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Essen überrascht im Städteranking: Die Förderer der Stadt

Foto: Helge Windisch / Flaneur.de für mm

Städteranking Rauchende Köpfe

Essen mausert sich zum Topstandort. Das Erfolgsrezept der Konzernstadt: Privat ersetzt Staat.

Ehrensache: Wer wissen will, wie es um Essen steht, macht, unwillkürlich, zunächst Berthold Beitz seine Aufwartung. Mit der gütigen Strenge eines Vaters blickt der ungekrönte König der Stadt den Besucher aus bronzenen Augen an. Der Testamentsvollstrecker des letzten großen Krupp scheint zufrieden - mit dem Folkwang-Museum, für dessen Neubau Beitz über die Krupp-Stiftung 55 Millionen Euro spendierte und über das hier seine Büste wacht, und mit seiner Stadt auch.

Auf zur Inaugenscheinnahme: Raus aus dem Kulturbau gen Norden, vorbei am Glückaufhaus von 1923, in dem die Messtechniker von IFM Electronic (Umsatz: 615 Millionen Euro) ihren Geschäften nachgehen, dann über die Friedrichstraße, vorbei an der Steag (3 Milliarden Euro) in die Huyssenallee zur Philharmonie. Die passt mit ihrer Sandsteinfassade und der Kupferkuppel auch nach Paris. Rechts ab zum Opernplatz, wo die Hausnummer 1 RWE  (53 Milliarden) gehört und die Nummer 2 Hochtief  (26 Milliarden). Nebenan funkelt die Glasfassade von Evonik  (14 Milliarden). Und nur ein paar Ampeln weiter gen Westen thront der neue Kubus des geplagten Ruhrriesen ThyssenKrupp  (noch 40 Milliarden).

Kaum irgendwo sonst in Deutschland ballt sich so viel Wirtschaftspower auf so wenigen Quadratmetern. Eigentlich kaum vorstellbar, dass eine solche Stadt vor ein paar Jahren fast unter ihren Schulden kollabiert wäre.

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Städteranking: Wo die Mieten am stärksten steigen

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance/ dpa

Heute steht Essen wieder aufrecht. Keine andere unter den großen deutschen Städten hat nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 ihre wirtschaftlichen Zukunftsaussichten so stark verbessert wie die Stadt an der Ruhr. Das ist das Ergebnis der neuesten Ausgabe des Städterankings des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und der Berenberg Bank, das manager magazin exklusiv vorliegt. Das Ranking bewertet anhand von 16 Variablen wie Wertschöpfung, Bildungsabschlüsse, Internationalität, Innovation und Bevölkerungsentwicklung Deutschlands 30 größte Stadtstandorte (siehe Kasten "Von oben bis unten" links).

An die Spitzenreiter Frankfurt und München reicht Essen zwar noch nicht heran. Mit einem Sprung von Platz 21 auf 10 gehört die Stadt aber nun zu den Top-Ten-Wirtschaftsstandorten im Land - hinter Stuttgart und vor Hamburg. "Diesen Aufstieg verdankt Essen vor allem kräftigen Zuwächsen bei Produktivität und Erwerbstätigkeit sowie einem gesunden Niveau bei wissensbasierten Wirtschaftszweigen", sagt HWWI-Studienleiter Jan Wedemeier. Es wird also noch malocht in Essen, und hier und da rauchen noch ein paar Schlote, aber immer öfter rauchen kluge Köpfe.

Eine industrielle Basis verteidigen und zugleich Hightech und Kreativwirtschaft anziehen - der Stadt gelingt immer besser, wovon andere Industriestädte an der Ruhr wie Duisburg (Platz 22), Dortmund (25), Gelsenkirchen (28) oder Bochum (29) nur träumen können: ein robuster Strukturwandel, der sich von den einstigen Subventionsorgien emanzipiert hat. Gelingt es den Nachbarn nicht bald, Schritt zu halten mit Essen, drohen sie vollends abgehängt zu werden.

