Freitag, 10. April 2020

Taschen von Mulberry It-Bags für It-Girls

3. Teil: Britpop und Gänseblümchen

"Man braucht Kreativität, Qualität und ein bisschen Glück", erklärt Guillon das Revival der Marke. Wenn er spricht, dann immer wieder von seinem Gütesiegel: made in England, seine Garantie für bestes Handwerk und Qualität.

Es war für Mulberry nicht leicht, das "Made in England" aus der Vergessenheit zu holen und mit Luxus gleichzusetzen. Viel reden musste Guillon über die fast 50 Arbeitsschritte zur Herstellung einer Tasche in Somerset, über das Leder, das sechs Wochen behandelt wird, natürlich gegerbt, von Hand geschnitten und dann wie bei einer "Willow" in fünf Stunden zur Tasche verarbeitet wird. Inzwischen kann er sagen: "Unsere Kunden erwarten ein englisches Produkt."

Und so feierte Mulberry seine Herkunft in diesem Jahr wie lange nicht. Auf der London Fashion Week verwandelte sich der Ballroom des ehrwürdigen Hotels "Claridge's" zur Präsentation der neuen Damenmode in ein verwunschenes, beranktes Landhaus. Die Gäste schritten über Kunstwiesen mit Gänseblümchen, die Models liefen mit floralen Mustern und Blumenapplikationen, in Overalls und Dreiviertelhosen mit Hunden an der Leine über den Laufsteg. Dazu ertönten "Our House" von der Britpopband Madness und das Kinderlied "If you're happy and you know it clap your hands".

Leichte Kleidchen, fröhliche Farben, alle waren begeistert. Der britischen Chefdesignerin Hill ist es erneut gelungen, den Hype um die Marke anzufachen. Natürlich half dabei, dass Cara Delevingne, das derzeit angesagteste Topmodel, über den Laufsteg schwebte und ihr Gesicht die aktuelle Kampagne schmückt.

Made in England gilt nicht für den Chefkreativen

Gebremst wurde die Begeisterung indes, als Mulberry im Sommer verkündete, dass Hill das Haus verlassen wird. Der Kurs des börsennotierten Unternehmens brach daraufhin um 8,2 Prozent ein. "Emma hat einen tollen Job gemacht", sagt Guillon. Er glaubt jedoch, dass es gelingen wird, die Erfolgsgeschichte von Mulberry auch ohne Hill fortzuführen. "Die Firma ist jetzt in einem anderen Stadium. Wir müssen globaler werden", treibt er sein Team an - und sucht mit Hochdruck nach einem passenden Designer.

Ein Brite muss es nicht wieder sein. Made in England gilt nicht für den Chefkreativen. Beim italienischen Luxuslabel Bottega Veneta brachte der Schwarzwälder Tomas Maier den Durchbruch, bei Louis Vuitton war es der Amerikaner Marc Jacobs. Schon länger rekrutiert Guillon internationales Personal: Für die Qualitätskontrolle engagierte er Profis von Cartier, Gucci und Pucci, das Produktmanagementteam kommt von Vuitton.

Backstage in Londons "Claridge's"-Hotel, hinter der idyllischen Landhauskulisse, steht die blonde Britin nach ihrer letzten Show in einer alten Jeans und Leopardenpumps. Unzählige Hände gratulieren ihr, Arme umklammern sie, es fließen Tränen. Roséchampagner wird gereicht. Jemand klatscht. "If you're happy and you know it clap your hands." Ein schönes Ende, trotz allem. Und ein neuer Anfang für Mulberry.

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© manager magazin 12/2013
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