Dienstag, 17. September 2019

Spielsucht bei Managern Das Hoeneß-Syndrom

Im Sog der Märkte: Manager, die den Kick suchen
REUTERS

5. Teil: Zehnmal stärker als Sex

Das Dopaminlevel ist die zentrale Maßeinheit dafür, wie stark die Sucht das Gehirn manipuliert. Nikotin kann den Dopaminspiegel um 200 Prozent erhöhen, Kokain um 400 Prozent und Amphetamin um 1000 Prozent. Zum Vergleich: Durchschnittlicher Sex bringt ein Plus von 100 Prozent auf der Dopaminskala. Psychologen und Ärzte sind überzeugt davon, dass Spielsucht eine ähnlich starke Abhängigkeit erzeugt wie der Großteil der klassischen Drogen.

Die erschreckendste Parallele zur Alkohol- oder Kokainsucht: Ab einem bestimmten Zeitpunkt setzt auch bei den Finanzzockern nur noch der Börsenkick das ersehnte Dopamin frei. Alles andere empfinden sie als fad und öde. Und wie Junkies brauchen auch Spieler immer stärkere Reize.

"So wie ein Alkoholiker, der die Dosis immer weiter steigern muss, gewöhnen sich wohl auch Trader an ein bestimmtes Risikolevel und werden von dem unwiderstehlichen Drang getrieben, ihre Finanzwetten über jedes vernünftiges Maß hinaus zu vergrößern", sagt Ex-Derivatehändler Coates.

Letztlich aber lässt sich die Dopamindosis nicht unendlich steigern - selbst durch unbegrenzte Mengen Spielgeld nicht. "Das Gehirn hat nur eine begrenzte Zahl von Dopaminrezeptoren", sagt Psychologin Mörsen von der Charité. "Ab einem bestimmten Niveau verschafft die Sucht deshalb kein Glücksgefühl mehr. Dann spielen Sie nur noch weiter, um zu funktionieren."

Obwohl sie atemberaubende Summen aufs Spiel setzen, fühlen sich schwerstabhängige Spieler am Ende nicht einmal mehr halbwegs gut. "Dann", sagt Mörsen, "gleiten sie in die Depression ab."

Viele ihrer Patienten haben bereits einen Selbstmordversuch hinter sich, wenn sie zu ihr in die psychiatrische Ambulanz kommen. Manche, die an der Börse viel Geld verloren haben, überleben diesen Schicksalsschlag nicht.

© manager magazin 7/2013
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