Was macht eigentlich ... Stefan Pichler?

Für den vorletzten Chef von Air Berlin scheint wieder die Sonne - sogar im Übermaß.
Stefan Pichler, Präsident und CEO der Fluggesellschaft Royal Jordanien

Stefan Pichler, Präsident und CEO der Fluggesellschaft Royal Jordanien

Er fühlte sich reif für die Insel, das gibt Stefan Pichler offen zu. Schon während seiner Zeit als Air-Berlin-Chef habe er daran gedacht, mit 60 aufzuhören und nach Dubai zu entschwinden, wo er ein Haus auf einer künstlichen Insel besitzt. "Ich hatte mir immer vorgenommen", sagt er, "meine Karriere rechtzeitig zu beenden und nicht als CEO ins Grab zu kippen." Das Karriereende kam dann etwas schneller als erwartet. Im Dezember 2016 musste er bei Air Berlin gehen - da war er erst 59.

Ab in den Süden : Für den gebürtigen Münchener Stefan Pichler (60; oben in seinem Büro in Amman, unten 2015 mit Flugbegleiterinnen von Air Berlin) ging es mit der Karriere auf und ab. Begonnen hat er im Vertrieb von Nike, durchgestartet ist er danach bei Lufthansa. Eine unglückliche Etappe beim Reisekonzern Thomas Cook führte zu seiner Flucht ins Ausland. Nach vielen Jahren bei Fluglinien wie Fiji Airways kehrte er 2015 nach Deutschland zurück, um Air Berlin zu retten - bekanntlich vergeblich.

Ab in den Süden : Für den gebürtigen Münchener Stefan Pichler (60; oben in seinem Büro in Amman, unten 2015 mit Flugbegleiterinnen von Air Berlin) ging es mit der Karriere auf und ab. Begonnen hat er im Vertrieb von Nike, durchgestartet ist er danach bei Lufthansa. Eine unglückliche Etappe beim Reisekonzern Thomas Cook führte zu seiner Flucht ins Ausland. Nach vielen Jahren bei Fluglinien wie Fiji Airways kehrte er 2015 nach Deutschland zurück, um Air Berlin zu retten - bekanntlich vergeblich.

Foto: Bloomberg via Getty Images

Es ist allerdings gar nicht so leicht, den ganzen Tag die Eiswürfel im Glas klimpern zu lassen und aufs blaue Wasser zu starren. Und so wurde er schnell schwach, als Jobangebote aus der Flugbranche kamen. Im Juni vergangenen Jahres heuerte Pichler als Vorstandschef bei Royal Jordanian an, der Nationallinie Jordaniens.

Ein Krisenfall, wieder mal. Die Airline mit der Krone auf dem Heck gilt zwar als solide mit 26 modernen Maschinen. Doch bei den Vermarktungsmethoden lag sie "zehn Jahre hinter dem Industriestandard zurück", wie der Neue feststellte.

Ihrem Boss bietet die königliche Linie ein herrschaftliches Ambiente. Mitten in der Hauptstadt Amman thront Pichler im achten Stock eines Glasklotzes, der schräg vom Boden absteht wie der schiefe Turm von Pisa. Sein Büro ("uferlos groß") hat einen schönen Balkon und eine üppige Sitzgruppe, beides nutzt er nie. Er braucht kein Gedöns, auch nicht bei der Anrede. Er bestand darauf, "Stefan" genannt zu werden, "daraus habe ich mir einen Sport gemacht".

Respekt verschafft er sich trotzdem. Den Verkaufschef entließ er bereits nach zehn Tagen, "den Job mache ich jetzt selbst". Die Kur scheint anzuschlagen. Die Flugzeuge sind seither besser gefüllt, das Unternehmen verdient wieder Geld.

Gern hätte er Air Berlin ähnlich gedreht, blickt Pichler zurück. Doch als sein Sanierungsplan beim Großaktionär Etihad durchfiel - die Flotte sollte um 40 Prozent schrumpfen -, "war für mich klar, dass Air Berlin nicht eigenständig überleben kann".

Den Traum von der Insel hat er trotz der neuen Aufgabe wahr gemacht - am Wochenende. Dann fliegen er und seine Frau in ihre Wahlheimat Dubai. Meist erwartet sie dort Besuch. Bei seinen Berufsetappen in Frankreich, Australien, Kuwait und auf den Fidschi-Inseln kam ein internationaler Freundeskreis zusammen, dessen Wege sich immer wieder am Golf kreuzen. Dubais einziger Nachteil: Sein Lauftraining musste der Ex-Marathonprofi aufs Band verlegen - draußen ist es einfach zu heiß.

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