Dienstag, 21. Mai 2019

Schifffahrt Die unheilvolle Allianz von Politik und Großreedern

Schifffahrt: Schiffe versenken
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5. Teil: Kapitel IV: Der Profiteur - Ein Baulöwe aus Bremen wird Reederkönig

Seit Jahrhunderten schauen die Hamburger auf ihre Vettern in Bremen mit einer Mischung aus Herablassung und paternalistischer Fürsorge. Bitter, wenn man auf die Verwandtschaft aus der kleineren Hansestadt auf einmal angewiesen ist.

Wie auf Kurt Zech. Der Unternehmer hat die nach der Familie benannte Gruppe zum Milliardenimperium ausgebaut, unter deren Holdingdach Gewerbeimmobilien und Hotels entwickelt, gebaut und bewirtschaftet sowie Industriebeteiligungen verwaltet werden. Zech hat den Düsseldorfer Kö-Bogen und die Ostkurve des Weserstadions errichtet und sein Vermögen auf rund 700 Millionen Euro ausgebaut.

Seit Neuestem ist er auch Reeder. 2013 gründete er die Tochter Zeaborn, um bei Schiffsinsolvenzen billig zuzuschlagen. Jetzt, wo die EZB den Druck auf die Banken, ihre Bilanzen aufzuräumen, brutal erhöht, schlägt seine Stunde. In mehreren Schritten schnappte sich Zeaborn den Großteil der insolventen Rickmers Holding, die Bertram Rickmers ins Elend gesteuert hatte.

Zech, den Vertragspartner als robust und klagewillig erleben, besitzt nun Rickmers' Kerngeschäft Shipmanagement, in dem mehr als 100 Schiffe betreut werden, die Sparte Schiffsbeteiligungen soll hinzukommen. Für den Liniendienst inklusive fünf Schwergutfrachtern legte die Rickmers-Gläubigerin HSH Zech sogar noch knapp zehn Millionen Euro drauf.

In Bremen platzen sie vor Stolz. "Unser Ziel war eine Flotte von 100 Schiffen, das haben wir auf einen Schlag erreicht." Dafür müssen sie Kurt Zech, dem neuen Reederkönig, beim Eisbeinessen der Hamburger Schiffsmakler nun einen Stuhl freihalten. Die Rechnung geht auch dafür an den Steuerzahler.

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