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Saudi-Arabien: Wüstensohn und CEO

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Supermacht des Mittleren Ostens Wie ein junger Prinz Saudi-Arabiens Geschäftsmodell revolutioniert

Die Autofahrerlaubnis für Frauen ist nur der populäre Gipfel. Mit einem brutalen Reformprogramm will der junge Prinz Mohammed Bin Salman den Wüstenstaat retten und zum arabischen Powerhouse umbauen. Ein Inside-Report.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 7/2017 des manager magazins, die Ende Juni erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Ziyad Al Ashaikh war bis vor Kurzem noch ein Schwergewicht. Über 180 Kilo brachte der Chef der Deutschen Bank  in Saudi-Arabien auf die Waage. Jetzt sitzt er schlank und rank auf einem beigefarbenen Ledersofa im Konferenzzimmer der Bank in Riad, schlürft Tee und sagt stolz: "Durch Diät und Sport bin ich bei 86 Kilo." Eine harte Zeit sei das für ihn gewesen, doch: "No pain, no gain".

Die Tortur, die Al Ashaikh hinter sich hat, steht seinem Land noch bevor: "Auch Saudi-Arabien muss eine Diät machen", sagt er. Weg vom Öl, hin zu einer Wirtschaft, die auf mehreren Säulen steht. Weg von einem Staat, der seine Bürger aushält, hin zu einer leistungsbereiten, sozialen Gesellschaft. Weg vom fundamentalistischen, hin zu einem offeneren Islam. Weg von der Dominanz der Männer, hin zur Einbeziehung der Frauen. Weg von der Gerontokratie, hin zur Macht der Jungen.

Der Architekt dieses Umbaus zählt selbst noch zum Nachwuchs: Prinz Mohammed Bin Salman (eine Frau, vier Kinder) ist gerade mal 31 Jahre alt. MBS, wie der Adelsspross kurz genannt wird, ist der Sohn des gesundheitlich angeschlagenen Königs Salman (81). Seit Januar 2015 im Amt, vereint er eine beispiellose Machtfülle auf sich. Er führt das Verteidigungsministerium sowie den vom König geschaffenen Council of Economic and Development Affairs (CEDA), das heißt: Er kontrolliert das Ölmonopol sowie den nationalen Investmentfonds.

Der Kronprinz ist angetreten, sein Reich zu retten. Einerseits. Zugleich will er es stärker und einflussreicher machen, als es je war - politisch und vor allem ökonomisch.

Der Einbruch des Ölpreises hat das einst märchenhaft reiche Saudi-Arabien in eine existenzielle Krise gestürzt. 90 Prozent der Staatseinnahmen hängen an Öl und Gas, sie haben den aufgeblähten Staatsapparat finanziert sowie die vielen Wohltaten für das 33-Millionen-Volk.

Nun, da sich die Einnahmen halbiert haben, ist dieses Schlaraffenland nicht mehr bezahlbar. Der Haushalt wies 2016 ein Defizit von 78 Milliarden Dollar aus (2015: 98 Milliarden), die Währungsreserven - immer noch knapp 500 Milliarden Dollar - schwinden.

Dem Kronprinzen, der islamisches Recht studiert hat, war klar, dass er auf eine Staatspleite zutrieb. Er ließ einen Masterplan entwickeln, der einen radikalen Neuanfang vorsieht - als moderner, aufgeklärter Weltaktionär und Superinvestor. In 20 Jahren will der Wüstensohn vom Öl unabhängig sein, neue, private Firmen angesiedelt haben. Dazu soll jetzt das wertvollste Asset des Landes, der staatliche Ölgigant Saudi Aramco, Schritt für Schritt verkauft werden.

Die Chance, dass Prinz Salmans kühner Plan aufgeht, ist groß. Denn das Projekt ist gut vorbereitet und wird flankiert von anderen Reformern sowie einem offen zur Schau gestellten politischen Machtanspruch in der Region. Die Brutalität, mit der der Prinz das Scheichtum Katar unter dem Vorwand der Terrorfinanzierung abriegelt, isoliert und schädigt, soll auch seine Feinde daheim einschüchtern. "Mr Everything", wie er von Diplomaten genannt wird, will aus seinem Wüstenreich das arabische Powerhouse machen. Dafür riskiert er sogar einen Waffengang mit dem Iran. Denn er kann keine Rivalen gebrauchen, weder innen noch außen.

