Samstag, 25. Mai 2019

Porträt des umstrittenen Karstadt-Eigentümers Die Bändigung des René Benko

René Benko: Der Selfmademann
DPA / Signa

3. Teil: Schutz vor bösen Überraschungen

In den vergangenen Jahren hat er die Risiken rigide zurückgefahren. Die Immobilien sind nur mehr zu 50 Prozent beliehen, die Restlaufzeit der Kredite beträgt im Schnitt 17 Jahre bei einer Zinsbelastung von unter 2,5 Prozent. Zugleich laufen die Mietverträge seiner Objekte noch länger als 20 Jahre. All das schützt vor Überraschungen auf der Zins- und Mieterseite.

Seine rufschädigenden Verbindungen hat Benko weitgehend gekappt. Steinmetz fand er mit Karstadt-Immobilien ab, von denen der schon einige weiterverkauft hat. Economou zahlte er in zwei Tranchen aus.

Bei der Finanzierung half ihm die Züricher Falcon Private Bank, die dem Staatsfonds von Abu Dhabi gehört. Auch der langjährige Chef der Schweizer Schokoladen- fabrik Lindt & Sprüngli, Ernst Tanner (70), durch Aktienoptionen steinreich geworden, gab Geld. Beide Partner stiegen 2015 als Aktionäre bei der Signa Holding ein - Falcon mit 30,6, Tanner mit 10 Prozent. Die neuen Miteigner der Holding waren zuvor bereits an Signa-Untergesellschaften beteiligt.

In diesem November hat Benko die Falcon Bank wieder aus der Holding herausgekauft, bei zwei Signa-Töchtern bleibt sie beteiligt. Das Institut war in die Schlagzeilen geraten, weil es wegen Geldwäsche von der schweizerischen Aufsichtsbehörde Finma bestraft worden war. Der Anteil von Benkos Familienstiftung an der Signa Holding beträgt jetzt 90 Prozent, den Rest hält nach wie vor Tanner.

Unangenehme Überraschungen im Eigentümerkreis sind nun nahezu ausgeschlossen. Tanner, Benko und auch dessen neuer Chairman Berninghaus vertrauen einander und sehen sich häufig in Zürich.

Jeden zweiten Sonntag fährt Berninghaus von seinem Dienstsitz ins 300 Kilometer entfernte Innsbruck zu Benko. Früher trafen sich die beiden dort nur gelegentlich, als Freunde. Heute ist der eine der oberste Angestellte des anderen.

© manager magazin 12/2016
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