Ein Motor für Essens Genesung ist ein florierendes Biotop bürgerschaftlichen Engagements. Vor allem Unternehmer und Stiftungen füllen die Lücken, die der überschuldete Staat hinterlässt, oder sie drängen ihn, neue Wege zu gehen. Die alten Ruhr-Kämpen, neben dem Fixstern Beitz Konzernchefs wie Klaus Engel (56) von Evonik oder Ex-WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach (60), finden sich immer öfter an der Seite von neuen Anpackern. So gesehen ist die Stadt auch ein Laboratorium für den Strukturwandel in vielen Regionen Westeuropas.

Vorteil Schollenstolz

Sicher, anderswo mögen die Umgangsformen geschliffener sein. Auf Zugereiste können die Menschen zwischen Ruhr und Emscher, für die Currywurst und "Pommes Schranke" (rot-weiß) als Leckerbissen gelten, schon mal rau wirken. Aber das täuscht, findet Heinrich Deichmann. "Essener sind ehrlich, direkt und schnörkellos", sagt der Schuhhändler, "das halte ich für einen Standortvorteil."

Deichmann (50) sitzt in seinem Büro in der Firmenzentrale in Essen-Borbeck. Modisch schmal der Schlips, generationenbreit der Blick. 100 Jahre ist es her, dass sein Großvater Heinrich nur ein paar Straßen entfernt eine Schusterei eröffnete. Vater Heinz-Horst (86) machte aus einem kleinen Schuhhändler über vier Jahrzehnte einen Handelskonzern, den Sohn Heinrich seit 1999 führt. Heute steuert Deichmann von Essen aus 3325 Filialen in 23 Ländern und gebietet über 4,5 Milliarden Euro Umsatz.

Essen, eine reine Industriestadt? Von wegen. Neben den Deichmanns hat Essen auch mit den Albrechts (Aldi) noch eine milliardenschwere Händlerdynastie hervorgebracht. Beide haben die schollenstolze Ruhr-DNA aufgesogen und in unternehmerische Erfolgsmodelle gegossen. "Unsere Kunden haben uns von Anfang an geprägt", sagt Deichmann. "Die wollen ein reelles Angebot und ehrlich behandelt werden."

Ehrlich wächst am längsten. 620 Menschen beschäftigt Deichmann derzeit am Stammsitz. Und die nächste Ausbaustufe ist schon geplant. Der Edeka-Markt, der noch an einer Ecke des Grundstücks trutzt, muss wohl bald Platz machen.

Ja, sagt Deichmann, Wachstum sei schön für die Firma und die Stadt, aber in vielen Bereichen "hat Essen auch noch großes Potenzial nach oben".

Dafür braucht er nur von Borbeck gen City zu fahren. Pfandleihhäuser, Spielhallen und Wohnhäuser, auf deren Putz noch Asche aus den 50er Jahren zu pappen scheint, säumen die Strecke.

In Topstädten wie Frankfurt, München, Bonn oder Düsseldorf sind solche Gegenden inzwischen aufgehübscht. Nicht in Essen: So wie im Süden nahe Baldeneysee und Krupps Villa Hügel einige der reichsten Viertel der Republik liegen, gehören einige Stadtteile in Essen-Nord zu den ärmsten im Land. Der Paritätische Wohlfahrtsverband nennt das Revier in seinem Armutsbericht neben Berlin die "mit Abstand besorgniserregendste Region in Deutschland". Kaum irgendwo sonst lässt sich das Auseinanderklaffen der sozialen Schere so drastisch besichtigen wie in der 570.000-Einwohner-Stadt Essen.

Auch deshalb haben Vater und Sohn Deichmann den abgehängten Teil von Essen in den vergangenen Jahren mit knapp sechs Millionen Euro unterstützt. Sie bewahrten eine Grundschule vor der Schließung, unterstützen Kinderfreizeiten, Musikschulen oder Programme für schwer vermittelbare Jugendliche.

Deichmann weiß, dass Strukturwandel dort scheitert, wo sich alle Strukturen auflösen. Also springt er immer öfter dort ein, wo die öffentliche Hand ausfällt.

