Geheimplan im Hamburger Rathaus Scholz will HSH Nordbank aufspalten

Auf großer Fahrt: Bürgermeister Scholz (r.), HSH-Chefkontrolleur Mirow und Bankchef von Oesterreich (o.)

Auf großer Fahrt: Bürgermeister Scholz (r.), HSH-Chefkontrolleur Mirow und Bankchef von Oesterreich (o.)

Foto: Frank Hoppmann für manager magazin

Hamburgs SPD-Bürgermeister Olaf Scholz (56) sieht die Welt nüchtern, überschwänglich wird er allenfalls im Zusammenhang mit eigenen Wahlerfolgen. Damit steht er in der Tradition der Bundeskanzler, die die Hansestadt hervorgebracht hat: Helmut Schmidt (96) verabscheut Visionen, Angela Merkel (60) programmatische Aussagen.

Umso bemerkenswerter ist ein Geheimplan, der auf den Rathausfluren ausgeheckt wird: Der Bürgermeister will die HSH Nordbank völlig neu aufstellen - und damit auch einem drohenden Abwicklungs-Ukas der EU-Kommission zuvorkommen. Die Landesbank, an der Hamburg zusammen mit Schleswig-Holstein 85 Prozent der Anteile hält, könnte aufgespalten werden:

  • in eine gesundgeschrumpfte Good Bank, die sich auf Firmen- und Immobilienfinanzierung sowie die Vergabe neuer Schiffskredite konzentriert;
  • und eine externe Bad Bank, die mit dem Not leidenden Schiffskrediten befüllt wird. Die hat die HSH zwar bereits in ihre Abbaubank ausgelagert; die aber belastet die Konzernbilanz und verzerrt die Leistungskraft der guten Teile.

Dafür würde Scholz Eigenkapital nachschießen. Im Gegenzug würde er gern den zehn Milliarden Euro großen Garantieschirm zuklappen. Der soll die HSH schützen, sobald sie Verluste über 3,2 Milliarden Euro hinaus nicht mehr tragen kann. Der Senat teilte nur mit, man befinde sich im engen Austausch mit Brüssel und der Bank.

Exekutieren soll das heikle Unterfangen HSH-Aufsichtsratschef Thomas Mirow (62; SPD). Der Ex-Senator und ehemalige Finanzstaatssekretär im Bund wurde auf Betreiben von Scholz eingesetzt und steht diesem an Nüchternheit in nichts nach, ist letztlich aber nur ausführendes Organ.

Scholz, der wie die Bundeskanzlerin die Dinge gern vom Ende her denkt, möchte mit der HSH schon jetzt eines der Hindernisse für seine Wiederwahl 2020 abräumen. Die Bad Bank soll schonend über die Zeit abgewickelt werden, was dank der Gier liquiditätspraller Finanzinvestoren nach verwertbaren Assets möglich scheint. Die Good Bank soll als Mittelstandsfinanzierer von überschaubarer Größe am Leben erhalten und gegebenenfalls später am Markt platziert werden. Langfristig, so glaubt Scholz, ist mit der Nordbank kein Staat mehr zu machen.

"Wenn alles gut geht, werden wir das gesamte Ausmaß der Folgen dieses unverantwortlichen HSH-Abenteuers Anfang der 20er Jahre beziffern können", sagte er jüngst in seiner Regierungserklärung.

Tatsächlich ist die HSH der größte Sorgenfall unter den Landesbanken. Die Schwestern in Hessen und Baden-Württemberg glänzen, BayernLB und NordLB kommen halbwegs über die Runden. Der HSH dagegen droht das Schicksal der WestLB: die Abwicklung.

Foto: manager magazin

Noch immer läuft das Beihilfeverfahren der EU-Kommission. Sie prüft, inwieweit die staatlich gestützte HSH den Markt verzerrt. Die Nordbank war 2009 von Hamburg und Kiel gerettet worden: mit drei Milliarden Euro Eigenkapital sowie dem Garantieschirm. Der war zwischenzeitlich auf sieben Milliarden Euro geschrumpft, musste 2013 aber wieder auf zehn Milliarden Euro vergrößert werden - zu groß sind die Risiken aus dem Portfolio an faulen Schiffskrediten (siehe Grafik). Die bereiten gleich dreifach Probleme:

  • Bis heute haben die Charterraten nicht den Schock der Weltwirtschaftskrise verdaut; entsprechend schwierig ist es für die Reeder, ihre Kredite zurückzuzahlen;
  • zudem hat die HSH eine Flotte von Containerschiffen finanziert, die überflüssig sind, weil zu klein. Das Problem wird noch größer, sobald die Vertiefung des Panamakanals abgeschlossen ist;
  • viele Darlehen sind in Dollar fakturiert. Mit dem steigenden Greenback bläht sich das Kreditrisiko auf. So rechnet Bankchef Constantin von Oesterreich (62) damit, den Garantieschirm zwischen 2019 und 2025 im Umfang von 2,1 Milliarden Euro zu beanspruchen - das sind 500 Millionen Euro mehr, als noch 2014 angenommen. Und das dürfte nicht das letzte Wort gewesen sein.

Beihilfeverfahren, Schiffskrise, Dollar-Stärke: Nach Gründen, um gegenzusteuern, braucht Scholz nicht zu suchen. Für den U-Turn auf hoher See, für den er das Plazet der EU-Kommission braucht, ist er zu Opfern bereit. Allen voran zum Verzicht der Prämien, die die HSH an ihre Eigentümer dafür zahlen muss, dass die den Garantieschirm bereitstellen. 4 Prozent der Garantiesumme muss sie auf EU-Geheiß zahlen. In Magerzinszeiten ein einträgliches Geschäft: Seit 2009 sind so bereits 2,2 Milliarden Euro nach Hamburg und Kiel geflossen.

Dem Bürgermeister ist klar, dass er ins Obligo muss, will er die HSH aufspalten und teilweise abwickeln. Im Rathaus wird mit gut drei Milliarden Euro gerechnet, die man benötigt. Angesichts der ultraniedrigen Zinsen am Anleihemarkt bleibt das Risiko aber kalkulierbar.

Schwieriger wird die Abstimmung mit den Resteignern Schleswig-Holstein, den dortigen Sparkassen und Finanzinvestor JC Flowers. Denkbar wäre etwa, Flowers, Spezialist im Verwerten fauler Assets, stärker an der Bad Bank zu beteiligen.

Wieder anders ist die Lage in Schleswig-Holstein: Das Land segelt finanziell hart am Wind, die dortigen Sparkassen sind klamm und mussten mehrfach ihresgleichen stützen. In Kiel wäre man heilfroh, das HSH-Investment glimpflich zu beenden.

Das politische Risiko für Ministerpräsident Torsten Albig (52) wäre der Verlust von rund 1000 Arbeitsplätzen in Kiel. Klar ist, dass Scholz, wenn er schon den Tatort reinigt, bei der Good Bank den Zugriff haben will. Das gilt auch für den Erlös bei einem etwaigen Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt. Ganz nüchtern betrachtet.

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