Über Jahre hat Prinz Salman den Umbau des Staatsapparats vorbereitet, dabei hat er viele Saudis vor den Kopf gestoßen. Die Kappung der hohen Subventionen auf Wasser, Benzin und Strom hat bei Twitter für viel Empörung gesorgt, nächstes Jahr folgt die Einführung einer 5-prozentigen Mehrwertsteuer. Selbst mit seinem Onkel, dem 2015 verstorbenen König Abdullah, geriet er heftig aneinander.

Saudi-Arabien im Auto - jetzt auch bald für Frauen:

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SaudiaDoch Widerstand stachelt MBS nur weiter an. Hundertschaften von Consultants, vor allem von McKinsey und BCG, haben das Projekt begleitet. Jeden Sonntagmorgen fliegen sie zu Beginn der saudischen Arbeitswoche aus Dubai ein und am Donnerstagnachmittag wieder dorthin zurück. Ryan Alnesayan ist einer dieser Pendler. Er ist Partner bei der Beratung ADL, die rund 50 Leute in Riad stationiert hat. Kurz vor seinem Rückflug nach Dubai sitzt Alnesayan in einem der schicken "Bateel"-Cafés bei Espresso und einer Flasche Perrier und plaudert aus dem Innenleben der Macht.

Vier Minuten, ein Anliegen

Drei Monate lang arbeitete er im vergangenen Frühjahr mit Regierungsvertretern im Khozama Building mitten in Riad zusammen. Jedes Ministerium hatte dort ein bis zwei Apartments angemietet, in denen überwiegend junge, im Ausland ausgebildete Beamte Tag und Nacht mit den Consultants den Neustart konzipierten. Als Vorbild für das neue Geschäftsmodell dienten insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate und Malaysia.

Am Ende dieser Beratungen lieferten die Teams zwei dicke Papiere beim Prinzen ab: die "Vision 2030" und den kurzfristigen National Transformation Plan (NTP), der bis 2020 umgesetzt werden soll.

In der "Vision" werden 24 eher allgemeine soziale und wirtschaftliche Ziele formuliert, wie die Erhöhung des Privatanteils an der Wirtschaft von 40 auf 65 Prozent, die Versechsfachung der erdölfernen Einnahmen oder der Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung von 74 auf 80 Jahre. Im NTP wird es konkreter. 543 Initiativen sind dort aufgelistet, von der Gründung von 104.000 Firmen bis hin zu einer Frauenquote im öffentlichen Dienst von 42 Prozent.

Auch bei der Exekution der Programme sind die Berater dabei. Die Schaltzentrale für Phase zwei ist im Tamkeen Tower angesiedelt, einem 50-stöckigen, runden Büroturm im Norden Riads. 16 Uhr, in der Lobby und auf den Fluren mischen sich smarte Anzugträger mit Männern in weißem Gewand und Frauen in schwarzer Abaya. Vor ein paar Jahren noch hätte man um diese Zeit niemanden mehr angetroffen, gegen 14.30 Uhr war Büroschluss, die Mittagspause ging nahtlos in den Feierabend über.

Doch unter dem Kronprinzen, der selbst 16 Stunden am Tag arbeitet und an sich Züge von Steve Jobs und Mark Zuckerberg entdeckt hat, hat sich das geändert. Entlohnt wird neuerdings nach Leistung, wichtige Gespräche werden schon mal um 20 Uhr angesetzt oder, wenn der Boss dabei ist, mitten in der Nacht. Sein Arbeitsstil ist brutal und effizient. "Vier Minuten hatten wir Zeit, unser Anliegen vorzutragen", berichtet ein Manager.

Dieses Tempo konnten viele Bürokraten nicht mitgehen. Der Prinz hat sie ausgetauscht und durch Vertraute ersetzt, die ticken wie er. "Ich bin ein Bulldozer und werde jeden aus dem Weg räumen, der nicht mitmacht", soll er vor Fernsehchefs und Medienleuten angekündigt haben.

Drei seiner wichtigsten Gefolgsleute sind Finanzminister Mohammed Al-Jadaan, lange einer der erfolgreichsten Anwälte des Landes, Energieminister Khalid Al Fahli, früher Chef von Saudi Aramco, sowie Wirtschafts- und Planungsminister Adel Fakeih. Einer der fünf Stellvertreter von Fakeih ist Abdulaziz Alrasheed, ein in Harvard und Oxford ausgebildeter Ökonom.

