Donnerstag, 27. Februar 2020

Technologiekonzern Warum sich Bosch neu erfinden muss

Bosch: In der Sonnenfinsternis
[M] Dirk Bruniecki für mm

Solarpleite, Gewinneinbruch, Wachstumsschwäche: Bosch-Chef Volkmar Denner hat viel zu verarbeiten. Der weltgrößte Automobilzulieferer braucht dringend frischen Wind.

Robert Bosch, der Gründer des Weltunternehmens, hat in den ersten zehn Jahren seines Wirkens nur Verluste geschrieben. Dies zum Trost.

Arnstadt: Bosch verkauft den Großteil seines Solargeschäfts an den Konkurrenten Solarworld Börsen-Chart zeigen, sichert dabei 1100 Arbeitsplätze - und hinterlässt doch eine verheerende Bilanz: Einstieg 2008, Verlust bis Ende 2012 inklusive Abschreibungen 2,4 Milliarden Euro. 2013 noch einmal Sonderbelastungen von etwa 1,3 Milliarden Euro, ein Kompositum unter anderem aus Verlusten aus dem laufenden Betrieb und einer Mitgift in dreistelliger Millionenhöhe für den Käufer des größten Werks. Dazu kommen Kosten für Garantien und Lieferantenentschädigungen sowie weiter Multimillionenverluste beim Anfang Februar abgeschlossenen Verkauf der Aktienmehrheit an Aleo Solar.

Homburg an der Saar: Bosch baut hier Dieselpumpen. Ein Vorzeigewerk, preisgekrönt mit dem "Lean & Green Efficiency Award 2013", Produktivitätsgewinne zwischen 5 und 8 Prozent pro Jahr. Doch der Markt in Südeuropa schwächelt; ein unprofitabler Großauftrag von Mercedes wird nach und nach ins tschechische Jihlava verlagert. Langfristig sind bis zu 1000 Stellen gefährdet, die Produktivität soll künftig um jährlich 8 bis 12 Prozent steigen.

Lohr am Main: Die Bosch-Maschinenbautochter Rexroth sollte 2013 rund 6,7 Milliarden Euro umsetzen. Daraus wird nichts. Immer tiefer sinken die Planzahlen seit Jahresbeginn, aktuell liegen sie zwischen 5,3 und 5,5 Milliarden Euro.

Es setzt mediale Schläge für die Schwaben: "Schwerfälliges Konglomerat", kommentierte das "Handelsblatt", "Bosch gerät in Schwierigkeiten" die "FAZ".

Denners Renditeziele weit entfernt - Bosch ist zu teuer

Tatsächlich bleibt das große Ziel von Bosch-Chef Volkmar Denner (57), jedes Jahr 8 Prozent Wachstum und 8 Prozent operative Umsatzrendite zu erzielen, weit entfernt. Und das, obwohl die Besten der Branche, Conti oder Schaeffler, auf zweistellige Margen kommen. Bosch dürfte 2013 bei etwa 3 Prozent Rendite landen. Selbst der inoffizielle Titel des weltgrößten Autozulieferers gerät in Gefahr.

Bosch ist zu teuer. In Renditeprozentpunkten gerechnet, entwickelt, produziert und verwaltet Continental Börsen-Chart zeigen geschätzt fünf Punkte billiger als die Stuttgarter.

Dabei ist die Lage bei der Urzelle, dem Auto, trotz der hohen Kosten wieder ordentlich. Doch je weiter man sich entfernt, umso schwieriger wird es. Der Maschinenbauer Rexroth, die Thermotechnik rund um Heizungsspezialist Buderus, überall gibt es Probleme. Der Traum, Bosch zu einer Macht im Energiegeschäft zu machen, ist nach dem Solardesaster geplatzt.

Denners Vorgänger Franz Fehrenbach (64) hatte das Leitbild des "grünen Bosch" entwickelt. Eine Illusion, wie man nun weiß. Eine neue Vision fehlt. Denner bleibt sie auch nach anderthalb Jahren im Amt schuldig.

© manager magazin 1/2014
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