Sonntag, 13. Oktober 2019

Testfahrt im Porsche 918 Spyder Explosion der Sinne

Porsche Spyder 918: Das Über-Auto
Porsche

Der Porsche 918 Spyder kostet mehr als eine dreiviertel Million Euro. Das ist ein echtes Schnäppchen, findet der mm-Testfahrer: Das Fahrzeug setzt schließlich neue Maßstäbe für automobiles Erleben. Und nebenbei auch für Technik.

Angenommen, Sie könnten jedes Auto kaufen, nach dem Ihnen gerade der Sinn steht - selbst wenn es mehr kostet als der Oldtimer, das Cabrio, das SUV und die Limousine zusammen, die bereits in Ihrer Tiefgarage parken. Käme dann der Porsche Superspyder noch in die engere Wahl?

Ich fürchte ja. Denn wirklich Schlechtes gibt es über das Auto nicht zu berichten. Klar, die Keramikbremsen scheuern ein wenig, aber nur, solange sie kalt sind. Und der Kompressor der Klimaanlage läuft reichlich unrund, sein Rütteln überträgt sich bis ins Sitzfleisch der Insassen. Aber nur beim vibrations- und geräuschlosen Betrieb im E-Modus des Hybridantriebs.

Das Einzige, was wirklich nervt: Bei offenem Verdeck ist das halb horizontal stehende Display in der Mittelkonsole tagsüber kaum lesbar, weil von oben zu viel Licht darauf fällt.

Nun aber zu den Wundern, die der 918 Spyder vollbringt. Auf der Nürburgring-Nordschleife ist er die schnellste Runde aller jemals gebauten Serienautos mit Straßenzulassung gefahren. Eine Ausfahrt kommt einer Explosion der Sinne gleich. Die neu entwickelte V-8-Maschine, die einsetzt, wenn der Fahrer den Schalter im Lenkrad mindestens auf den Hybrid-Modus stellt, bullert und röhrt, posaunt und trompetet so hinreißend durch die oben aufs Heck führenden Auspuffrohre, dass man unwillkürlich einstimmen möchte.

Spaß mit Kurven

Im Sport- und erst recht im Race-Modus dreht der Motor bis 9000 Touren - was das Vergnügen zeitlich wie auch im Klangbild erfreulich ausdehnt. Um dann, nach Rückkehr in den E-Modus, wieder in ein souverän-lautloses Gleiten überzugehen.

Der Heckflügel erzeugt bis zu 440 Kilo Abtrieb. Das macht den Boliden so sicher beherrschbar, dass sich auch Laienpiloten auf der Autobahn in den Geschwindigkeitsbereich jenseits der 300er-Marke wagen können. Auch der Katapultstart mit Launch Control, bei dem Kräfte größer als die Erdbeschleunigung wirken, wird spätestens nach dem dritten Mal zur Routine.

Den größten Spaß bringen jedoch kurvenreiche Sträßlein mit Kuppen und Senken, überraschenden Steigungen und Gefällen. Hier verhelfen das Temperament und die exzellente Gesamtabstimmung des 918 Spyder zu so viel Fahrvergnügen, dass ein jeder, der die Eingangsfrage jetzt immer noch nicht laut bejaht, bitte wieder in seinen Passat steigen möge.

Ach ja, noch eine Petitesse zum Preis: Verglichen mit seiner Peergroup ist der 918 ein echtes Schnäppchen. Sowohl LaFerrari wie der McLaren P1 sind einige Hunderttausend Euro teurer.

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