Sein Herzenswunsch für Essen? Ein besseres Image, sagt Heinrich Deichmann und seufzt: "Essen verkauft sich noch zu oft unter Wert." Das Folkwang-Museum, die Philharmonie, die er als Musikliebhaber so schätze, das viele Grün in der Stadt, all das werde noch zu selten offensiv kommuniziert.

Sich treu bleiben und zugleich frischer auftreten: Wie das gelingen kann, führt er in seinem Unternehmen vor. Er wirbt mit Topmodel Cindy Crawford und Hollywood-Star Halle Berry, und hier und da bietet er neben den 19,90-Euro-Tretern auch etwas luxuriösere Modelle an.

Und wann engagieren Sie Cindy Crawford, Herr Oberbürgermeister? Reinhard Paß (57) lächelt. Ein Supermodel als Werbeträger sei wohl nicht so angemessen. Aber eine so clevere Kampagne wie die Baden-Württembergs ("Wir können alles. Außer Hochdeutsch."), das würde ihm schon gefallen. "Denn es stimmt: Essen muss man noch erklären."

Das fällt dem SPD-Mann, der seit 2009 die Stadtverwaltung führt, naturgemäß leicht. Das Kulturangebot! Die Rückkehr von ThyssenKrupp  2010 aus Düsseldorf! Das neue Viertel "Grüne Mitte", das den armen Norden näher an die City holt! Die Rekordinvestitionen in die Messe!

Schluss mit Werbung. Zu Übermut, räumt Paß ein, gebe es natürlich noch keinen Anlass. Die neuen Spielräume im Etat verdankt er auch zusätzlichen Landesmitteln von 540 Millionen Euro bis 2019. Aber es tue sich etwas, und den Moment der Initialzündung kann der OB auch ganz genau ausmachen: Das war das Jahr 2010, als Essen als Europas Kulturhauptstadt amtieren durfte. Sogar Topmanager bekommen noch glänzende Augen, wenn sie vom "Still-Leben" schwärmen, jenem Sommersonntag, an dem die A 40, die das Revier von Ost nach West durchschneidet, für Autos gesperrt und den Bürgern überlassen wurde.

Weil eine Stadt aber nicht nur von schönen Erinnerungen leben kann, hat Paß "Essen.2030" gestartet. Gemeinsam sollen Politik, Wirtschaft und Bürger Leitplanken setzen, an denen sich die Stadtpolitik künftig orientiert. Die Strategieberater von Roland Berger holte der OB als Co-Piloten mit ins Boot.

Mit dem Manöver reagiert Paß auch auf die Ebbe in den öffentlichen Kassen, denn zu den Schulden kommt schließlich bald noch die Schuldenbremse - in Essen wie in den meisten Großstädten. Da heiße es Prioritäten setzen, sagt Paß: "Die Zeit der Gießkanne ist vorbei."

Wie manches andere verdankt die Stadt auch den Strategieprozess vor allem privatem Engagement. "Essen.2030" bezahlt vor allem die Wirtschaft. Deren Treue hat eine lange Tradition.

Den Konzernen verdankt die Stadt, dass sie den großen Umbau für die bergfreie Zeit - die letzte Zeche, Zollverein, sperrte 1986 zu - besser wegsteckte als ihre Nachbarn. Die Drähte zwischen Politikern und Managern sind von jeher kurz, zu RWE auch deshalb, weil die Stadt 18,8 Millionen Aktien des Versorgers hält. Ob die Konzerne auch gute Steuerzahler sind, darüber schweigt Paß galant, es gelte ja das Steuergeheimnis.

Konzerne gehen in Sack und Asche

Mancher hält die Konzerne gar für ein Klumpenrisiko. Schließlich gehen einige von Essens Vorzeigeunternehmen gerade in Sack und Asche. ThyssenKrupp  schrieb zuletzt Milliardenverluste, RWE  ächzt unter der Energiewende (was die Stadt über die Dividendenkürzung anno 2012 schmerzliche 28 Millionen Euro pro Jahr kostet), Eon  stutzt seine Tochter Ruhrgas klein, Arcandor  wird liquidiert.

