Dienstag, 2. Juni 2020

Gewinner der Corona-Krise Teamviewer-Chef erhält Rekordvergütung von 41,3 Millionen Euro

TeamViewer-Chef Oliver Steil: Mit dem Homeoffice-Boom macht der Softwareanbieter gute Geschäfte
Andreas Arnold/dpa
TeamViewer-Chef Oliver Steil: Mit dem Homeoffice-Boom macht der Softwareanbieter gute Geschäfte

Der Fernwartungs- und Homeoffice-Softwareanbieter Teamviewer ist im Höhenflug: In der Corona-Krise haben sich die in Rechnung gestellten Einnahmen (Billings) im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent auf 119,7 Millionen Euro gesteigert.

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie habe sich die Nachfrage bedeutend erhöht, sagte Vorstandschef Oliver Steil. Mittlerweile zählt Teamviewer mehr als 514.000 zahlende Kunden; Ende 2019 waren es noch 464.000. Teamviewer hob die Jahresprognosen nun an.

Die guten Zahlen schlagen sich auch in einer neuen Rekordvergütung für Steil und den Finanzvorstand Stefan Gaiser nieder. Laut Geschäftsbericht hat Steil für das vergangene Jahr eine aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzte Vergütung von 41,3 Millionen Euro bekommen, Finanzchef Stefan Gaiser kommt mit 20,8 Millionen Euro immerhin auf knapp die Hälfte. Mehrheitsaktionär Permira hatte laut Geschäftsbericht mit etlichen Managern vereinbart, dass sie an der Wertsteigerung des Unternehmens beteiligt werden.

Für Steil bedeutet das, dass er zusätzlich zu seinen 810.000 Euro Grundgehalt mehr als das Vierzigfache, knapp 40 Millionen Euro, von Permira erhält, außerdem noch knapp 750.000 Euro von der Regit Eins GmbH, die als frühere Dachgesellschaft Teamviewers in die neue AG einging. Gaiser erhielt knapp 20 Millionen Euro von Permira.

Steil erhält Aktien im Wert von 76 Millionen Euro

Außerdem erhalten die beiden Manager noch weitere Aktien des im MDax Börsen-Chart zeigen gelisteten Unternehmens: Im Oktober 2020 und im Oktober 2021 bekommt Steil jeweils 1,765 Millionen Stück, Gaiser jeweils 885.000 Stück. Nach dem jetzigen Kurs wäre Steils Paket 76 Millionen Euro, Gaisers 38 Millionen Euro wert. Steil hatte als ehemaliger Partner bei Permira mit seiner Bestellung zum Teamviewer-CEO Anfang 2018 seine Beteiligung am Permira-Fonds aufgegeben. Dafür konnte er sich an dem damals mit rund 1,8 Milliarden Euro bewerteten Unternehmen beteiligen.

Steil stieg damals mit einer substanziellen Summe bei Teamviewer ein und beteiligte sich am unternehmerischen Risiko. Er stellte das Geschäftsmodell auf Abonnements um, was zu einer erheblichen Wertsteigerung des Unternehmens führte. Davon profitierten jetzt alle 80 Führungskräfte, die ebenfalls am Managementbeteiligungsprogramm teilgenommen hätten.

In puncto Chef-Vergütung hatte zuletzt das künftig theoretisch mögliche Spitzengehalt des mittlerweile alleinigen SAP-Chefs Christian Klein für Schlagzeilen gesorgt: Auf der SAP-Hauptversammlung am 20. Mai müssen die Aktionäre aufgrund einer Gesetzesänderung einen Maximalwert für die Bezüge eines Vorstandschefs festlegen. Laut Einladung soll dieser Betrag bei 34,5 Millionen Euro liegen. Klein hat bereits angekündigt, künftig 20 Prozent seines Festgehaltes an den SAP Solidarity Fund zu spenden. Zum Vergleich: Deutschlands Bestverdiener im Dax war im Jahr 2018 Beiersdorf-Vorstandschef Stefan Heidenreich mit einer Gesamtvergütung inklusive Boni, Aktien und Nebenleistungen von 23,45 Millionen Euro.


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Teamviewer gehört in der Corona-Krise zu den wenigen Gewinnern an der Börse. Die über Abonnements erwarteten Einnahmen kletterten sogar noch stärker, als Teamviewer im März bereits in Aussicht gestellt hatte. Nun dürften Umsatz und operativer Gewinn im laufenden Jahr höher ausfallen. Die zuletzt stark gelaufene Aktie Börsen-Chart zeigen gab nach Handelsstart zunächst nach, drehte dann aber in die Gewinnzone.

