Sonntag, 18. August 2019

Taschen von Mulberry It-Bags für It-Girls

Burberry hat es vorgemacht: Luxus made in England kann weltweite Bestseller hervorbringen. Mit Promis und eigenen Manufakturen treibt jetzt der Taschenhersteller Mulberry den Umbau zur globalen Glamourmarke voran.

Berlin - Wenn David Cameron ausländischen Staatsgästen etwas typisch Britisches schenken möchte, dann bestellt er bei Mulberry. So überreichte der Premierminister des Vereinigten Königreichs im Sommer den Teilnehmern des G8-Gipfeltreffens in Nordirland geräumige Ledertaschen mit goldenen Maulbeerbäumchen im Logo.

Die Herren erhielten eine 24-Stunden-Travelbag "Matthew" mit ihren Initialen auf dem Schloss. Angela Merkel bekam das Modell "Piccadilly", das auch Kate Moss trägt - ein anderer hübscher britischer Verkaufsschlager.

Auch Bruno Guillon, seit März 2012 der Chef von Mulberry, reiste mit ebenjener Herrentasche, als er im September in Berlin den ersten deutschen Laden des Hauses eröffnete: 280 Quadratmeter, ausgestattet mit englischer Eiche und Limestone aus der Grafschaft Somerset sowie britischen Kristallleuchtern und einer Telefonzelle. Die Boutique befindet sich in bester Lage, am Kurfürstendamm, direkt neben Burberry.

Dieser Traditionsmarke ist es bereits gelungen, mit britischem Stil die Welt zu erobern und sich als Luxuslabel zu etablieren. Angela Ahrendts führte Burberry in den vergangenen Jahren zu neuer Größe (2,4 Milliarden Euro Umsatz 2012/13), wurde die bestbezahlte Firmenchefin Großbritanniens und wechselt im Frühjahr zum wertvollsten Unternehmen überhaupt: Apple.

Der britische Botschafter feierte die Boutiqueeröffnung

Dem Vorbild Burberry will Guillon nun nacheifern. Mulberry soll ebenfalls zu einer globalen englischen Marke werden. Schon heute ist das kleine Haus von großer nationaler Bedeutung. Nach der Boutiqueneröffnung veranstaltete der britische Botschafter in Berlin ein Dinner zu Ehren des Labels.

Weltweit wurden in diesem und im vergangenen Jahr rund 30 Shops eröffnet, 130 sind es jetzt insgesamt. Für das nächste Jahr sind weitere geplant, auch hierzulande. Immer in Toplagen: am Hamburger Neuen Wall, an der Frankfurter Goethestraße oder der Münchener Maximilianstraße. "Wir wollen wachsen", sagt Firmenchef Guillon. "60 Prozent unseres Umsatzes kommen bislang aus England. Das ist mir viel zu riskant", so der 48-Jährige.

Bei der Fertigung hingegen bleibt er der Heimat treu. Mulberry ist der letzte verbliebene britische Luxustaschenhersteller, der noch zu Hause produziert. Künftig will der Firmenchef 50 Prozent seiner Lederwaren, den Schwerpunkt des Sortiments, in England fertigen. Vor zwei Jahren waren es noch 20 Prozent.

Hierzu hat Mulberry im November neben seiner Hauptfabrik The Rookery in Somerset eine zweite eröffnet: The Willows. 7,5 Millionen Pfund hat der Bau gekostet, er ist das größte Investment der vergangenen 20 Jahre in die englische Modeindustrie. Den Nachwuchs fördert Mulberry mit einem eigenen Ausbildungsprogramm. Mit fast 600 Handwerkern ist Guillon der größte Arbeitgeber in einer Region, die einst als Hochburg der britischen Lederwarenindustrie galt.

© manager magazin 12/2013
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