Sein kleines Büro in der 47. Etage des Tamkeen Towers ist nahezu papierlos, auf dem Schreibtisch lediglich ein aufgeklappter Laptop. "Der Wechsel hier ist so schnell und so dramatisch", sagt Alrasheed stolz. Die Ministerien werden - man merkt die Handschrift der Berater - inzwischen per Key Performance Indicators (KPI) geführt. Ihnen wurden Zielvorgaben verordnet, die jedes Quartal vom gerade installierten Center for Reform Monitoring überprüft werden.

Beim alles entscheidenden nächsten Reformschritt, dem Börsengang von Saudi Aramco, sei man voll im Zeitplan, sagt Alrasheed. Von dem staatlichen Ölgiganten, mit einer Förderkapazität von täglich zwölf Millionen Barrel doppelt so groß wie die Nummer zwei der Welt, sollen 2018 zunächst nur 5 Prozent der Aktien platziert werden, wahrscheinlich in London.

Saudi Aramco (knapp 500 Milliarden Dollar Umsatz) gilt als modern und professionell gemanagt, die jungen Führungskräfte wechseln alle halbe Jahre die Abteilungen, um den gesamten Konzern verstehen zu lernen. Der Börsenwert des Konglomerats, das seine Wertschöpfungskette deutlich erweitern will, wird auf bis zu zwei Billionen Dollar geschätzt.

Schon der 5-Prozent-Anteil wäre mit bis zu 100 Milliarden Dollar ein solcher Brocken, dass er die Liquidität der London Stock Exchange auf die Probe stellen und den britischen Aktienmarkt dominieren würde. Investmentbanker und Investoren jedenfalls können den Startschuss kaum erwarten.

Als der Chef des saudischen Staatsfonds vor wenigen Wochen ein gutes Dutzend Chefs der großen Private-Equity-Häuser zum Abendessen unter Palmen zu sich nach Hause einlud, kamen sie alle: von Blackstone-Boss Stephen Schwarzman bis hin zu Softbank-Eigentümer Masayoshi Son. Denn die Milliarden aus dem Börsengang fließen komplett in den Public Investment Fund (PIF), der durch weitere Privatisierungen und mit den Währungsreserven zum größten Staatsfonds der Welt aufgepumpt werden soll. Und davon wird ein erklecklicher Teil bei den Heuschrecken angelegt.

Bisher haben die Saudis mit ihrem Staatsfonds - anders als die Katarer - im Ausland eher zurückhaltend investiert. Doch das ändert sich gerade. 2016 beteiligte sich der PIF bereits mit 3,5 Milliarden Dollar am US-Taxischreck Uber, zuletzt hat er angekündigt, 20 Milliarden Dollar in Blackstones neuen US-Infrastrukturfonds zu stecken sowie 45 Milliarden in Softbanks Vision Fund, den weltgrößten Tech-Pool. Auch deutsche Firmen stehen auf der Liste.

Der Staatsdienst ist out

Die Saudis erhoffen sich durch diese Investments nicht nur auskömmliche Renditen, sondern auch einen Know-how-Transfer, ohne den der Aufbau einer gesunden Industrie jenseits von Öl, Petrochemie und Bau nicht funktioniert. Gerade erst war der König mit sieben Flugzeugen voll Delegierter auf Tour in Asien, um für sein Land zu werben.

Khaled Juffali handelt von Riad aus seit Jahrzehnten mit Industrieware aus Deutschland - von Daimler bis Siemens verkauft er alles. Bei einem Glas Bourbon, Whisky ist neben Gin das beliebteste Privatgetränk der Wirtschaftselite, schwärmt er vom deutschen Mittelstand. "So etwas Ähnliches brauchen wir hier auch." Der unternehmerische Geist sei jedenfalls vorhanden.

Ein Gefühl für diesen Gründerspirit bekommt man im Park vor der Nationalbibliothek in Riad. Auf der großen Rasenfläche sitzen Familien, essen, trinken und schwatzen. Im Hintergrund dröhnen Generatoren. Sie versorgen die rund 20 Foodtrucks, die Speisen und Getränke aus aller Welt anbieten, von "La Vie Coffee" über "Sushi Mia" bis hin zum "Va Uno" (mexikanische Sandwiches).

