Sonntag, 15. Dezember 2019

Decathlon Der Sport-Aldi

Sporthandel: Decathlon und die Konkurrenz
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3. Teil: Die neue Strategie funktioniert

Die neue Strategie funktioniert, der Markt öffnet sich - und das nötige Kapital kann sich Decathlon jederzeit bei seinem Eigentümer in Roubaix besorgen. Dort hat einer der reichsten Clans Frankreichs seine Wurzeln, die Familie Mulliez. Die ist so verschlossen wie die Albrechts (Aldi), so katholisch wie die Brenninkmeijers (C&A) und so zahlreich wie die Haniels mit ihren mehr als 600 Gesellschaftern.

In nur vier Generationen haben die Mulliez ein Handelsreich mit mehr als 90 Milliarden Euro Jahresumsatz, 8000 Filialen, Dutzenden Marken und einer halben Million Angestellten geschaffen. Das Clanvermögen wird auf 35 bis 60 Milliarden Euro taxiert. Das macht sie viel reicher als die Henkels, Deutschlands vermögendste Großfamilie.

Leitstern in der Galaxie Mulliez ist die Großmarktkette Auchan mit einem Umsatz von zuletzt 55,8 Milliarden Euro. Aber die Dynastie verkauft auch Mode, Fernseher, Hamburger und Bohrmaschinen. Kürzlich übernahmen die Mulliez über ihre Tochter Mobivia die rostige Werkstattkette ATU.

Wie sie ein solches Imperium schaffen konnten, illustriert eine Geschichte, die man sich bei Auchan über Vianney Mulliez (53) erzählt, der den Händler seit 2010 führt. Als er eine neue Filiale in Frankreich eröffnet hatte, machte er sich auf den Weg ins lokale Billighotel "Ibis". Den staunenden Kollegen sagte Mulliez: "Na und? Ist doch nur zum Schlafen, warum mehr bezahlen?" Zum Hotel ging der Mitinhaber eines der größten Handelskonzerne der Welt übrigens 45 Minuten zu Fuß. Ein Taxi? Zu teuer.

Familie Mulliez: Bodenständig, effizient und hart gegen die Konkurrenz

So haben die Mulliez ihr Imperium geschaffen: sparsam, bodenständig, effizient und so hart gegen sich selbst wie gegen die Konkurrenz.

Stammvater Louis Mulliez (1877 - 1952) hatte einst in Roubaix eine Spinnerei hochgezogen. Die Stadt war das Zentrum von Europas Textilindustrie, das Manchester des Kontinents. Zwölf Kinder brachte seine Frau zur Welt. Bis heute sind die Mulliez streng katholisch, Scheidungen sind verpönt. Ein Kind starb früh, eine Tochter ging ins Kloster. Die Übrigen begründeten jene zehn Stämme, die die Familie und ihre etwa 700 Gesellschafter gliedern.

Das oberste Prinzip des Clans lautet "Tous dans tout" - wörtlich: "Alle in allem". Jeder Gesellschafter hält über die gemeinsame Holding AFM (Association familiale Mulliez) Anteile an allen Firmen. Zugleich ist jeder Mulliez gehalten, sich als Unternehmer zu versuchen - mit oder (zunächst) ohne die Familie. Fast alle Töchter der AFM sind von Clanmitgliedern aufgebaut worden. Auchan etwa geht auf Gérard Mulliez (85) zurück.

Erst allein, dann gemeinsam: So war es auch bei Decathlon. Gegründet hat die Kette Michel Leclercq (77), Spross aus dem sechsten Stamm. Gelernt hat der junge Michel bei Cousin Gérard in Auchans Fleischabteilung. 1976 machte er sich mit Decathlon selbstständig. Als die Expansion für Leclercq zu teuer wurde, stieg die Familie ein.

Ihr Reich regiert die Sippe mit einer Mischung aus Manchester-Kapitalismus und Gutmenschentum. Nach innen gilt das Leistungsprinzip. In eigenen Firmen werden Clanmitglieder - etwa 100 Gesellschafter arbeiten dort - nicht bevorzugt. Nach oben führt nur die Ochsentour.

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