Donnerstag, 27. Juni 2019

Tech-Industrie Hidden Champions - Deutschland ist digitaler als sein Ruf

Hidden Champions: Deutschland ist digitaler als sein Ruf
Corbis

2. Teil: 50 Unternehmen aus der Digitalwirtschaft im Check

Nun hat manager magazin in einer breit angelegten Untersuchung 50 Unternehmen ermittelt, die das Zeug dazu haben, die Digitalwirtschaft hierzulande in den kommenden Jahren entscheidend mitzuprägen. Das Spektrum reicht von Elektronikfirmen, die sich zu Digitalexperten gewandelt haben, über Pioniere der Datenverarbeitung, die den Dotcom-Absturz überlebten, bis hinein in die Start-up-Szene.

Unter die Top-50-Unternehmen schafften es nur jene, die entweder zu den weltgrößten Anbietern in ihren Marktsegmenten zählen oder mit einer einmaligen Innovation eine neue Nische kreiert haben.

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Die Mischung ist bunter, als man vermuten würde. Phoenix Contact etwa stammt aus der ostwestfälischen Provinz, ist aber bereits Weltmarktführer für die sogenannten Feldbusse, Hard- und Software zur Vernetzung von Industrieanlagen. Das Start-up Blacklane wiederum sitzt in der Hauptstadt und vermittelt über seine schnell wachsende Onlineplattform in mehr als 180 Städten in 50 Ländern Chauffeurdienste. Die Berliner bedienen damit schon mehr Orte als der US-Rivale Lyft.

"Das Valley ist deindustrialisierte Zone, München das weltbeste Cluster für das Internet der Dinge."

Felix Reinshagen, Gründer von Navvis

Viele bekanntere Namen tauchen indes nicht auf. Steuerberaters Liebling Datev, das Vergleichsportal Check24, der Provider United Internet oder Systemhäuser wie Bechtle Börsen-Chart zeigen und GFT Börsen-Chart zeigen bleiben außen vor, weil sie sich weitgehend auf Deutschland beschränken. Erfolgreich sind sie trotzdem.

Der Chef von GFT, Ulrich Dietz, beurteilt die mangelnde Auslandspräsenz indes durchaus selbstkritisch. Dietz, der für den Branchenverband Bitkom spricht, moniert, dass viele Unternehmen sich nicht ins internationale Geschäft wagen: "Darum besitzt die deutsche IT nicht die globale Relevanz, die wir gern hätten." Eine Firma, die sich über zu wenig Relevanz nicht beklagen kann, ist die PTV Group. Der 1979 aus der Universität Karlsruhe ausgegründete Anbieter von Software für die Planung von Verkehrsströmen dominiert sein Fachgebiet weltweit. In 120 Ländern werden Straßen und Schienen mit dem Programm Vissim "erst simuliert, dann betoniert", wie CEO Vincent Kobesen fröhlich reimt. Zudem erspart die ausgefeilte Technologie rund 20.000 Logistikkunden täglich 33 Millionen Kilometer unnötiger Fahrten.

"Das sind halt keine simplen Apps", kommentiert Sascha Pfeiffer trocken. "Solche hochkomplexen Lösungen kann nur bauen, wer tief greifende Industriekenntnisse besitzt", sagt der Geschäftsführer von Altium Capital. Dieses im B2B-Geschäft unverzichtbare Know-how fehle den Programmierern aus dem Silicon Valley. Daher würden sie sich bevorzugt auf das technisch zumeist weniger anspruchsvolle Consumerbusiness stürzen - mit riesigen Werbebudgets.

© manager magazin 3/2016
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