Mittwoch, 23. Oktober 2019

Trend-Investing So investieren Sie in "Big Data" (mit allen Risiken)

Trend-Investing: Big Data Rush
DPA

Unternehmen, die Daten speichern, sezieren, mit Intelligenz aufladen oder schützen, sind an der Börse schwer angesagt. Mit dem richtigen Mix aus Tech-Perlen, Hidden Champions und Newcomern können Anleger satte Renditen einfahren.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 6/2017 des manager magazins, die Ende Mai erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Pliezhausen, 30 Kilometer südlich von Stuttgart. Ringsherum blühen die Wiesen, in der Mitte ist die Firmenzentrale des IT-Dienstleisters Datagroup gelandet, einem Ufo gleich.

Kreisförmig haben sich die Büros ums Atrium angesiedelt, wo ein 15 Meter hoher Wasserfall herunterstürzt. Aus seinem Büro im vierten Stock genießt Datagroup-Chef Max Schaber (61) einen Panoramablick über die Wacholderheiden und Wälder der Schwäbischen Alb.

"In mir trage ich die DNA eines klassischen schwäbischen Unternehmers", sagt Schaber, der anders als seine Mitarbeiter keinen Hoodie trägt, sondern blauen Anzug, schwarze Schnallenschuhe und Rolex.

So idyllisch das Setting, so zukunftsweisend das Business, in dem sich Schaber tummelt. Als er die Datagroup 1983 gründete, war sie zunächst ein gewöhnliches Systemhaus, das Hardware handelte und wartete - ein hart umkämpfter Markt mit niedrigen Margen. Stück für Stück baute Schaber das Unternehmen zu einem Outsourcingdienstleister um, der für seine Kunden die komplette IT betreibt, 2006 brachte er die Datagroup an die Börse. Seitdem ist die Aktie im Small-Cap-Segment der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen gelistet.

Mittelständler wie der Betonpumpenhersteller Putzmeister oder die Juwelierkette Christ lassen ihre Geschäftsprozesse über die Cloud der Datagroup laufen. Außerdem betreibt Schaber sogenannte Service-Desks zur Lösung von IT-Problemen und lässt SAP-Anwendungen über die Rechenzentren seiner Kunden laufen.

Die 1700 Mitarbeiter der Datagroup verdienen ihr Geld dort, wo es für Global Player wie SAP Börsen-Chart zeigen zu kleinteilig wird. In dem stark fragmentierten Markt mit kleinen und mittelgroßen Firmen will Schaber Marktführer werden. "Als Mittelständler sind wir mit unseren Kunden auf Augenhöhe und sprechen ihre Sprache", sagt er. Die wissen es zu schätzen, bei Problemen nicht in einem bulgarischen Callcenter zu landen, sondern von einem der rund 40 Standorte in Deutschland betreut zu werden.

Das Business wächst rasant. Rund 175 Millionen Euro setzte der Cloudanbieter im abgelaufenen Geschäftsjahr um, bei einem operativen Ergebnis von über 19 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr des neuen Geschäftsjahres stiegen die Erlöse um fast 31 Prozent, das Ebitda gar um 92 Prozent - auch dank der Übernahme eines Teils der Deutschland-Tochter von Hewlett Packard Enterprise.

Die Aktie hat sich seit dem Börsengang verelffacht. 85 Prozent des Rohertrags basieren auf zuverlässig wiederkehrenden Vertragseinnahmen, seit elf Jahren werden die Prognosen erfüllt oder übertroffen. Die Investoren lieben den Small Cap, mit dem 31-Fachen des für 2017 erwarteten Gewinns ist er immer noch nicht überteuert.

In dem Geschäft herrscht Goldgräberstimmung. Einer Studie norwegischer Forscher zufolge sind 90 Prozent aller auf der Welt verfügbaren Daten nicht älter als zwei Jahre. Ob im Gesundheitswesen, in der Industrie oder Werbung - überall steigern sie die Effizienz und senken die Kosten.

Immer mehr Unternehmen entdecken Big Data als strategische Waffe. "Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts" - ein Satz, der in keiner Firmenpräsentation mehr fehlen darf; und eine unerschöpfliche Einnahmequelle für all jene, die das digitale Rohöl speichern (Cloud-Computing), analysieren (Internet der Dinge), weiterentwickeln (künstliche Intelligenz) und schützen (Cybersecurity). Apple Börsen-Chart zeigen, Google Börsen-Chart zeigen, Microsoft Börsen-Chart zeigen, Amazon Börsen-Chart zeigen und Facebook Börsen-Chart zeigen - bei den fünf wertvollsten Konzernen der Welt gehört Datensammeln zum Kerngeschäft.

Doch das ist erst der Anfang. Wenn sich Maschinen erst in großem Stil miteinander vernetzen und Roboter zu Facharbeitern, Pflegekräften, Taxifahrern und Sprachassistenten werden, wird das Datenvolumen weiter anschwellen. Die Credit Suisse Börsen-Chart zeigen glaubt, dass die Anzahl der vernetzten Geräte von heute 15 Milliarden schon bis 2020 auf 50 Milliarden steigen wird.

Für datengetriebene Geschäftsmodelle machen die Wagniskapitalgeber ihre Kassen weit auf. Die rund 550 Start-ups, die derzeit mit künstlicher Intelligenz experimentieren, konnten 2016 fünf Milliarden Dollar einsammeln.

Und auch an den Finanzmärkten kommen die Datenspezialisten gut an. Allein im April gingen drei US-Softwarehäuser an die Börse und erzielten vom Start weg Bewertungen in Milliardenhöhe. Celonis, eines der in Deutschland am schnellsten wachsenden Start-ups, will sich ebenfalls listen lassen. Der Data-Miner durchwühlt Prozesse auf der Suche nach Schwachstellen, um die Effizienz zu steigern. Mittlerweile gibt es kaum mehr eine Fondsgesellschaft, die keinen Tech-Aktienfonds im Angebot hat.

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