Dienstag, 22. Oktober 2019

Supermacht des Mittleren Ostens Wie ein junger Prinz Saudi-Arabiens Geschäftsmodell revolutioniert

Saudi-Arabien: Wüstensohn und CEO
REUTERS

4. Teil: Dubai, immer wieder Dubai

Seit die Regierung ein 50-Milliarden-Dollar schweres Programm für erneuerbare Energie aufgelegt hat, ist Nahdy, die in Kanada Umweltmanagement studiert hat, gut im Geschäft. Bis 2030 sollen 40 Prozent der Energie aus Sonne und Wind gespeist werden. Saudi-Arabien entdeckt seine Standortstärken.

Zu denen zählt auch die geografische Lage: Die arabische Halbinsel taugt von jeher als Drehscheibe zwischen Europa, Asien und Afrika. Neidisch beobachten die Saudis die benachbarten Emirate. Die füllen diese Hub-Rolle längst geschickt aus, während sich die Scheichs in Riad auf den Ölmilliarden ausruhten. Mit ihren Fluglinien Emirates, Etihad und Qatar Airways haben sich die Emire Respekt im Airlinebusiness verschafft, mit dem Hafen in Dubai beherrschen sie den Warenverkehr in der Region.

Das aus dem Tiefschlaf erwachte Saudi-Arabien will nun dagegenhalten. Nördlich von Dschidda wird am Roten Meer ein gigantischer Hafen gebaut, der Dubai den Rang ablaufen soll und bei dem ein Deutscher entscheidend mitmischt (siehe unten). Der Hafen hat zwei Vorteile: seine Lage, ein Drittel der weltweiten Schifffahrt durchkreuzt das Rote Meer, und seine Tiefe von 18 Metern, die selbst für die neuen Superfrachter ausreicht.

Dubai, immer wieder Dubai. Das kleine Emirat gilt als Vorbild, aber ganz so wie der Nachbar will man dann doch nicht werden. Saufende Horden, Menschen in Shorts und Bikini - auf all das können sie in Saudi-Arabien verzichten. Was zu den jährlich zehn Millionen Pilgern in Mekka und Medina besser passt, sind westliche Premiumtouristen.

Auf der Touristikmesse ITB in Berlin tauchte Saudi-Arabien im März zum ersten Mal mit einem eigenen Stand auf. Bunte Kataloge, auf Deutsch, preisen die Schönheiten des Landes. Zum Beispiel al-Khobar am Arabischen Golf, kilometerlange Strände, türkisfarbenes Wasser. Arabiens Côte d'Azur.

Bei aller Radikalität seiner Reformen darf der junge Prinz die religiösen Fundamentalisten nicht verprellen. Immerhin hat er es geschafft, die berüchtigte Religionspolizei zu entmachten, sie ist von den Straßen verschwunden. Auf der Flaniermeile Tahlia in Riad sitzt das Jungvolk noch um 22 Uhr draußen auf den Bürgersteigen, vor den Shisha-Bars, Cafés und Restaurants. Seit einem Jahr gibt es gar eine Spaßbehörde, die General Authority for Entertainment. Sie erlaubt Konzerte westlicher Musiker, im Süden der Stadt darf der US-Konzern Six Flags einen Themenpark bauen.

Die Revolution indes findet mitten in Riad statt. Dort entsteht das erste Kino Saudi-Arabiens. Für den Diätbanker Ziyad Al Ashaikh mehr als nur ein Symbol: "Damit hat der Reformweg den Point of no Return überschritten."

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