Bislang jedoch engagieren sich die Großunternehmen für ihre Heimatstadt. Evonik, das allein am Standort in der Goldschmidtstraße auf 27 Hektar 1528 Menschen in Produktion und Forschung beschäftigt, hat dort gerade 31 Millionen Euro in zwei neue Forschungslabors gesteckt. Der Konzern, der von der früher den Pott dominierenden Ruhrkohle AG (RAG) abstammt, fördert Realschulen, schickt Mitarbeiter in Grundschulen und Kindergärten, um die Kleinen für Naturwissenschaften zu begeistern, oder vergibt Dutzende Stipendien an Studierende der Universität Duisburg-Essen.

RWE verlegt gerade das weltweit modernste Stromkabel der Welt in Essen, als Trockenübung für die Energiewende. Der Versorger ist allgegenwärtig als Förderer der Kultur und sponserte das neue Fußballstadion von Viertligist Rot-Weiss Essen mit zwei Millionen Euro. Ex-RWE-Boss Jürgen Großmann (61) stiftete privat sogar eine ganze Schule.

Als eine der wenigen der alten Industriestädte scheint Essen die Chance zu haben, den Anschluss an die Spitzenstandorte zu halten. Deutschlands Wirtschaftsstruktur polarisiert sich zusehends. Städte wie Frankfurt, München, Düsseldorf und zunehmend auch Berlin ziehen immer mehr Menschen und Investitionen an. Während in den Boom-Towns die Immobilienpreise rasant steigen, gehen in Wuppertal, Chemnitz oder Kiel die Lichter aus.

Auch regional wird das soziale Gefälle im Land immer größer - und die Verteilungskämpfe immer erbitterter.

Bayern und Hessen klagen vor dem Bun- desverfassungsgericht gegen den Länder- finanzausgleich, weil sie von den lahmeren Ländern mehr Eigeninitiative verlangen. Und die beiden Regionen der Republik, die am weitesten zurückliegen, das Ruhrgebiet und die Ost-Bundesländer (mit Ausnahme von Dresden und Leipzig), zanken um den Soli: Vergangenes Jahr forderte eine Phalanx von Ruhr-Politikern, Schluss zu machen mit der Sonderabgabe Ost, für die Pleitestädte wie Oberhausen, Dortmund oder Essen noch extra Kredite aufnehmen müssen.

Einzelne Städtenamen nimmt einer wie Bernhard Lorentz (41) nur ungern in den Mund. Für den Chef der Stiftung Mercator ist die Ruhr eine Metropolregion, in der das Schicksal des einen von dem des anderen abhängt. Er begreift das Ruhrgebiet als Experimentierfeld für das ganze Land: "Nirgendwo sonst lassen sich Antworten auf drei der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft - Demografie, Bildung und Integration - auf so engem Raum testen wie hier."

Die Sorge ums Ruhrgebiet haben ihm die Stifter aufgetragen. Dank der Familie Schmidt, die einst den Handelskonzern Metro mitgründete, gehört Mercator mit einem Etat von zuletzt 60 Millionen Euro pro Jahr zu den größten privaten Stiftungen in Deutschland. Und mit Mercator, der Krupp-Stiftung und der RAG-Stiftung, die Ruhrveteran Werner Müller (66) leitet, ist Essen Stiftungsstandort Nummer eins im Land, eine Hochburg bürgerschaftlichen Engagements.

Allen lokalen Erfolgsmeldungen und Ranking-Platzierungen zum Trotz: "Allein kann Essen den Strukturwandel nicht schaffen", sagt Lorentz. Das gehe nur über mehr Kooperation entlang der Ruhr. Damit ist es aber nicht weit her: Die Revierkämpfe der Kommunen sind legendär, nicht nur im Fußball. So fahren etwa Straßen- und U-Bahnen je nach Kommune auf unterschiedlichen Spurbreiten - kein Wunder, dass der öffentliche Nahverkehr die fünf Millionen Bürger im Revier bis heute eher trennt als eint. Die Politik versagt.

Also nötigt Stiftungschef Lorentz, dessen selbstbewusste Art einem stählernen Ruhrbaron alle Ehre macht, die Amtsträger zum gemeinsamen Anpacken.