Das erst im September an die Börse gebrachte Papier markierte am Vormittag zwischenzeitlich ein Rekordhoch. Aktuell liegt die Aktie gut 3 Prozent im Plus bei 44,40 Euro. Die Aktie steht deutlich über dem Kurs von gut 30 Euro, den sie vor dem Corona-Crash im Februar hatte. Der Ausgabepreis im September lag bei 26,25 Euro. Der MDax Börsen-Chart zeigen hat seit Jahresbeginn und im Corona-Crash hingegen deutlich an Wert eingebüßt.

RBC-Analystin Sherri Malek sprach von einem starken ersten Quartal. Allerdings liege die neue Jahresprognose unterhalb der zuletzt gestiegenen Markterwartungen. Die neuen Ziele bei den in Rechnung gestellten Einnahmen (Billings) wertete sie als vorsichtig. ticke

Teamviewer erwartet weiter große Umsatzsteigerungen

Im laufenden Jahr rechnet der Konzern nun mit Billings von rund 450 Millionen Euro, bisher lag das Ziel bis zu 20 Millionen Euro darunter. Teamviewer verwendet diese Kennzahl, um die Höhe der Nachfrage in einem Zeitraum zu verdeutlichen, auch wenn die Abonnementverträge erst über die Vertragslaufzeit zu höheren Umsätzen führen. Die Billings beziehen sich auf die innerhalb der kommenden 12 Monate zu erwartenden Einnahmen.

Der Umsatz soll sich 2020 nun auf mindestens 450 Millionen Euro belaufen. Zuvor hatten die Schwaben mit bis zu 430 Millionen Euro gerechnet. Die um Sondereffekte bereinigte Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll nun bei 56 Prozent liegen und damit im Bereich von rechnerisch 252 Millionen Euro. Auch das liegt etwas über den bisherigen Zielen. Analysten hatten bereits etwas höhere Werte auf dem Zettel als das Unternehmen bisher. Finanzchef Gaiser verwies darauf, dass die anhaltende ungewisse gesamtwirtschaftliche Lage den Ausblick erschwere.

Die Billings kletterten zwischen Januar und März im Vorjahresvergleich um 75 Prozent auf 119,7 Millionen Euro. Bisher hatte Teamviewer einen Anstieg um mindestens 60 Prozent für den Zeitraum angedeutet. "Die langfristigen Wachstumstreiber von Teamviewer sind nach wie vor intakt und haben durch den Anstieg der Nachfrage nach unseren Lösungen im Zuge der weltweiten Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie weiter an Dynamik gewonnen", sagte Vorstandschef Steil. Laut Steil konnte Teamviewer auch bei Großkunden verstärkt punkten. Die Anzahl der Kunden mit mehr als 10.000 Euro Vertragswert pro Jahr kletterte innerhalb eines Jahres auf mehr als das Doppelte. Dabei hielten sich die Neukunden die Waage mit Bestandskunden, die nun durch stärkere Nutzung höhere Vertragssummen aufwiesen.

Viele Kunden bitten um Rechnungsaufschub

Die starke Nachfrage infolge der Pandemie habe sich bis in den April hinein gehalten, sagte Gaiser. Gegen Ende April habe sie sich dann abgeschwächt und im Mai weitgehend normalisiert. Im Umsatz schlug sich die vor allem ab März erhöhte Nachfrage noch nicht so schnell nieder, weil die Billings erst im Laufe des Jahres nach und nach als Umsätze gebucht werden. Der Erlös wuchs im ersten Quartal um 18 Prozent auf 102,7 Millionen Euro.

Unter dem Strich sackte das Konzernergebnis vor allem wegen höherer Kosten für Werbung, Vertrieb und Verwaltung sowie wegen erhöhter Aufwendungen für uneinbringliche Forderungen um über die Hälfte auf 12,1 Millionen Euro ab. Chef Steil betonte, dass der Konzern derzeit angesichts der Krise auch vermehrt Anfragen zum Aufschub von Rechnungen bekomme. In Bezug darauf sei man flexibler geworden.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging um 11 Prozent auf 46,7 Millionen Euro zurück. Das bereinigte operative Ergebnis bezieht sich bereits auf die erzielten Vertragsabschlüsse (Billings) und verdoppelte sich dementsprechend nahezu auf 73,9 Millionen Euro.

Teamviewer gehört noch zu 51,5 Prozent dem Finanzinvestor Permira, weitere 5 Prozent liegen bei The Capital Group. Mit dem Börsengang erlösten die Alteigentümer im September mehr als zwei Milliarden Euro. Damit war die Erstnotiz der größte Tech-Börsengang in Deutschland seit der Dotcom-Boomphase um die Jahrtausendwende. Der Softwareanbieter ist am Markt mittlerweile 8,8 Milliarden Euro wert und damit mehr als die Dax-Unternehmen Lufthansa Börsen-Chart zeigen , Covestro Börsen-Chart zeigen , MTU Börsen-Chart zeigen und HeidelbergCement Börsen-Chart zeigen.

mh/dpa-afx

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