umso schwerer, je gnadenloser die Konkurrenten die Schwäche des Marktführers ausnutzen. Lokale Rivalen in Südostasien und Indien haben sich mit Milliarden aufgepumpt, in den USA hat sich Hauptwettbewerber Lyft ausgerechnet mit Google verbündet.

Er möge eigentlich keine Kriegsmetaphern, sagte Khosrowshahi seinen Leuten im ersten Meeting. "Aber wir befinden uns im Kampf." Es sei an der Zeit, "die Rechnungen zu bezahlen". Seither ist von der richtigen Balance zwischen Investitionen und Wachstum die Rede.

Das gilt auch für die Globalisierungsstrategie. In Russland etwa hatte sich Uber unter Kalanick einen jahrelangen Preiskampf mit Marktführer Yandex geliefert. Etwa 170 Millionen Dollar soll der Konzern dort verloren haben, bis er Mitte Juli einem Milliardenpakt zustimmte. Nun gehören Uber 36,6 Prozent an einem gemeinsamen Joint Venture.

Ähnliche Deals könnte Khosrowshahi in Indien und anderen asiatischen Ländern schließen, erwarten Investoren. In China hatte bereits Kalanick seine Expansionsgelüste gegen einen 17,7-Prozent-Anteil an Marktführer Didi Chuxing eingetauscht.

Der geplante Einstieg des Techfonds von SoftBank spricht dafür, dass Kooperationen zunehmen werden. Bisher finanzieren die Japaner eine Art Anti-Uber-Allianz. In Südostasien hat SoftBank Milliarden in den Mobilitätsdienst Grab investiert, in Indien ist der Techriese an Ola beteiligt.

Vieles spricht für Zusammenarbeit, weil Monopole weltweit Stadt für Stadt teuer erobert werden müssen. Da die meisten Fahrten von Anwohnern gebucht werden, überträgt sich der Vorteil des Marktführers - anders als bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Marktplätzen wie Amazon  - kaum auf eine andere Stadt.

Konkurrenten attackieren

Auch in den USA sind die Attacken aggressiver, Fahrer wie Kunden untreuer geworden. Das Geschäft mit den Mobilitätsdiensten erinnert zunehmend an jenes der Fluglinien, das von geringen Gewinnen, miesen Bewertungen und andauernden Konkurrenzkämpfen geprägt ist.

Vor allem Lyft wird stärker. Der kleinere Rivale hatte bereits vor Ubers Krise Marktanteile hinzugewonnen. Seit den Skandalen beschleunigt sich die Aufholjagd. In Städten wie Oakland und Portland soll Lyft inzwischen auf einen Marktanteil von fast 50 Prozent kommen.

2016 hatte schon der Autokonzern GM 500 Millionen Dollar in den Uber-Rivalen investiert, jetzt stieg auch Googles Venture-Arm ein. Auf Anweisung von Larry Page (44) persönlich, heißt es im Valley. Waymo kooperiert mit Lyft beim Ausrollen von Robotaxis; die ersten kurven schon ohne Fahrer durch Phoenix.

Khosrowshahi kann nur sehr lose Partnerschaften mit den Autoherstellern Daimler  und Volvo  vorweisen. Das für 680 Millionen Dollar gekaufte und von Google-Entwicklern gegründete Start-up Otto, das derzeit im Zentrum eines gewaltigen Rechtsstreits steht, hat seine Schlüsselingenieure und damit das Know-how längst wieder verloren. Auch hier bleibt Khosrowshahi nur ein Strategieschwenk.

Der neue Boss habe die Investitionen für das autonome Fahren bereits gedeckelt, verlautet aus dem Unternehmen. Von Milliardenausgaben mit nebulösen Returns halte er gar nichts. Statt weiter alles selbst zu entwickeln, dürfte Khosrowshahi künftig auf Kooperationen mit anderen Techunternehmen und Autoherstellern setzen. Mit GM laufen bereits Verhandlungen; CEO Mary Barra (55) liegt gerade mit ihrem bisherigen Partner Lyft über Kreuz.

Ein Investor vermutet, dass Uber sich bei Robotaxis als Plattform positionieren wird und anderen Anbietern den Zugang zu seinen Dutzenden Millionen Kunden ermöglicht.

Ganz auf das autonome Fahren verzichten kann auch der neue Uber-Chef nicht. Seine Börsenstory muss glaubhaft machen, dass Ubers Markt weit größer ist als das klassische Fahrgeschäft. "Das Taxibusiness hat Ubers gigantische Bewertung nie gerechtfertigt", räumt ein Manager ein.

Kalanick hatte es verstanden, Uber immer wieder neu zu positionieren und aufzuladen. Den Investoren verkaufte er sein Mega-Start-up als "Amazon für den Verkehr", als eine Art On-Demand-Betriebssystem für alles, was bewegt werden muss: Wer Menschen von A nach B bringe, könne alles von A nach B bringen, wiederholten Kalanick und seine Getreuen unaufhörlich.

"Uber for Everything" nannte Kalanick die Abteilung, die diesen Anspruch untermauern sollte. Sie schuf UberRush, einen Kurierdienst, UberFreight, einen Marktplatz für Spediteure, und UberEats, einen Bringdienst für Restaurantbestellungen. Das Problem an der schönen Story vom Mobilitäts-Amazon: Abgesehen vom Essen auf Rädern funktionieren die neuen Einheiten bislang nicht recht. Khosrowshahi muss auch dort aufräumen.

Viel Zeit dazu hat er nicht, wenn er tatsächlich, wie verheißen, ab Frühjahr 2019 an die Börse will.

Von 100 Milliarden Dollar als Startbewertung träumen sie schon wieder im Unternehmen. Damit aber eilen die Hoffnungsfrohen der Realität weit voraus. Bis Mitte November hatte Uber nicht mal einen Finanzchef, der das Unternehmen auf einen Börsengang ausrichten könnte. Kalanick ließ die Stelle zwei Jahre lang unbesetzt. Schlimmer noch: Ubers Bewertung wird wohl zunächst einbrechen. Der Wagniskapitalfonds von SoftBank will zwar gut eine Milliarde Dollar zur alten 69-Milliarden-Bewertung einschießen. Aber Altaktionären kauft er die Anteile nur mit einem heftigen Abschlag ab.

Dara Khosrowshahis 100-Milliarden-Dollar-Mission, so viel ist klar, wird mit einem Discount starten.

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