Die drei Universitäten Duisburg-Essen, Dortmund und Bochum lockt Lorentz in neue Kooperationen, indem er nur Projekte fördert, die mindestens zwei Unis gemeinsam angehen. Die 53 Ruhr-Kommunen zwischen Duisburg und Dortmund holte Mercator für einen Vergleich ihrer Bildungssysteme an einen Tisch, um voneinander zu lernen. Schließlich liegen Essen und die Ruhr bei Zahl und Qualität der Abschlüsse noch deutlich hinter den Topstädten im Land zurück.

Kurzum: "Wir wollen Angebote machen, die schwer abzulehnen sind", sagt Stiftungsleiter Lorentz kess.

Pumpen für die Nasa

Stiftungen und Konzerne mühen sich, den Struktur- und Mentalitätswandel voranzutreiben. Dass inzwischen auch Mittelständler mitmischen, zeigt, dass die Region nicht mehr allein von den Großunternehmen dominiert wird.

Vera Schwarzer (44) steht hinter einer Panoramascheibe im dritten Stock ihres neuen Firmensitzes und blickt auf Essens Skyline: RWE-Turm (127 Meter hoch), Evonik-Sitz, Postbank-Hochhaus. Sollten die Konzerne künftig schrumpfen, wäre das weniger tragisch für die Stadt als noch vor zehn Jahren, sagt Schwarzer: "Denn Essens Wirtschaft steht heute auf einem breiteren Fundament." Immer mehr Mittelständler erobern mit Grips und Geschick von hier aus den Weltmarkt, ob mit Hightech oder mit Web 2.0. Auch das erklärt den Zuwachs an Jobs für Hochqualifizierte, den Essen zuletzt verzeichnete.

Ihre Firma Schwarzer Precision ist ein Beispiel für geglückten Strukturwandel der unternehmerischen Art. Bis in die 90er Jahre stellte der Familienbetrieb Pumpen für Aquarien her, Lowtech-Massenware für Zierfischfans. Früh sattelten die Schwarzers um auf Hightech-Minipumpen für Kunden wie Vaillant oder Siemens. Benötigt die US-Weltraumbehörde Nasa eine Pumpe für eine Mission im All, wählt sie heute die Essener Vorwahl 0201. Auch im Auto von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel tat schon eine Pumpe aus Essen Dienst.

"Unser Markt ist die ganze Welt", sagt Vera Schwarzer, "in Essen haben wir keinen einzigen Kunden." Macht nichts, das Geschäft brummt. Den neuen Sitz für ihre 50 Mitarbeiter hat Schwarzer zu 100 Prozent mit eigenen Mitteln finanziert.

Die Unternehmerin, die sich zuvor nie politisch engagiert hatte, ist nun Patin für das Thema Wirtschaft bei "Essen.2030". Warum? "An vielen Stellen in der Stadt spüre ich eine Aufbruchstimmung", sagt Schwarzer. Aber die Strategiedebatte müsse auch bald in konkrete Projekte münden, warnt sie, sonst könne das Momentum wieder verspielt werden.

Ihre größte Sorge ist das fehlende urbane Lebensgefühl. Nachkriegsbausünden prägen das Stadtbild, eine echte City gibt es nicht. Doch gerade solche weichen Faktoren sind es, die Topqualifizierte anlocken, welche wiederum neue Ideen und Investitionen mitbringen und neue anziehen - ein sich selbst verstärkender Effekt. Nur so kann die Stadt den Aufschwung stabilisieren und den Bevölkerungsschwund stoppen.

Denn seit mehr als 20 Jahren, da geht es Essen nicht besser als den Nachbarn Bochum oder Duisburg, verliert die Stadt Jahr für Jahr Einwohner. Bis 2025 rechnet das HWWI mit einem Rückgang von fast 5 Prozent - das wären fast 30.000 Bürger weniger als heute.

Immerhin konnte OB Paß zu Jahresbeginn einen Erfolg melden: Erstmals seit 1990 hatte Essen am Ende eines Jahres mehr Bürger als zu Beginn - genau 1013 mehr waren es 2012.

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für Deutschlands Nummer zehn.

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Städteranking: Wo die Mieten am stärksten steigen

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance/ dpa

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