Die Foodtrucks sind inzwischen allgegenwärtig im Land. Betrieben werden sie von jungen Leuten, die fast alle ziemlich perfekt Englisch sprechen. Wie der 24-jährige Ahmed, der an seinem Stand "shrimpsonfire" gegrillte Garnelen verkauft. "Wir haben studiert, wollen aber nicht in den Staatsdienst", sagt er.

Eine völlig neue Denke. Von den 200.000 jungen Saudis, die im Ausland ihren Uniabschluss machen, kam die große Mehrheit bisher in den Behörden unter. Jetzt wollen sie die neue Freiheit, die sich bietet, auch nutzen. Viele probierten sich im Internet aus, sagt Maan Eshgi, Partner bei Venturesouq, einem Zusammenschluss von Business-Angels. Die Saudis sind internetaffin, sie chatten, posten, tindern sogar.

Das wohl bekannteste Start-up ist Uturn, ein Online-Entertainment- Network, das Youtube-Videos für den arabischen Raum produziert, darunter viele Comedyshows. Über 100 Millionen Zuschauer locken die Filmchen jeden Monat an. Eine andere Digitalgründung ist Morni, eine App für Autofahrer, die im Wüstenstaat liegen bleiben und Hilfe brauchen. Gegründet von Salman Al-Suhaibaney, einem Ex-Lazard-Banker.

Wagniskapitalfinanzier Eshgi kommt ebenfalls aus dem Banking, arbeitete bei ersten Adressen in London und Dubai, zuletzt für die Citigroup in Genf. Nun ist er heimgekehrt. In Dschidda, der umtriebigen Businessmetropole am Roten Meer, hat Eshgi ein modisches, ganz in Schwarz-Weiß gehaltenes Büro in einer Coworking-Station. Er sieht unter der neuen Regierung große Chancen, "weil sie auf die Jugend und die Frauen setzt". Zwei Gruppen, die die alten Herrscher sträflich vernachlässigt haben.

Seit Neuestem tauchen saudische Designerinnen auf Modemessen in Dubai und London auf, bei Microsoft Arabia stieg gerade eine Frau zur Chefin auf: Deemah Alyahya. Die vielleicht prominenteste weibliche Personalie: Im Februar rückte die 37-jährige Sarah Al Suhaimi an die Spitze der Börse in Riad.

Frauen als Unternehmerinnen - das ist schon länger keine Selten-heit mehr. Dina Hasan Al Nahdy, selbstbewusst, dunkelblaue, mit Ornamenten bestickte Abaya, lila lackierte Fingernägel, führt die Umweltberatung Entec und ist äußerst kampferprobt. "Früher durfte ich als Frau in keine Behörde, heute gehe ich überallhin." Sie hat 50 Beschäftigte, Männer wie Frauen, die Tür an Tür arbeiten. "Wir bezahlen beide Geschlechter gleich", sagt sie, "da sind wir fortschrittlicher als ihr im Westen."

Der Westen mit seinen abgegriffenen Klischees nervt sie sowieso. Ja, sie dürfe nicht Auto fahren, aber das beschränke sie in ihrem Emanzipationsstreben am wenigsten.

Dubai, immer wieder Dubai

Seit die Regierung ein 50-Milliarden-Dollar schweres Programm für erneuerbare Energie aufgelegt hat, ist Nahdy, die in Kanada Umweltmanagement studiert hat, gut im Geschäft. Bis 2030 sollen 40 Prozent der Energie aus Sonne und Wind gespeist werden. Saudi-Arabien entdeckt seine Standortstärken.

Zu denen zählt auch die geografische Lage: Die arabische Halbinsel taugt von jeher als Drehscheibe zwischen Europa, Asien und Afrika. Neidisch beobachten die Saudis die benachbarten Emirate. Die füllen diese Hub-Rolle längst geschickt aus, während sich die Scheichs in Riad auf den Ölmilliarden ausruhten. Mit ihren Fluglinien Emirates, Etihad und Qatar Airways haben sich die Emire Respekt im Airlinebusiness verschafft, mit dem Hafen in Dubai beherrschen sie den Warenverkehr in der Region.

Das aus dem Tiefschlaf erwachte Saudi-Arabien will nun dagegenhalten. Nördlich von Dschidda wird am Roten Meer ein gigantischer Hafen gebaut, der Dubai den Rang ablaufen soll und bei dem ein Deutscher entscheidend mitmischt (siehe unten). Der Hafen hat zwei Vorteile: seine Lage, ein Drittel der weltweiten Schifffahrt durchkreuzt das Rote Meer, und seine Tiefe von 18 Metern, die selbst für die neuen Superfrachter ausreicht.

