Dienstag, 23. April 2019

Interview mit wichtigstem Uhren-Unternehmer der Welt Nick Hayek: "Sie wollen fragen, wann ich sterbe?"

Swatch-Group-Chef Nick Hayek leibt, lebt und raucht.

2. Teil: Die 15-Milliarden-Dollar-Hoffnung

Sie haben selbst öffentlich verkündet, dass Sie mit Batterien in ein paar Jahren 10 bis 15 Milliarden Dollar Umsatz anstreben.

Nicht anstreben, aber ich sehe riesige Chancen für uns. Es gibt ein enormes Potenzial, das wir Europäer und Amerikaner im Moment leider den Japanern, Südkoreanern und Chinesen überlassen. Die arbeiten alle mit klassischen Lithium-Ionen-Batterien. Wir indes haben in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) ein besseres Produkt entwickelt, das mindestens 30 Prozent mehr Leistung bringt und sich viel kostengünstiger und umweltfreundlicher recyceln lässt. Die ersten Prototypen existieren bereits.

Warum sollte dieser Durchbruch ausgerechnet einem Uhrenproduzenten gelingen, wenn sich von BASF über Daimler bis Bosch viele große Konzerne bisher erfolglos um Alternativen bemüht haben?

Höre ich da eine gewisse Arroganz des Establishments bei Ihnen heraus?! Wir besitzen viel Know-how auf diesem Gebiet. Unsere Tochterfirma Renata stellt jeden Tag 800.000 Batterien her, und dies hier in der Schweiz.

Autos und Uhren sind ja doch recht unterschiedliche Märkte und arbeiten mit verschiedenen Technologien.

Sie haben recht, Schweizer Uhren brauchen im Gegensatz zu deutschen Autos keine spezielle Software zum Funktionieren.

Da klingt Verärgerung heraus.

Eine Batterie, ob klein oder groß, besteht jedenfalls aus verschiedenen Zellen. Und damit kennen wir uns aus. Mithilfe von Vanadium, einem Material, das vor allem bei der Stahlherstellung anfällt, haben wir die Energiedichte spürbar erhöht. Wir haben das Pulver hergestellt und über 30 Patente darauf. Nun bauen wir die ersten großen Batterien - und wissen Sie, was das Überraschendste ist?

Dass ausgerechnet Geely, ein chinesischer Konzern, Ihre Batterie in seinen Autos erproben will?

Genau. Das Unternehmen produziert eigene Autos unter dem Markennamen Geely, hat Volvo und London Taxi gekauft. Der Eigentümer ist ein richtiger Unternehmer, ein Selfmademan, der Kühlschränke herstellte, er kommt nicht aus der Autoindustrie. Diese Leute sind neugierig. Sie wissen, dass der Weg schwierig ist, aber sie wollen sich nicht zu 100 Prozent abhängig machen von japanischen und südkoreanischen Zulieferern. Ich frage mich, warum hier niemand so neugierig ist?

Und wir fragen uns immer noch, wann das erste Auto mit Swatch-Batterie fährt?

Serienmäßig in drei Jahren vielleicht, ich weiß es nicht, das hängt von der gesetzlichen Zulassung ab. Klar ist aber: China ist der Zukunftsmarkt für die Elektromobilität.

Ist Geely bei Ihnen investiert?

Nein, wir haben nur einen sehr offenen Austausch von Ideen, und wir werden die Batterien zusammen testen. Dies ist eine Win-win-Situation.

Der größte Teil des Start-ups Belenos gehört also weiterhin der Swatch-Group und damit Ihrer Familie.

Ja, die Deutsche Bank und die ETH halten ebenfalls ein paar Prozent, und neben anderen hat auch mein Freund George Clooney eine Beteiligung.

Wie viel Prozent besitzt er denn?

Unter einem Prozent, aber er engagiert sich wirklich. Am 17. August hat er sich die Batteriezellen und die Prototypen der Produktionsmaschinen hier angeschaut, wir hatten Verwaltungsratssitzung. Aber Geld ist bei Belenos nicht das Problem, wir haben genug. In den letzten neun Jahren haben wir knapp 40 Millionen Franken investiert.

Eine Mitarbeiterin Hayeks kommt in den Konferenzraum und flüstert ihm etwas ins Ohr. Er entschuldigt sich und ist ein paar Minuten später wieder da.

Das war unser chinesischer Partner, Herr Zhang Yuping, der Besitzer von Hengdeli, der größten Uhrenkette in China und der Welt. Den wollte ich gern noch verabschieden.

Uhren ist ein gutes Stichwort. Wir sind jetzt eine Stunde bei Ihnen und haben nur über Autos und Batterien gesprochen, obwohl Sie eigentlich einen Uhrenkonzern führen.

Nicht meine Schuld, Sie haben mich nicht nach Uhren gefragt!

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