Sonntag, 15. September 2019

Spielsucht bei Managern Das Hoeneß-Syndrom

Im Sog der Märkte: Manager, die den Kick suchen
REUTERS

2. Teil: Die Suche nach dem Kick

Nicht wenige Firmenlenker versuchen es dennoch, wollen das Gefühl auskosten, den Markt zu schlagen, den Triumph genießen, besser zu sein als der traurige Rest der Verlierer. "Gerade Manager und Unternehmer sind anfällig für derartige Kicks", sagt Christoph Middendorf, Chefarzt der Oberbergklinik Schwarzwald. Mehrere Dutzend Börsenzocker hat er in seinen 19 Jahren als Suchttherapeut in der Privatklinik schon behandelt.

"Das sind Erfolgsmenschen, die Unabhängigkeit ausstrahlen und ihre Autonomie betonen", sagt Middendorf. Vor allem sind sie besonders empfänglich für das trügerische Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Gerade die mächtigen Wirtschaftslenker neigen zu der Selbsttäuschung, dass sie die Börse ebenso dominieren können wie die eigene Firma.

"Jemand mit großer wirtschaftlicher Erfahrung kann sich über lange Zeiträume einreden, dass er eben doch den Durchblick am Finanzmarkt hat, anstatt spielsüchtig zu sein", sagt Middendorf.

Druck von außen

Alles unter Kontrolle: So sah sich auch Uli Hoeneß (61), Präsident des FC Bayern München und im Nebenberuf Wurstfabrikant. Dessen Abhängigkeit vom Auf und Ab an den Finanzmärkten flog nach einer öffentlich gewordenen Selbstanzeige bei den Steuerbehörden auf. Über eine Schweizer Privatbank hatte der einstige Fußballnationalspieler seit der Jahrtausendwende mit Millionenbeträgen am Devisenmarkt spekuliert.

"In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt. Das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, das war teilweise extrem", sagte Hoeneß der "Zeit".

Genau wie Erwin Müller reduzierte auch Hoeneß seine Devisenwetten erst auf Druck von außen. Das war 2006, als es finanziell eng wurde für den Bayern-Manager. "Ich habe zu viele Verluste gemacht. Ich konnte nicht mehr so viel zocken", räumt er ein. Aufgehört aber hat er nicht - auch auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 verlor er hoch.

© manager magazin 7/2013
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