Dubai, immer wieder Dubai. Das kleine Emirat gilt als Vorbild, aber ganz so wie der Nachbar will man dann doch nicht werden. Saufende Horden, Menschen in Shorts und Bikini - auf all das können sie in Saudi-Arabien verzichten. Was zu den jährlich zehn Millionen Pilgern in Mekka und Medina besser passt, sind westliche Premiumtouristen.

Auf der Touristikmesse ITB in Berlin tauchte Saudi-Arabien im März zum ersten Mal mit einem eigenen Stand auf. Bunte Kataloge, auf Deutsch, preisen die Schönheiten des Landes. Zum Beispiel al-Khobar am Arabischen Golf, kilometerlange Strände, türkisfarbenes Wasser. Arabiens Côte d'Azur.

Bei aller Radikalität seiner Reformen darf der junge Prinz die religiösen Fundamentalisten nicht verprellen. Immerhin hat er es geschafft, die berüchtigte Religionspolizei zu entmachten, sie ist von den Straßen verschwunden. Auf der Flaniermeile Tahlia in Riad sitzt das Jungvolk noch um 22 Uhr draußen auf den Bürgersteigen, vor den Shisha-Bars, Cafés und Restaurants. Seit einem Jahr gibt es gar eine Spaßbehörde, die General Authority for Entertainment. Sie erlaubt Konzerte westlicher Musiker, im Süden der Stadt darf der US-Konzern Six Flags einen Themenpark bauen.

Die Revolution indes findet mitten in Riad statt. Dort entsteht das erste Kino Saudi-Arabiens. Für den Diätbanker Ziyad Al Ashaikh mehr als nur ein Symbol: "Damit hat der Reformweg den Point of no Return überschritten."

Der alte Mann und das Rote Meer

Hafenmeister: In Dschidda will der deutsche Ingenieur Michael Wübbens dem Konkurrenten Dubai buchstäblich das Wasser abgraben

Hafenmeister: In Dschidda will der deutsche Ingenieur Michael Wübbens dem Konkurrenten Dubai buchstäblich das Wasser abgraben

Foto: Huta

Michael Wübbens (69) kam schon 1981 nach Saudi-Arabien, als Projektleiter eines deutschen Baukonzerns namens Huta-Hegerfeld. Dieser ging 1985 pleite. Für einen Dollar kaufte Wübbens die saudische Niederlassung und baute sie mit seinem Partner vor Ort, dem Unternehmer Bakr bin Laden, zu einer respektablen Baufirma aus. Huta ist zudem zu 50 Prozent an der Port Development Company des King Abdullah Port (KAP) beteiligt, dem größten privaten Infrastrukturprojekt Saudi-Arabiens. Investitionssumme: zehn Milliarden Dollar.

Das Rote Meer ist die am stärksten befahrene Seehandelsroute der Welt. Doch kaum ein Schiff legt in Saudi-Arabien an. Deshalb entsteht rund 120 Kilometer nördlich von Dschidda einer der größten Häfen der Welt. "Wir wollen mit dem KAP unter die Top Ten", sagt Wübbens.

Auf dem Weg zum Suezkanal: Das erste Containerterminal am King Abdullah Port nördlich vom Dschidda ist fertig

Auf dem Weg zum Suezkanal: Das erste Containerterminal am King Abdullah Port nördlich vom Dschidda ist fertig

Foto: King Abdullah Port

Mit seinem Porsche Macan braucht er fast eine Stunde, um die gigantische Baustelle abzufahren, auf der rund 3000 Asiaten und Afrikaner arbeiten. Stolz parkt er vor dem ersten fertigen Terminal. Dort wird ein Schiff der MSC entladen. Die zweitgrößte Containerreederei nach Maersk ist sein erster wichtiger Kunde.

KAPs Ziel ist es, den sogenannten Transshipment-Verkehr anzulocken. Dabei handelt es sich um Containerfracht, die auf kleinere Schiffe oder für den Landtransport umgeladen wird.

Der neue Hafen soll vor allem den Scheichs in Dubai Konkurrenz machen. Wübbens: "Das wissen die noch gar nicht." Jetzt wissen sie's.

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