Samstag, 25. Januar 2020

Taschen von Mulberry It-Bags für It-Girls

2. Teil: Der Umbau zur globalen Luxusmarke

"Wir müssen authentisch sein, auch wenn es teuer ist", sagt Guillon, der sein Handwerk bei Hermès und dem britischen Schuhmeister John Lobb gelernt hat. 196 Millionen Euro hat Mulberry im Geschäftsjahr 2012/13 umgesetzt. Denn Investitionen, der Umbau zur globalen Luxusmarke - das muss auch finanziert werden.

Angefangen hat alles mit Lederaccessoires für Männer. 1971 begann Roger Saul für die 500 Pfund, die er zum 21. Geburtstag von seinen Eltern geschenkt bekommen hatte, am Küchentisch Gürtel herzustellen, die er in Londoner Boutiquen verkaufte. Vier Jahre später dann der Durchbruch, mit der "Hunting, Shooting, Fishing"-Kollektion und den Handtaschen, um die Saul das Sortiment erweitert hatte.

Mulberry wurde weltbekannt, der robust-romantische Stil salonfähig. Diesen Stil beschrieb der Firmengründer einst so: "witzig, nostalgisch, exzentrisch und mit Hingabe an die Qualität". Unter dem Franzosen Bruno Guillon hört sich das heute so an: "Cool und schick, mit einer Prise Humor."

Für all das steht auch die nach der neuen Fabrik benannte Damentragetasche "Willow", ein Lederschmuckstück, an deren Vorderseite eine abnehmbare Clutch mit Reißverschlüssen befestigt ist. Zwei Taschen in einer - das hat auch seinen Preis. Mit knapp 1800 Euro kostet das jüngste Modell im Schnitt rund ein Drittel mehr als der Rest des Sortiments. Ein Einzelstück der "Willow" aus braunem Alligatorleder wurde kurz nach Eröffnung des Berliner Ladens für 24.000 Euro verkauft.

Irgendwann zog der Charme der Nostalgie nicht mehr

Das goldene Maulbeerbäumchen soll mehr denn je Statussymbol sein. "Leder wird ständig teurer. Um nicht in der Qualität einzubrechen, muss man die Preise erhöhen", erklärt der Chef. Wer eine Tasche für 300 Euro suche, der solle zu Zara oder Michael Kors gehen, da gebe es sehr hübsche Stücke. Er aber will mit seiner Marke ganz nach oben. "Wir wollen heute nicht nur einer 30-Jährigen eine Tasche verkaufen, sondern auch einer 40-Jährigen mit höheren Ansprüchen noch etwas bieten", sagt er. Und das gehe nur mit Luxus.

In den 80er Jahren war das Label schon einmal erfolgreich, doch irgendwann zog der Charme der Nostalgie nicht mehr, viele der eigenen Läden mussten schließen. Massenware wie ledergebundene Kalender weckten keine Begehrlichkeiten mehr. Vor zehn Jahren verkaufte Saul seine Anteile an die Challice Group aus Singapur.

Das hat Mulberry gutgetan. Die neue Mehrheitsaktionärin Christina Ong investiert seither wieder mehr - und traut sich zu expandieren. 2003 kam die "Bayswater" auf den Markt, die Tasche ab 1000 Euro, auf die bis heute ein Drittel des Gesamtgeschäfts entfällt.

Seit Kreativdirektorin Emma Hill die Kollektionen entwirft, haftet Mulberry sogar wieder der Ruf des Kultigen an. Das gelang Hill vor allem mit der nach Stilikone, Model und Moderatorin Alexa Chung benannten "Alexa"-Tasche und der "Del Rey Bag", die der Sängerin Lana Del Rey gewidmet ist. Beide Taschen wurden Bestseller, auch weil sie zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Armen baumelten, It-Bags für It-Girls.

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