Donnerstag, 27. Juni 2019

Milliardenschwerer Börsengang des Streaming-Dienst Hohes Wachstum, keine Gewinne - gelingt Spotify der Börsen-Coup?

Keine Gewinne, aber Marktmacht: Spotify-Chef Daniel Ek Mitte März auf seiner Werbetour für Investoren in New York.

5. Teil: Denn sie wissen, was du hören willst

Es wäre töricht, Spotify zu beschädigen."

Ein langjähriger Manager der Musikindustrie

Das Risiko liegt für die Musikindustrie darin, dass ihre Inhalte für die Tech-Giganten austauschbar sind. Nicht wenige Labelmanager erinnern sich noch gut daran, wie Apple plötzlich das iTunes-Angebot erweiterte. "Wir konkurrierten plötzlich mit Filmen und TV-Serien um die Aufmerksamkeit", sagt der ehemalige Aufsichtsrat eines großen Labels. "Es wäre töricht, irgendwas zu tun, was Spotify beschädigt."

Auf diese Einsicht setzt Ek, zugleich baut er die eigenen Stärken zielstrebig aus.

Im Spotify-Büro im New Yorker Flatiron District ist es eng geworden, auf zwei Etagen drängen sich über 500 Mitarbeiter. Die meisten sind unter 30. Neben Playstations, Smoothies und Granola-Riegeln steht ihnen ein 3-D-Drucker zum Spielen zur Verfügung. "Zur Entspannung", wie eine Mitarbeiterin bemerkt.

Hier arbeiten sie daran, die Hörgewohnheiten ihrer Kunden noch präziser zu analysieren, als es bislang möglich war.

Die Codemaschine, die sie in New York bauen, soll die Arbeit von Kuratorinnen wie im Berliner Spotify-Büro nicht ersetzen, sondern ihren Effekt vervielfachen - wie ein Verstärker am DJ-Deck.

Wenn die Kollegen in Berlin einen Track auf die "Swag!"-Playlist schiebt, registrieren die Algorithmen der New Yorker Kollegen genau, wie viele Nutzer ihn dort zu Ende hören, speichern oder in ihre eigenen Listen übernehmen. Die Datenmaschine generiert daraus Empfehlungen für Flaggschiff-Playlists wie "Top Hits Deutschland" (knapp eine Million Abonnenten) oder "Today's Top Hits" (über 13 Millionen). Dort versammelt Spotifys Software jene Lieder, die zuletzt den intensivsten Auftrieb hatten.

Das Datendestillat bildet auch die Grundlage für "Dein Mix der Woche", eine von Spotify erstellte personalisierte Liste mit Hörempfehlungen für jeden einzelnen der 43 Millionen Bezahlabonnenten. Analysten sind sich einig, dass nicht einmal Google den Musikgeschmack so genau treffen könne. So wird die Suche nach neuer Musik überflüssig, die Abhängigkeit von Spotify wächst.

Eks Investoren wetten darauf, dass das Verhältnis zur Musikindustrie immer mehr von Spotify dominiert wird; dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Dienst die Bedingungen diktiert.

Der Kurs von Eks Herrschaftswissen dürfte weiter steigen. Die Schweden könnten sich künftig dafür bezahlen lassen, Labels und Künstlern den Zugang zu ihren Fans zu öffnen. Möglich wären beispielsweise Nachrichten aufs Smartphone, wenn in der Nähe ein Konzert der Lieblingsband geplant ist. Spotify würde dann doppelt abkassieren: bei den Nutzern und bei den Künstlern.

"Wenn man Spotify als Marktplatz denkt, wird es sehr spannend", sagt einer von Spotifys großen Risikokapitalgebern. Anders gesagt: Da ist Musik drin.

Diese Analyse des Geschäftsmodells von Spotify basiert auf einem mm-Report aus der Ausgabe 3/2017 des manager magazins. Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

© manager magazin 3/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung